Vorsicht bei Notfalldiensten: 600 Franken für zwei Minuten lausiger Sanitärarbeit

Immer wieder gelingt es skrupellosen Abzockern, Menschen, die sich in einer Notsituation befinden, Geld aus der Tasche zu ziehen. Dazu ein krasses Beispiel aus der Sanitärbranche.

Thomas Heer
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Die Polizei rät,falls ein Notfalldienst in Anspruch genommen werden muss, keine Barzahlungen zu leisten und auf Rechnungsstellung zu beharren. (Symbolbild Gaetan Bally/Keystone)

Die Polizei rät,falls ein Notfalldienst in Anspruch genommen werden muss, keine Barzahlungen zu leisten und auf Rechnungsstellung zu beharren. (Symbolbild Gaetan Bally/Keystone)

Die Frau, eine Luzernerin, hat ihren Ärger bis heute nicht überwunden. Dies, obwohl das unerfreuliche Ereignis sich bereits vor einigen Wochen zugetragen hat. Und in etwa so spielte sich das Ganze ab: Es war bereits nach 22 Uhr, als die 53-Jährige bemerkte, dass der Spülkasten im Badezimmer nicht mehr richtig tat. Das heisst, der Behälter war im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr ganz dicht und verlor ständig Wasser, das sich dann in die WC-Schüssel entleerte. Die vom Schaden Betroffene befürchtete Unheil, indem die überlaufende Toilette die Wohnung früher oder später unter Wasser setzen könnte. Via Google fand sie eine Hotline und wählte danach die aufgeführte 0800er-Nummer.

In Trainerhosen, aber ohne Werkzeug

Mit wem oder gar mit welcher Firma die Frau damals kommunizierte, weiss sie bis heute nicht. Auf jeden Fall wurde ihr versprochen, dass sich innerhalb der nächsten Stunde jemand in ihrer Wohnung einfinden und das Problem aus der Welt schaffen würde. Als kurz vor Mitternacht immer noch niemand aufgetaucht war, wurde der Gestressten beim zweiten Anruf in Aussicht gestellt, spätestens in einer Viertelstunde käme ein Fachmann vorbei. Ein vollmundiges Versprechen. Denn erst kurz vor ein Uhr standen dann endlich zwei, in Trainingsklamotten gekleidete Typen vor der Haustür. Mitgebrachtes Werkzeug: Fehlanzeige. Auch sonst machten die beiden auf die Luzernerin keinen guten Eindruck. Dies auch deshalb, weil die zu Hilfe Gerufenen Fragen stellten, die sie als Experten eigentlich selber hätten beantworten sollen. Auf jeden Fall gelang es dem einen dann schliesslich, innerhalb von knapp zwei Minuten den Wasserfluss zu stoppen.

Danach ging’s ans Fakturieren. Die Frau wurde gefragt, ob sie bar bezahlen möchte, ohne dass ihr in dem Zusammenhang irgendein Preis genannt worden wäre. Nachdem das Formular – notabene eines von einem Schlüsseldienst – dann ausgefüllt war, kam’s ganz dicke. Denn der Kurzeinsatz schlug mit satten 600.96 Franken zu Buche.

Barzahlung vermeiden und eine Rechnung verlangen

Um zusätzlichem Ärger aus dem Weg zu gehen, bezahlte die Frau widerwillig. Nachdem sich die beiden Abzocker vom Acker gemacht hatten, dauerte es rund eine Stunde, und der Spülkasten sprudelte wieder, als wäre nie ein «Handwerker» vor Ort gewesen. Am nächsten Tag ging die Geprellte dann zur Polizei. Im Fokus stand der Straftatbestand des Wuchers. Der Polizei waren aber weitestgehend die Hände gebunden. Denn der Provider, worüber die Hotline-Nummer läuft, befindet sich in Frankreich.

Als Pressesprecher der Luzerner Polizei sind Christian Bert­schi Fälle wie der eben beschriebene nichts Unbekanntes. Er spricht in diesem Zusammenhang auch die Problematik der Schwarzarbeit, verbunden mit Steuerhinterziehung, an. Auch deshalb rät er, falls ein Notfalldienst in Anspruch genommen werden muss, keine Barzahlungen zu leisten und auf Rechnungsstellung zu beharren. Zudem bestehe bei Ungereimtheiten immer die Möglichkeit, sofort die Polizei einzuschalten.