77-Jähriger betrügt Verwandte und Bekannte um 1,5 Millionen Franken – 30 Monate Freiheitsstrafe

Das Urteil des Luzerner Kriminalgerichts ist klar: Ein Senior hat sein Umfeld gewerbsmässig betrogen, er sei nicht Opfer, sondern Täter. Von seiner Strafe muss er acht Monate im Gefängnis absitzen.

Sandra Monika Ziegler
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Über neun Jahre hat der Beklagte von Verwandten, Freunden und Bekannten Geld genommen, um es, wie er versprach, in eine gewinnbringende Kapitalanlage zu investieren. Doch vom Gewinn sahen die Investoren nichts, teilweise auch vom ganzen Geld nichts mehr. Denn nicht immer konnten neue Mittel beschafft werden, um Rückzahlungsraten zu bedienen und damit die Geldgeber ruhigzustellen. Aufgeflogen war er, weil eine Betrogene im Januar 2014 Anzeige erstattete. Sie wartete seit Jahren auf ihren Gewinn. Einige Delikte sind bereits verjährt. Als Privatkläger meldeten sich 18 Personen.

An der Verhandlung vom 20. August hatte sich der Beklagte noch als Opfer dargestellt. Er sei selber von zwei Unbekannten getäuscht worden. Das hat ihm das Luzerner Gericht jedoch nicht abgenommen. Schon an der Verhandlung forderte die Staatsanwaltschaft eine mehr als vierjährige Gefängnisstrafe, 49 Monate. Der Fall sei zwar «atypisch» und auch «sehr speziell», doch der Beklagte habe sich schuldig gemacht.

Zum geforderten Strafmass führte die Staatsanwaltschaft aus, der Mann hätte eine «rücksichtslose Habgier» an den Tag gelegt. Auch seien keine Gründe für eine Strafmilderung ersichtlich. Im Gegenteil, mit den beiden Unbekannten habe der Angeklagte die Richter auf eine «falsche Fährte» locken wollen. Auch habe er während der Untersuchungshaft die Bereitschaft, das Geld zurückzuzahlen, nur vorgetäuscht, das sei ein reines Lippenbekenntnis gewesen.

Gericht liess Milde walten

Trotz der hohen Deliktssumme von 1, 5 Millionen Franken liess das Gericht Milde walten. Das Urteil lautet: 30 Monate, davon 8 Monate unbedingt. Für die restlichen 22 Monate wird dem Beschuldigten bei einer Probezeit von 2 Jahren der bedingte Vollzug gewährt. Zudem hat der Beklagte die Verfahrenskosten von 28'000 Franken zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil wurde Berufung angemeldet.

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