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84 Luzerner Schulen wurden extern untersucht – fast jede dritte hat ein Problem mit dem Qualitätsmanagement

Trotz hoher Zufriedenheit der Schüler: Die neuste Evaluation stellt Luzerner Schulleitern kein gutes Zeugnis aus. Jede dritte Schule hat beim Qualitätsmanagement noch viel Luft nach oben. Besonders kleinere haben Mühe, die Erwartungen zu erfüllen.
Evelyne Fischer
Die Luzerner Schüler sind mit dem Unterricht zufrieden und geben die Note 5. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. März 2018)

Die Luzerner Schüler sind mit dem Unterricht zufrieden und geben die Note 5. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. März 2018)

Die gute Nachricht vorab: Müssten Luzerner Schüler ihre Zufriedenheit im Unterricht und an ihrer Schule benoten, würden sie dafür eine gute 5 verteilen. Auch die Eltern bestätigen das «generell hohe Wohlbefinden ihrer Kinder», heisst es im Bericht zur externen Schulevaluation. Diesen hat die kantonale Dienststelle Volksschulbildung kürzlich veröffentlicht (siehe Kasten am Ende des Textes).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Lehrern: Mit einer knappen 5 bewerten sie die Schul- und Unterrichtsqualität, eine 4,5 gibt’s für das Verhältnis zwischen beruflicher Belastung und Befriedigung. Der Bericht hält fest:

«Viele Lehrpersonen beklagen die wachsende Heterogenität der Lernenden und die zunehmend anspruchsvollere Elternarbeit.»

Als Belastungsfaktoren werden in den letzten Jahren auch vermehrt die Sparmassnahmen des Kantons genannt. Aufgrund anderer Skalen ist der Vergleich zu früheren Berichten schwierig. Im Zyklus 2010 bis 2015 waren Lehrer mit dem Verhältnis zwischen Belastung und Befriedigung «knapp gut zufrieden».

Integrative Förderung ist besser verankert

Laut Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, bestätigt der neue Bericht «den Erfolg der Schulentwicklung der letzten Jahre». Verbesserungen gab es im Bereich der Integrativen Förderung. «Wir haben im Rahmen des Projekts ‹Schulen mit Zukunft› ein grosses Gewicht auf den Unterricht gelegt», so Vincent. Über 150 Schulen hätten vom Angebot der Schulentwicklung zum Lehren und Lernen profitiert. Vincent ergänzt:

«Nun sind sich die Lehrpersonen auch zunehmend gewohnt, den Unterricht individualisierend zu gestalten.»

Wie Vincent streicht auch Pirmin Hodel, Präsident des Schulleiterinnen- und Schulleiterverbands der Volksschulen des Kantons Luzern, die hohe Zufriedenheit der Schüler hervor. Der Rektor der Willisauer Stadtschulen freut sich zudem, «dass fast 90 Prozent der Lehrpersonen ihrer Schulleitung attestieren, kompetent geführt und unterstützt zu werden». Vier von fünf Schulleitungen nähmen ihre Führungsverantwortung wahr. Auch Vincent betont «die gute Verankerung der Schulleitung, die in den meisten Aufgabenbereichen positiv beurteilt wird».

Mankos in der Personalführung

In einem zentralen Bereich haben die Schulleitungen aber einen grossen Tolggen im Reinheft: An fast jeder dritten Schule gibt’s Entwicklungspotenzial beim Qualitätsmanagement. Dazu gehören das Beurteilungs- und Fördergespräch oder die schulinterne und -externe Evaluation. Eine Schule weist gar eine unzureichende Praxis auf. Um welche Schule es sich handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor.

«Bei den beanstandeten Schulen fehlt häufig ein formuliertes und gelebtes Qualitätsmanagement-Konzept oder es werden zu wenig systematisch Feedbacks der Lernenden und der Erziehungsberechtigten eingeholt», sagt Vincent. Laut Bericht nehmen gewisse Schulleitungen ihre Personalführungsfunktion «zu wenig systematisch wahr». Es gebe mehrere Gründe für diese Mankos, sagt Vincent:

«Wechsel in der Schulleitung können die Qualitätsarbeit beeinträchtigen, möglicherweise werden die Prioritäten zu wenig auf diese Thematik gelegt.»

Vielleicht fehle es der Schulleitung auch schlicht an Ressourcen. Für Pirmin Hodel ist dies die Knacknuss: «Für kleinere Schulen ist der schriftliche Nachweis der geforderten Konzepte ein Kraftakt.» Der Präsident des Schulleiterverbands sagt, die betroffenen Schulen müssten die Kritik ernst nehmen. Generell ruft er Schulleitungen dazu auf, zusammenzuarbeiten. Trotzdem ist Hodel optimistisch:

«Zwei von drei Schulen haben die Qualitätssicherung im Griff.»

Luft nach oben gibt es laut Bericht auch bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung: Fast ein Viertel aller Schulen erfüllt hier die Ansprüche nicht vollumfänglich. Verlangt wird die Formulierung einer Strategie, deren konsequente Umsetzung und Überprüfung. Hodel sieht hier keinen Notstand. «Alle Schulen haben Stärken und Schwächen. Jene, die Verbesserungspotenzial haben, werden Auflagen von der Schulaufsicht bekommen.»

Hinweis: Hier finden Sie den ganzen Bericht zum Nachlesen.

Externe Evaluation ist politisch umstritten

Der Bericht über den Stand der Luzerner Volksschulen ist der dritte in dieser Form seit Einführung im Jahr 2005. Zwischen Oktober 2015 und Juni 2018 wurden 84 Schulen untersucht. Gut 2000 Lehrer, 8500 Schüler, 7300 Erziehungsberechtigte und 300 Schulleitungen wurden online befragt. Weitere 1700 Lehrer, rund 2500 Schüler und 280 Schulleiter wurden mündlich befragt. Pro Schule kostet die Evaluation im Schnitt 20'000 Franken.

Wirkungsbericht kommt 2020 ins Parlament
Die Evaluation ist umstritten: Im Herbst überwies der Kantonsrat ein Postulat von Adrian Bühler (CVP, Eschenbach), der einen Wirkungsbericht zur Schulevaluation verlangte (Artikel vom 11. September 2018). «Der Wirkungsbericht wird aktuell intern bearbeitet», sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung. Im laufenden Jahr würden externe Experten und auch die Partner der Luzerner Volksschulen – darunter der Verband der Luzerner Gemeinden und der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband – diesen begutachten. In der zweiten Hälfte 2020 werde die Regierung den Bericht dem Kantonsrat vorlegen.

Für Pirmin Hodel, Präsident des Schulleiterverbands der Volksschulen des Kantons Luzern, ist klar: «Die Beurteilung der Schulqualität durch eine professionelle Aufsicht ist zwingend notwendig.» Die jetzige Form der Evaluation überzeuge «in weiten Teilen. Firmen geben viel mehr Geld für ihre Qualitätssicherung aus.»

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