9. Jugendpolittag Zug
Lokale Politik und Geschichte sollen auf den Lehrplan

58 Jugendliche aus dem Kanton Zug diskutierten gemeinsam mit Politikerinnen und Politikern über Themen, die sie bewegen. Mobbing, Gender- und Sicherheitsfragen kamen zur Sprache, ebenso wie die Öffnung und Beleuchtung von Sportplätzen.

Cornelia Bisch
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Zur abschliessenden Besprechung des Jugendpolittages versammelten sich die 58 Teilnehmenden zwischen 14 und 16 Jahren aus allen Gemeinden des Kantons Zug gemeinsam mit den 25 Politikerinnen und Politikern aus Kantons- und Gemeinderäten im Burgbachsaal. Jede der zehn Ortsgruppen hatte ein Plakat mit den brennendsten Diskussionsthemen des Tages zusammengestellt und präsentierte deren Inhalt vor der versammelten Gemeinschaft.

Am Ende des kantonalen Jugendpolittages präsentieren die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse der Workshops.

Am Ende des kantonalen Jugendpolittages präsentieren die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse der Workshops.

Bild: Jan Pegoraro (Zug, 21. Oktober 21)

Die Frauen und Männer aus der Politik hatten die Gruppen während des Tages begleitet und ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie ihre Anliegen am besten vertreten und deren Umsetzung vorantreiben können. Eingangs hatte ein Crashkurs in Politik durch einen Politprofi des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente (DSJ) stattgefunden. Die Veranstaltung schloss mit einem persönlichen Gespräch zwischen Kantonsratspräsidentin Esther Haas und Regierungsrat Andreas Hostettler, moderiert von Fabia Odermatt, Radio 3fach, Luzern.

Es ist dies bereits der neunte kantonale Jugendpolittag. Der Anlass wird von der Fachstelle Punkto Eltern, Kinder und Jugendliche im Auftrag des Kantons durchgeführt. Ziel des Jugendpolittages ist der Informationsaustausch und die Schaffung von gegenseitigem Verständnis zwischen Jugend und Politik.

Mehr wissen über das eigene System

Bemängelt wurde der Lehrplan der Oberstufe bezüglich der schwachen Gewichtung von lokaler Geschichte und Politik. «Wir erfahren alles über die Weltgeschichte, aber kaum etwas über unseren eigenen Kanton, die Schweizer Geschichte und das hiesige Politsystem», kritisierten Schülerinnen aus Baar und Zug. Auch lebensnahe Themen, beispielsweise wie man Rechnungen bezahlt, was bei einer Wohnungsübergabe zu beachten ist und Ähnliches, wünschen sich die Baarer Jugendlichen als Schwerpunkte des Oberstufenlehrplans. Sie anerboten sich ausserdem, ihre Gemeinde bei der Bewirtschaftung der sozialen Medien zu unterstützen, damit sich deren Auftritt ansprechender für Jugendliche gestalten würde.

Ein neuer Programmpunkt am kantonalen Jugendpolittag ist das persönliche Sofagespräch, moderiert von Fabia Odermatt (Mitte) von Radio 3fach. Kantonsratspräsidentin Esther Hass und Regierungsrat Andreas Hostettler geben Auskunft.

Ein neuer Programmpunkt am kantonalen Jugendpolittag ist das persönliche Sofagespräch, moderiert von Fabia Odermatt (Mitte) von Radio 3fach. Kantonsratspräsidentin Esther Hass und Regierungsrat Andreas Hostettler geben Auskunft.

Bild: Jan Pegoraro (Zug, 21. Oktober 2021)

Mobbing und mangelnde Sicherheit

Vermehrt kamen auch die Themen Mobbing und Gendergerechtigkeit in allen Lebensbereichen zur Sprache, wobei sich die jungen Leute mehr Unterstützung durch Schule und Politik wünschen. In Menzingen schlugen Jugendliche der Kantonsschule vor, gemeinsame stufenübergreifende Anlässe – beispielsweise Sporttage – mit der Sekundarschule zu veranstalten.

Schüler aus Risch-Rotkreuz bemängelten die Sicherheit rund um das Bahnhofsgelände, wo sie manchmal Angriffen durch Jugendgruppen ausgesetzt seien. «Wir wünschen uns Überwachungskameras und mehr Polizeipräsenz auf dem Bahnhofareal sowie Selbstbehauptungstraining in der Schule», schlug ein Schüler vor. Das Thema Sicherheit im Strassenverkehr bewegt die Jugendlichen aus Cham. «Es ist heute gefährlich, im Dorfzentrum mit dem Velo unterwegs zu sein. Wir wünschen uns mehr Platz, damit auch mehr Leute Lust haben, Velo zu fahren», betonte ein Schüler.

Bessere Busverbindungen und mehr Raum für Jugendliche

Vor allem Jugendliche der Berggemeinden kritisierten die bestehenden Busfahrpläne und -verbindungen. Mehrmals wurde gefordert, dass Sportplätze auch abends und an den Wochenenden geöffnet und gut beleuchtet werden sollten.

Es gebe zu wenige Versammlungsplätze und -räume, wo sie unter sich sein könnten, stellten Mädchen und Buben aus verschiedenen Gemeinden fest. Im Bereich Freizeitangebot wurden Wünsche formuliert wie Gratiseintritt in die Badi, mehr Schwimmbäder und Freestyleparkanlagen, günstige Restaurants, Zugang zu E-Scootern.

«Dieses Jahr waren viele jüngere Schülerinnen und Schüler dabei», erzählte Petra Greykowski von der Fachstelle Punkto Eltern, Kinder und Jugendliche Zug. «Wir waren überrascht, wie gut informiert sie waren und wie engagiert sie mitwirkten.» Politik-Crashkurs und Abschlussgespräch, die dieses Jahr neue Programmpunkte dargestellt hätten, seien sehr gut angekommen. «Bemängelt wurde hingegen die begrenzte Teilnehmerzahl», so Greykowski. Man werde sehen, ob der Jugendpolittag künftig mehrmals jährlich oder jeweils gemeindeintern stattfinden könne, um dem offensichtlich grossen Bedürfnis der Jugendlichen nachzukommen.

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