A 14: Imbiss-Wagen muss neuer Raststätte weichen

Der Rastplatz bei Inwil wird bald zu einer Raststätte ausgebaut. Der Verpflegungsstand von Pius Brun hat dann keinen Platz mehr – zum Missfallen der Stammkunden.

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Der Metzger-Imbissstand von Pius Brun (ganz rechts) 
befindet sich auf dem Inwiler Rastplatz in Fahrtrichtung Zürich. (Bild Roger Grütter)

Der Metzger-Imbissstand von Pius Brun (ganz rechts) befindet sich auf dem Inwiler Rastplatz in Fahrtrichtung Zürich. (Bild Roger Grütter)

Beatrice Vogel und Raphael Gutzwiller

Bereits elf Jahre steht er auf dem ­A-14-Rastplatz St. Katharina: der Imbisswagen von Metzger Pius Brun. Wer zum Parkplatz fährt, entdeckt den weissen Wagen mit den Bistro-Tischchen sofort. Auf Schildern am WC-Häuschen ist sein Sortiment aufgelistet: Schnitzelbrot, Currywurst, Bratwurst, Pommes frites. Vor dem Stand stehen einige Gäste, die sich mit den Verkäuferinnen unterhalten. Wenn sich ein neuer Gast nähert, wird er oft namentlich begrüsst. Man kennt sich. «Wir leben einzig von der Mundpropaganda», erzählt Pius Brun. «Aber das Geschäft läuft.»

Doch die Idylle trügt: Der Stand muss weg. Denn der Kanton Luzern hat die Konzession für eine Raststätte an die Tankstellenbetreiberin Socar vergeben. Diese plant eine Tankstelle mit Migrolino-Shop. Gebaut werden soll noch in diesem Jahr (Ausgabe vom 13. Februar).

«Atmosphäre ist familiär»

Dass wegen der Raststätte der Stand von Pius Brun wegmuss, verstehen die Stammkunden nicht. Eine von ihnen ist Heidi Duss aus Kriens. Sie arbeitet in Rotkreuz und legt auf der Fahrt zur Arbeit jeden Tag eine kurze Pause ein. «Manchmal trinke ich nur einen Kaffee, manchmal esse ich auch noch etwas», sagt sie. «Die Atmosphäre ist hier einfach familiär. Ich komme häufig auch nur für ein Gespräch mit den Verkäuferinnen vorbei.»

Ebenfalls häufig auf dem Rastplatz anzutreffen ist der Lastwagenfahrer Michael Kottke (48). «Der Standort ist ideal für eine kurze Pause, und es gefällt mir hier», sagt er. Wenn der Stand nicht mehr sei, werde er sicher nicht für den neuen Migrolino-Shop halten. «Dann fahre ich einfach an der Raststätte vorbei», so Kottke. «Die tollen Verkäuferinnen sind dann nicht mehr da, das frische und gute Essen auch nicht mehr.»

Vier Teilzeitangestellte

Vier Frauen sind beim Imbissstand Teilzeit angestellt. Eine davon ist Claudia Riedi (41) aus Rothenburg. «Ich kann mir keinen anderen Job vorstellen», sagt sie. «Alles ist hier wie bei einer Familie. Ich hoffe schon, dass wir doch irgendwie noch bleiben dürfen.»

Der Verlust des Standes wäre für Pius Brun zwar nicht existenzbedrohend. Trotzdem: «Es wäre schade, wenn der aussergewöhnliche Imbissstand schliessen müsste. Es muss auch neben einem grossen Giganten für die Kleinen noch Platz haben. Schliesslich funktioniert das Konzept», sagt er. «Und wir bräuchten ja nur drei bis vier Parkplätze.»

In Konzession nicht vorgesehen

Bereits 2008 wurde bekannt, dass an diesem Ort eine Raststätte entstehen soll. Damals sammelte Brun in kurzer Zeit über 2000 Unterschriften dagegen. Der damalige Bau kam nicht zu Stande. Vor allem, weil es Auflageverfahrensfehler gab. Dass nun wieder eine Raststätte geplant ist, hat Pius Brun aus der Zeitung erfahren. Seinen Stand muss er vielleicht innert Kürze räumen: Nur zwei Monate beträgt die Kündigungsfrist. «Die Art und Weise der Kommunikation hat mich gestört. Gerne hätte ich mit dem Kanton, Socar und Migrolino Gespräche geführt.» Der Rastplatz St. Katharina gehört heute dem Bundesamt für Strassen (Astra) als Betreiberin der Nationalstrassen. Gemäss Nationalstrassengesetz sind Nebenanlagen wie Raststätten Sache der Kantone. Im Zuge der Umgestaltung zur Raststätte übernimmt deshalb der Kanton Luzern das Grundstück vom Bund und vergibt die Konzession für die Raststätte. Dass der Imbisswagen von Pius Brun stehen bleibt, sei in der Konzession nicht vorgesehen, sagt Daniel Ender, Projektleiter Planung Strassen beim Kanton Luzern. «Die heutigen Imbissbetreiber hatten die Möglichkeit, sich für die Konzession zu bewerben, haben dies aber nicht wahrgenommen.»