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Kolumne

«à Dieu!»

Einblicke - Unser Kolumnist Werner Keiser verabschiedet sich mit seiner letzten Kolumne für die «Zentralschweiz am Sonntag» von unseren Lesern.
Werner Keiser, dipl. Übersetzer
Werner Keiser

Werner Keiser

Schreiben heisst sich selber lesen. Anders gesagt: Wer schreibt, bleibt. Während neun Jahren durfte ich Sie, Leserinnen und Leser, mit persönlichen Ansichten (Luzerner Zeitung) und Einsichten (Zentralschweiz am Sonntag) «beglücken».

Es war eine sehr wertvolle Erfahrung. Unterschiedliche Reaktionen verliehen mir jeweils willkommene Motivation für den nächsten Beitrag. Gewiss: Die Kolumnen waren gelegentlich auch mit einer homöopathischen Dosis Bibel versehen, ein paar «Globuli» mit dem Hintergedanken: Etwas bleibt immer hängen.

Der eine Leser oder die andere Leserin mag das irritiert haben, aber das war mir egal. «Ich schäme mich des Evangeliums nicht, es ist eine Kraft, die jedem hilft, der glaubt», verheisst uns Paulus in Römer 1, 16. Zudem leben wir in einem Land freier Meinungsäusserung und der Pressefreiheit.

Zu schämen braucht man sich auch nicht, dass diese Sonntagsausgabe bald Geschichte sein wird. Das gedruckte Wort wird nie verschwinden, ja gar eine Renaissance erleben. Kommende Generationen werden eines Tages erkennen, dass Lesen ab Leuchthintergrund inklusiv penetranter und aufdringlich flackender Werbung zum Dauerärgernis wird.

Omnipräsent, am Arbeitsplatz, privat das an die Hand angewachsene Handy oder das Tablet, dessen Akku schon wieder nach Strom piepst und lechzt. Und abends noch drei «leuchtende» Stunden Fernsehen oder gar Zappen. Zappen ist nichts anderes als Verheizen wertvoller Lebenszeit. Total digital – fatal!

Lesen ab Papier hat einen völlig anderen, unvergleichlichen Wert, nämlich tiefsinnig, nachhaltig, und vor allem bleibend. Zahllos sind Artikel, Beiträge, Interviews, Fotos u. v. m., die seit Urzeiten aus Zeitungen ausgeschnitten, aufbewahrt, gar eingerahmt und an die nächste Generation weitergegeben wurden.

Es ist völlig daneben, zu glauben, in zehn Jahren sei das Printprodukt weg vom Fenster. Glücklicherweise können das nur Fake News sein.

Mit dem Schlusszitat von Dietrich Bonhoeffer verabschiede ich mich mit einem «à Dieu» von der treuen «Papier-Leserschaft»: «Je schöner die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in stille Freude. Man trägt das Vergangene, Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.»

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