Ab 90 Operation selber bezahlen: Ein solcher Eingriff macht keinen Sinn

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», über den Vorstoss des Luzerner SVP-Kantonsrats Beat Meister.

Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»
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Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Es mag ja gut gemeint sein. Zumindest falsch ist die Intention nicht. Aber die Umsetzung muss als missglückt be­zeichnet werden: Beat Meister, Luzerner SVP-Kantonsrat und Hausarzt in Hochdorf, fordert in einem Vorstoss, der Kanton solle künftig für die Implantation von Pro­thesen bei Personen ab 90 keine Beiträge mehr bezahlen. Darunter fallen nicht nur Hüft- oder Kniegelenke, sondern auch Herzschrittmacher.

Am Samstag vor einer Woche wurde sein Vorstoss publik. Seither hagelt es Kritik. Selbst von Berufskollegen. Meister hatte mit Kritik gerechnet. Er sei sich bewusst, dass er mit seinem Vorstoss für Empörung sorgen werde, meinte er auf Anfrage unserer Zeitung. Möglicherweise hat ihn die Wuchtigkeit, mit der Kritik jetzt laut wird, aber doch auf dem falschen Fuss erwischt. Ihm wird Diskriminierung älterer Menschen vor­geworfen, es ist die Rede von einer Zwei­klassenmedizin, aber auch von Unverhältnismässigkeit und einem letztlich gegen­teiligen Effekt: nämlich höheren Kosten.

Das ist alles richtig, man kann dies nur unterschreiben. Dies bedeutet aber nicht, dass einem die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen gleichgültig sein sollten. Denn die sind in der Tat ein Problem, in diesem Punkt hat Meister selbstverständlich Recht. Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich werden sie 2018 pro Kopf erstmals über 10'000 Franken betragen, konkret sollen es 10 189 Franken sein. Das ist viel Geld, und immer mehr bekunden Mühe, ihre Prämie zu bezahlen.

Weil teuer nicht mit gut verwechselt werden darf, aber genau dies im Gesundheitswesen gerne der Fall ist, täte eine Korrektur schon lange not. Eine solche kann nur über einen Leistungsverzicht er­folgen. Um dies zu erkennen, muss man jetzt wahrlich kein Gesundheitsökonom sein. Die Kostenzunahme beruht nämlich längst nicht nur auf dem Wirtschaftswachstum, wie dies immer wieder beteuert wird. Die Diskussion, welche medizinischen Eingriffe und Behandlungen künftig übernommen werden sollen, muss aber auf nationaler Ebene erfolgen. Und eine Lösung kann ganz sicher nicht darin bestehen, dass man einfach eine Altersgruppe von den Leistungen ausschliesst.

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch