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ABENTEUER: Vermesser lotet seine Grenzen aus

Zu Fuss, auf dem Bike und im Kajak will André Hager den Kanton Luzern umrunden. Morgen startet der 48-jährige Vermesser seine viertägige Tour – nicht ohne zuvor alles gründlich geplant zu haben.
Raphael Zemp
André Hager (48) bei sich zu Hause – drei Tage vor dem Start der Grenztour um den Kanton Luzern. (Bild: Pius Amrein (Schachen, 27. Juli 2016))

André Hager (48) bei sich zu Hause – drei Tage vor dem Start der Grenztour um den Kanton Luzern. (Bild: Pius Amrein (Schachen, 27. Juli 2016))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Es ist kurz vor Mittag, noch aber ist André Hager dem funktional eingerichteten Vermessungsbüro im Industriegebiet von Malters nicht entflohen. Beiläufig wirft er einen kurzen Blick über den Bildschirmrand, durchs Fenster auf die graue Getreidemühle. Es ist nicht die Aussicht, die ihn von der wohlverdienten Mittagspause abhält. Es ist die Vorfreude auf das Projekt, das er morgen in Angriff nimmt. Und die Möglichkeit, sich darüber auszutauschen.

In nur vier Tagen will er den gesamten Kanton Luzern entlang der 343 Kilometer langen Grenze umrunden. Wo immer möglich mit dem Bike, sonst zu Fuss – oder im Kajak. Begleitet wird er dabei vom Hildisrieder Tierarzt An­dreas Bucher. Auf einigen Abschnitten werden sich weitere Sympathisanten dazugesellen. Dies ist weder Hagers erstes noch sein grösstes Abenteuer. 2009 startete Hager sein bisher grösstes sportliches Unterfangen: Zwei Jahre lang war er mit der damaligen Partnerin auf der Panamericana unterwegs – mit dem Velo. Von Ushuaia am südlichsten Zipfel Argentiniens bis in die Prudhoe Bay im hohen Norden Alaskas hat er dabei 22 863 Kilometer abgespult, über 200 000 Höhenmeter erklommen. Bereits als Jugendlicher ist Hager aufgefallen als sportlichster von vier Geschwistern: Er hat intensiv geklettert, ist in unzähligen Höhlen herumgekrochen. Später entdeckte er dann für sich den Ausdauersport – und «seine» Sportarten Langlauf und Velofahren.

Die erste Etappe hat es in sich

Trotz allem werde diese Tour kein Pappenstiel, ist sich Hager sicher. Besonderen Respekt zollt er der ersten Etappe, die vom ­Eigenthal übers Mittagsgüpfi, entlang der Pilatuskette und über das Brienzer Rothorn bis nach Kemmeriboden-Bad führt. «Es gilt über 4000 Höhenmeter zu bewältigen in geschätzten elf Stunden Fahrt- und Laufzeit», so Hager. Deshalb habe er in der letzten Zeit seine Ausdauer intensiv trainiert. «Mit langen Einheiten, fünf bis acht Stunden am Stück. Pro Woche kamen so schon mal 12 bis 18 Trainingsstunden zusammen.» Ob diese Vorbereitung reichen wird und Hager auch keine Abkürzung nimmt, kann man im Internet überprüfen: Dort wird während seiner Tour die genaue Position laufend aktualisiert.

Hagers sehniger Zeigefinger klickt unablässig neue Streckenabschnitte, Höhenprofile und ­Detailkarten auf den Bildschirm. Verpflegungszonen sind ebenso eingezeichnet wie alle Wechselstellen; hier wird er seine Wander- gegen Veloschuhe eintauschen, dort sein Mountainbike für ein Kajak. «Die gesamte Route ist auch schon mit GPS-Koordinaten festgelegt», sagt Hager. Es wird schnell klar: Dieser Mann mag weder halbe Sachen noch Zufälle.

Dass aber trotzdem nicht immer alles so läuft wie geplant, hat Hager auf die harte Tour lernen müssen. Nach seiner Lehre als Tiefbauzeichner und der Weiterbildung zum diplomierten Bauleiter Tiefbau verschlug es ihn für 17 Jahre in die Informatikbranche. Mit seiner grossen Einsatzbereitschaft arbeitete er sich nach und nach bis in die Geschäfts­leitung hoch – bis er fast ein Burn-out erlitt. «Jetzt ist fertig», sagte sich Hager, kündigte aufs Geratewohl – und schaute sich nach etwas Neuem um. Und dies, obschon er sich als «eher ängstlich und schüchtern» beschreibt. Auf mehreren Umwegen gefunden hat er dann die Langlaufschule Eigenthal-Luzern, deren Inhaber er seit letzter Saison ist. Auch hier hat er angepackt, die Schule komplett neu aufgebaut – vom Internetauftritt bis hin zum selbstkreierten Logo. All das macht Hager nun in seiner Freizeit, ist er doch seit Anfang Jahr wieder zurück in seinem ursprünglichen Berufsfeld und arbeitet zu hundert Prozent als Vermesser. Ob sportlich oder beruflich: «Ich habe aus jeder Niederlage gelernt.»

«Nebeneinander von Bikern und Wanderern ist möglich»

Seine Geschichte erzählt Hager mit leiser, leicht heiserer Stimme. Seine Worte wählt er stets mit Bedacht; auch hier überlässt er nichts dem Zufall. Als ehrliches Bekenntnis zu unserem wunderschönen und abwechslungsreichen Kanton Luzern wolle er seine Tour verstanden sehen. «Sie soll alle dazu animieren, sich in der Natur zu bewegen und diese zu schützen.» Dabei verfolgt er auch noch eine andere Agenda: «Natürlich will ich die Langlaufschule bekannter machen. Ich möchte aber auch zeigen, dass ein Nebeneinander von Bikern und Wanderern bei uns möglich ist.» Gerade am Pilatus sei die Situation für Biker alles andere als ideal, so der passionierte Biker.

Schliesslich macht Hager keinen Hehl daraus, dass sein En­gagement mit seinem Fernziel ­zusammenhängt: «Ich möchte meinen Lebensunterhalt im Outdoorbereich verdienen. Im Winter mit der Langlaufschule, im Sommer als Bikeführer.» Das Diplom dazu hat er bereits im Sack. Wolle man beides profitabel ­betreiben, dann brauche man ein gewisses Renommee. Der Un­ternehmer und Hobbysportler weiss: Zum Erfolg führt nur beharrliche Arbeit. Und da überlässt er nichts dem Zufall.

Hinweis

Mehr zur Grenztour gibts unter:www.langlaufschule-luzern.ch

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