ABFALL: Hier ist verpackte Ware tabu

Innerhalb von zwei Monaten eröffnen in der Stadt zwei Läden, die Lebensmittel ohne Verpackung verkaufen. Können sie sich durchsetzen? Der Vorreiter in Luzern ist skeptisch.

Oliver Schneider
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Beim Alpenquai bietet der Laden «Quai 4»-Markt seit Februar verpackungsfreie Lebensmittel an. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 2. Februar 2017))

Beim Alpenquai bietet der Laden «Quai 4»-Markt seit Februar verpackungsfreie Lebensmittel an. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 2. Februar 2017))

Das Müesli ist wieder einmal alle. Die Verpackung landet im Ab­fallkübel, der heute schon eine ganze Menge Plastik schlucken musste. Mit unserer Lebensweise produzieren wir täglich haufenweise Abfall. 2014 waren es im Schnitt 730 Kilogramm pro Kopf. Nun hat Luzern aber ein Trend erreicht, der genau auf dieses ­Abfallproblem abzielt: verpackungsfreie Produkte, die es in speziellen Läden zu kaufen gibt.

So soll Ende März an der ­Zürichstrasse der Laden «Unverpackt» eröffnen. Einen ähnlichen Laden gibt es bereits: der Anfang Februar eröffnete «Quai4»-Markt beim Alpenquai. Noël Wirth, ­Leiter Detailhandel, ist vom Konzept überzeugt: «Unverpackte Lebensmittel sind die Zukunft.» Sogar Grossfilialen wie Migros und Coop haben mit den kostenpflichtigen Einweg-Plastiksäcken bereits einen Schritt in diese Richtung gemacht.

Gänterli-Bioladen macht es vor

Doch nicht überall ist die gleiche Euphorie zu hören: András Tomasz, Ladeninhaber des Gän­terli-Bioladens, sieht dieser Entwicklung ein wenig skeptisch entgegen. «Der Nachteil solcher Trends ist, dass sie häufig nicht nachhaltig sind», sagt er. Es sei aber schon einmal erfreulich, dass sich die Leute dank dieses Trends mit dem Thema auseinandersetzen. Der Gänterli-Bioladen setzt schon seit 38 Jahren auf verpackungsfreie und biologische Lebensmittel. Im vorderen Teil ähnelt dieser einem normalen Quartierladen. Hinten im Lager stapeln sich jedoch, zum Abfüllen bereit, haufenweise Getreidesäcke und Kanister voller Abwaschmittel. «Unser Ziel ist es, die Leute für dieses Thema zu sensibilisieren», sagt Tomasz. Mehr als das sei aber nicht möglich, denn der Kunde müsse schon aus eigenem Antrieb sein Konfiglas oder die leere Abwaschmittelflasche zum Auffüllen wieder mitnehmen. Zuerst sei das vielleicht ein wenig mühsam. Werde es aber zur Gewohnheit, sei kein grosser Aufwand mehr damit verbunden, so Tomasz.

Zurück zum «Quai4»: Bis anhin hat die soziale Organisation «Wärchbrogg» am Standort «Quai4» einen Selbstbedienungsladen geführt. «Dieser hat nicht wirklich in unser Konzept gepasst, denn wir wollen so viele Mitarbeiter wie möglich beschäftigen», sagt Noël Wirth. Mit dem neuen Projekt habe man den sozialen Gedanken gleich mit einem ökologischen verbinden können. Wenn man die hygienischen Vorschriften einhalte, könne man so ziemlich alle Lebensmittel verpackungsfrei verkaufen, sagt Wirth. Genau dieses Ziel habe sich die Organisation gesetzt und dafür den «Quai4»-Markt eröffnet. Die «Wärchbrogg» ermöglicht Menschen mit einer ­Beeinträchtigung, einen Weg ins Arbeitsleben zurückzufinden.

Betritt der Kunde den «Quai4»-Markt, so fällt sein Blick als Erstes auf Früchte und Gemüse, die auf Tischen offen nebeneinander­liegen. «In erster Linie schauen wir darauf, dass unsere Produkte aus der Region Luzern kommen. Zudem sollten es Bioprodukte sein», sagt Wirth. Das Sortiment gehe von Schweizer Äpfeln über Ingwer bis zu den etwas exotischeren Schweizer Kiwis. An der Wand gegenüber dem Eingang befindet sich das Herzstück des Ladens: die «Abfüllerei». Hier kann der Kunde 100 Produkte wie Pasta, Nüsse, Reis, Sesam oder Müesli in selbst mitgebrachte Behälter füllen. Weiter gibt es Käse ohne Verpackungen und Bier, Wein und Schnaps in Glasflaschen mit Depot sowie vieles mehr für den täglichen Gebrauch.

Oliver Schneider

stadt@luzernerzeitung.ch