Abfallentsorgung: Alte «Güselwagen» könnten bald Geschichte sein

Die Stadt Luzern plant, in Zukunft elektrisch betriebene «Güselwagen» einzusetzen. Wie das Projekt genau aussehen soll, ist noch nicht klar. Vielleicht könnte Luzern von den Erfahrungen anderer Städte profitieren.

Kilian Küttel
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Noch verkehren in der Stadt und Agglomeration Luzern Kehrichtwagen mit Verbrennungsmotoren. (Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 24. Oktober 2017))

Noch verkehren in der Stadt und Agglomeration Luzern Kehrichtwagen mit Verbrennungsmotoren. (Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 24. Oktober 2017))

Jetzt ist es da: das Budget der Stadt Luzern für das kommende Jahr. Darin unterbreitet die Stadtregierung dem Grossen Stadtrat unter anderem: «Der Einsatz von elektrisch betriebenen Kehrichtsammelfahrzeugen und die Umstellung der Sammelflotte auf Elektrofahrzeuge wird geprüft.» Dafür beantragt die Stadtregierung beim Parlament einen Kredit von 250'000 Franken – dies bei einem Gesamtaufwand von fast 630 Millionen Franken.

Allerdings handelt es sich beim genannten Budgetposten nicht um den Gesamtbetrag – sondern lediglich um eine Projektfinanzierung. So will man die Anschaffung vorbereiten, wie Thomas Schmid vom Stadtluzerner Strasseninspektorat erklärt: «Im Raum steht lediglich eine erste Idee. Spruchreif ist noch nichts.» Die Gründe für die Pläne liegen auf der Hand: Strom ist günstiger als Diesel – und erst noch besser für die Umwelt: keine Abgase, weniger Lärm.

Damit will die Stadt Luzern auf einen Trend aufspringen. Seit etwas mehr als zwei Jahren verkehrt etwa in Rothenburg ein Elektrolastwagen, mit dem die Pistor AG Bäckereien und Konditoreien beliefert. «Die Entwicklung zu elektrisch betriebenen Schwerfahrzeugen haben wir erkannt. Und natürlich möchten wir an dieser Entwicklung auch teilnehmen», so Schmid.

Luzern wäre nicht die erste Schweizer Stadt mit elektronischen Abfallsammelfahrzeugen. In Thun soll ab Frühling 2018 ein elektrischer «Güselwagen» verkehren. Bereits im Einsatz ist ein solcher in Murten, Kanton Freiburg. Seit Juni diesen Jahres steht ein elektrisch betriebener Wagen im Fahrzeugpark der Entsorgungsfirma Haldimann. Kostenpunkt: 750'000 Franken. Zum Vergleich: herkömmlicher «Güselwagen» kostet rund 500'000 Franken. Wie Erwin Schneider von der Haldimann AG auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, dürfte sich die Investition aber gelohnt haben: «Wir benützen das Fahrzeug erst seit wenigen Monaten. Aber bisher sind wir sehr zufrieden damit.»

Da dass «Öko-Güselwagen» nur in der Stadt verkehre, reiche zudem eine einzige Stromladung für einen ganzen Tag aus. Sollte der Luzerner Grossstadtrat das Projekt gutheissen, dürfte das Strasseninspektorat den Kontakt mit dem Kanton Freiburg suchen. Thomas Schmid: «Wir würden uns sicher mit Unternehmen und Organisationen austauschen, die bereits elektrische Schwerfahrzeuge einsetzen.»

Real begrüsst neue Öko-Fahrzeuge

Kenntnis von der Idee der Stadt haben auch die Verantwortlichen des Luzerner Abfallentsorgungsverbandes Real. Daniele Vergari, Leiter Abfallwirtschaft, sagt: «Es macht sicher Sinn, sich auf dem Markt nach Innovationen umzuschauen, welche für den Betrieb neue Möglichkeiten ergeben oder die Umwelt entlasten. Auch wir sind daran interessiert, wie sich die E-Kehricht­wagen durchsetzen werden.» Schmid macht aber nochmals klar, dass noch nichts Konkretes kommuniziert werden kann: «Zuerst muss uns der Stadtrat für die Projektvorbereitung grünes Licht erteilen. Erst dann können wir einen Schritt weitergehen.» Deshalb sei es auch nicht möglich, einen Zeithorizont abzuschätzen oder einen Kostenrahmen zu definieren.