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Abfuhr für «Bauern-Villa» eines Anwalts in Sempach

Trotz bereits erteilter Bewilligung kann Anwalt Urs Mühlebach seinen Luxusbau in Sempach vorerst nicht realisieren – weil das Luzerner Kantonsgericht intervenierte. Der Fall könnte zum schweizweiten Exempel werden.
Simon Mathis
Das Baugespann auf der Parzelle Fluck auf Sempacher Boden. (Bild: Boris Bürgisser (12. April 2018))

Das Baugespann auf der Parzelle Fluck auf Sempacher Boden. (Bild: Boris Bürgisser (12. April 2018))

Seit über vier Jahren plant der bekannte Anwalt Urs Mühlebach eine Landvilla auf einer Parzelle ausserhalb der Bauzone. Zu stehen kommen soll das Gebäude im Gebiet Fluck in der Gemeinde Sempach. Das Kantonsgericht Luzern hat den Plänen des Anwalts nun einen Riegel vorgeschoben. Das Gericht hiess eine Beschwerde der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) gut, die sich gegen die von Kanton und Gemeinde bereits erteilte Baubewilligung richtete. Nun muss der Bauherr wieder über die Bücher. Auch die betroffenen Behörden müssen sich überlegen, wie es weiter geht.

«Der Fall Fluck ist schweizweit einzigartig», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz. Tricksereien in diesem Ausmass habe er bisher noch nicht gesehen. Der Gerichtsentscheid sei eine schallende Ohrfeige für die kantonale Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi), das «ganz klar weggeschaut hat», moniert Rodewald. «Und auch die Gemeinde Sempach hat beide Augen zugedrückt. Niemand hatte die Courage, das Projekt zu hinterfragen.»

Anwalt gab sich als Landwirt aus

Das Rawi hätte Rodewalds Meinung nach zwingend überprüfen müssen, ob die Behauptungen von Urs Mühlebach zutreffen. Der Anwalt habe sich als Landwirt ausgegeben, um den Neubau eines luxuriösen Wohnhauses zu rechtfertigen. Auch ein Betriebskonzept habe er nicht vorgelegt. «Ein solches hätte das Rawi aber unbedingt einfordern müssen.»

Schon der Abriss des Vorgängerbaus aus dem Jahre 1689 sei nicht rechtens gewesen. Ursprünglich stand auf der Parzelle ein Bauernhof mit Schindeln und grünen Jalousien, sowie ein landwirtschaftliches Nebengebäude. Beide Bauten liess der Besitzer abreissen. «Hier ging historische Substanz unwiderruflich verloren.»

Häuser für Städter – ausserhalb der Bauzone

Das Bundesamt für Raumentwicklung hat sich bereits zum Fall geäussert – und sich im Sinne Rodewalds ausgesprochen. Der geht noch einen Schritt weiter: Der Fall Fluck zeige exemplarisch, wie stark der Druck auf das Nichtsiedlungsgebiet mittlerweile sei. «Es liegen zwar keine konkreten Statistiken vor», räumt Rodewald ein. «Aber Gespräche mit den Kantonen bestätigen einen allgemeinen Trend.» Die Strategie: Land ausserhalb der Bauzone kaufen, luxuriöse Wohnbauten darauf errichten und diese dann an Städter vermieten. Weiteres Beispiel sei die Parzelle direkt neben Fluck: Das «Bauernhaus» Horlachen, eigentlich eine Villa mit Indoor-Swimmingpool, gehört Mühlebachs Ehefrau.

Wie geht es nun weiter? Urs Mühlebach gibt sich auf Anfrage bedeckt: «Als Anwalt äussere ich mich nicht zu hängigen Verfahren» Man dürfe aber davon ausgehen, dass er nichts ohne Überlegungen tue. Darüber hinaus bestreitet der Bauherr, dass er getrickst habe: «Was immer ich gesagt oder dargestellt haben soll, entspricht der Wahrheit.» Letzte Woche sei sein Sohn Stefan Mühlebach zum Landwirt mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis (EFZ) diplomiert worden. 2015 sagte Mühlebach gegenüber unserer Zeitung, er selbst habe einst den Nebenerwerbs-Landwirtschaftskurs absolviert. Dieser befähige ihn dazu, den geplanten Hof zu bewirtschaften und Direktzahlungen zu erhalten.

Gang vors Bundesgericht – oder kleiner bauen

Auch das Rawi will sich auf Anfrage nicht zum Verfahren äussern. «Das Urteil wird innerhalb der Rechtsmittelfrist analysiert und anschliessend das weitere Vorgehen mit der Gemeinde als zuständige Leitbehörde abgesprochen», erklärt Mario Conca, Abteilungsleiter des Rawi. Eine Beschwerde des Kantons an das Bundesgericht stehe dabei nicht zu Diskussion.

Nun bleiben Anwalt Mühlebach zwei Möglichkeiten: Entweder er zieht vors Bundesgericht oder baut kleiner. «Ich wäre sogar froh, wenn er vors Bundesgericht ginge», sagt Landschaftsschützer Rodewald. Er gehe davon aus, dass das Bundesgericht seine Haltung ebenfalls bestätigen würde. Dann läge ein Rechtsspruch vor, der künftige Fälle bestimme.

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