Abgänger der Uni Luzern finden am einfachsten einen Job

Wer an der Universität Luzern studiert hat, muss im Vergleich zu Absolventen anderer Hochschulen am wenigsten lange auf eine Anstellung nach dem Studium warten. Allerdings verdienen die Luzerner Abgänger danach nur unterdurchschnittlich – zumindest zunächst.

Lucien Rahm
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Finden am schnellsten einen Job: Studenten der Uni Luzern. (Bild: Roger Gruetter (Luzern, 15. Mai 2018))

Finden am schnellsten einen Job: Studenten der Uni Luzern. (Bild: Roger Gruetter (Luzern, 15. Mai 2018))

Ein Hochschulstudium kann sich – je nach Studienziel und Motivationsgrad des Studierenden – über einige Jahre hinziehen. Um so weniger Zeit möchte man in der Regel anschliessend verlieren, um sich dem «Ernst des Lebens» widmen zu dürfen – und seine Finanzen endlich aufzubessern. Wer sein Studium an der Universität Luzern absolviert hat, braucht hierfür vergleichsweise am wenigsten lang. Dies zeigt eine neue Befragung des Bundesamtes für Statistik (BFS).

Von den Luzerner Masterabsolventen waren ein Jahr nach ihrem Abschluss im Jahr 2016 lediglich 1,7 Prozent noch ohne Arbeitsstelle. Zum Vergleich: Bei ihren Kollegen der Uni Bern waren es 2,8, bei den Baslern 3,4 und bei den Zürchern 4 Prozent. Masterabgänger der ETH Zürich waren nach einem Jahr zu 2,1 Prozent stellenlos, jene der Uni St. Gallen zu 2,7 Prozent.

Insbesondere die Juristen der Uni Luzern haben kaum ein Problem, eine Anstellung zu finden. Von ihnen waren ein Jahr nach dem Studium lediglich 0,9 Prozent ohne Erwerbstätigkeit. Auch dies ist ein schweizweiter Spitzenwert. Nur die Rechtsabsolventen der Uni Fribourg erreichen mit 1 Prozent einen ähnlich guten Wert.

Gegenüber einer im April veröffentlichten Befragung mit Studenten, die im Jahr 2012 abschlossen, ist der Prozentsatz der erwerbslosen Abgänger der Uni Luzern gesunken. Von den damaligen Masterabsolventen waren ein Jahr nach Abschluss 2,5 Prozent ohne Job.

Arbeitslosenquote von Masterabsolventen ein Jahr nach Studienabschluss

Abschlussjahr 2016. Angaben in Prozent
0246810Universität LuzernETH ZürichUniversität St. GallenUniversität BernUniversität BaselUniversität ZürichETH LausanneUniversität FreiburgUniversität LausanneUniversità della Svizzera italianaUniversität NeuenburgUniversität Genf

Auf Bachelorstufe steht Luzern gar noch besser da: Nach einem Jahr war keiner der Absolventen arbeitslos. Damit schneiden sie unter allen Schweizer Unis am besten ab. Auf dem zweiten Platz kommen die Abgänger der Uni Zürich mit 2,6 Prozent zu liegen, auf Platz drei jene der Uni Fribourg mit 3,9 Prozent.

«Was sich hierauf sicher positiv auswirkt, ist die Zusammensetzung unseres Fächerkatalogs», teilt Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Uni Luzern, auf Anfrage mit. Nebst Rechtswissenschaften liessen sich an der Luzerner Universität bis 2016 vor allem geistes- und sozialwissenschaftliche Studienfächer belegen. «Diese Absolventen sind nicht für einen konkreten Beruf ausgebildet, sondern können in vielen unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden», so Portmann weiter.

Zudem würden die Studierenden die überschaubare Grösse der Uni Luzern und den unkomplizierten Zugang zu den Professoren schätzen. «Das ist bestimmt ein positiver Faktor für den Studienerfolg», sagt Portmann. Jedoch handle es sich hierbei nur um eine von vielen Einflussgrössen.

Kommentar

Zeichen guter Konjunktur

Alexander von Däniken, Ressortleiter Kanton, zur Uni Luzern, deren Absolventen laut einer Stadtistik am einfachsten eine Anstellung finden.
Alexander von Däniken

Luzerner Löhne sind zunächst unter dem Durchschnitt

Zwar finden die Luzerner am einfachsten eine Arbeitsstelle. Ihr Verdienst liegt gesamthaft gesehen allerdings unter dem Schnitt der Schweizer Uniabgänger – zumindest zu Beginn ihrer Karriere. So verdienen die Bachelorabsolventen ein Jahr nach Abschluss brutto etwa 58'000 Franken pro Jahr, Masterabgänger ungefähr 69'000 Franken. Damit belegt die Uni Luzern unter den Deutschschweizer Universitäten den letzten Platz (siehe Tabellen).

Fünf Jahre nach dem Abschluss kehrt die Situation dann allerdings. Die Luzerner Masterabsolventen von 2012 verdienten nach fünf Jahren durchschnittlich rund 98'000 Franken jährlich. Damit lag die Uni Luzern wiederum auf Platz zwei hinter den Bestverdienern der Uni St. Gallen. Hierfür verantwortlich sind vor allem die Rechtsabsolventen, die in Luzern zahlreich vorhanden sind. Im vergangenen Studienjahr widmeten sich rund 43 Prozent der knapp 3000 Luzerner Studenten der Rechtswissenschaft. Sie beginnen ihre Karriere naturgemäss mit mehrmonatigen, weniger gut bezahlten Praktika, die sie für ihr Anwaltspatent benötigen. «Die Praktika sind fünf Jahre nach dem Hochschulabschluss in der Regel beendet», teilt Petra Koller vom BFS auf Anfrage mit. Danach steigen die Juristen in vergleichsweise hohe Einkommensklassen auf. Zum Vergleich: An der Uni Basel studierten letztes Jahr zehn Prozent der rund 13'000 Immatrikulierten Jus.

Bruttojahreseinkommen von Masterabsolventen ein Jahr nach Studienabschluss

Abschlussjahr 2016. Es wird der Medianwert in Franken ausgewiesen (in Tausend)
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So erlangt man als Jus-Masterabsolvent der Uni Luzern ein Jahr nach dem Abschluss zwar nur ein Jahressalär von ungefähr 53'000 Franken. Danach geht's jedoch richtig los: Im Schnitt Rund 100'000 Franken (Medianwert) jährlich verdienten Luzerner Juristen fünf Jahre nach ihrem Masterabschluss im Jahr 2012.

Bruttojahreseinkommen von Masterabsolventen fünf Jahre nach Studienabschluss

Abschlussjahr 2012. Es wird der Medianwert in Franken ausgewiesen (in Tausend)
020406080100120Universität St. GallenUniversität LuzernUniversität BernUniversität BaselUniversität ZürichUniversität FreiburgETH ZürichUniversität GenfUniversität LausanneUniversität NeuenburgETH LausanneUniversità della Svizzera italiana

Währenddessen verdienen die aus der Uni Luzern hervorgehenden Sozial- und Geisteswissenschafter ein Jahr nach dem Master rund 78'000 Franken. Ihr Salär nach fünf Jahren wurde vom BFS mangels Daten nicht erfasst, ebenso wie die Löhne der Bachelorabschlüsse.

Fachhochschüler sind weniger beliebt

Ein umgekehrtes Bild präsentiert sich bei den Abgängern der Hochschule Luzern. Sie brauchen gesamthaft zwar etwas länger, um eine Stelle zu finden, verdienen damit nach dem ersten Jahr jedoch leicht besser als ihre universitären Luzerner Kollegen. So waren vom Abschlussjahrgang 2016 nach einem Jahr 3,3 Prozent (Bachelor) beziehungsweise 2,9 Prozent (Master) der Fachhochschüler ohne Arbeit. Der Bruttojahreslohn lässt sich hingegen sehen: Rund 80'000 (Bachelor) respektive 83'000 Franken (Master) verdienen sie nach einem Jahr im Schnitt.

Röstigraben tut sich auch bei Studenten auf

Die neue Hochschulabsolventen-Befragung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt auch auf, dass zwischen den Abgängern von Deutschschweizer Unis und jenen aus der lateinischen Schweiz hinsichtlich Lohn und Arbeitslosigkeit teils markante Unterschiede bestehen.

Dies lässt sich jedoch nicht nur auf die gewählte Universität zurückzuführen, sondern hat nebst anderen Faktoren auch mit dem Wohnort und der dortigen Arbeitsmarktsituation zu tun. «Wir können feststellen, dass auch gesamtschweizerisch regionale Unterschiede in der Erwerbslosenquote vorhanden sind und nicht nur bei den Hochschulabgängern», teilt Petra Koller vom BFS auf Anfrage mit.

So ist in der Westschweiz die Arbeitslosenquote etwas höher als in der Deutschschweiz. Da die Studenten eher eine Uni innerhalb ihrer Sprachregion besuchen, weisen sie tendenziell entsprechende Erwerbslosenquoten auf. (lur)

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