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Abriss: Kirche im Entlebuch schliesst
Pforten für immer

Die reformierte Kirche in Wiggen wird bald abgerissen – ein seltenes Ereignis im Kanton Luzern. Wann die Bagger auffahren, ist noch unklar.
Matthias Stadler
Diese reformierte Kirche wird in den nächsten Jahren abgerissen. (Bilder: Jakob Ineichen, Wiggen, 31. Oktober 2019)

Diese reformierte Kirche wird in den nächsten Jahren abgerissen. (Bilder: Jakob Ineichen, Wiggen, 31. Oktober 2019)

Nur wenige Kilometer sind es vom alten Bahnhof Wiggen bis zur Grenze zum Kanton Bern. Entsprechend ist der Einfluss des Nachbarn zu spüren – und auch zu sehen. Hier, im hintersten Entlebuch, eigentlich streng katholisch, wurde anfangs der 1940er-Jahre eine reformierte Kirche erbaut. Berner Bauern, Handwerker und Taglöhner, die um die Jahrhundertwende ins Luzernische übersiedelten, brachten ihren Glauben mit. Und der will irgendwo ausgelebt werden.

Pfarrer Marcel Horni.

Pfarrer Marcel Horni.

80 Plätze bietet die reformierte Kirche ihren Gästen auch heute noch. Sie steht direkt an der Hauptstrasse Richtung Trubschachen. Bei ihrer Errichtung wurden jedoch Fehler gemacht, schwerwiegende Fehler. Die Bodenplatten sind zu wenig dick, was zur Folge hat, dass es überall Risse an den Wänden und im Boden hat. Auch heute noch vergrössern sich diese. «Bunker waren in der Schweiz zur Zeit der Errichtung wichtiger als Gotteshäuser», erklärt Pfarrer Marcel Horni bei einer Besichtigung mit unserer Zeitung.

Renovation wäre zu teuer

Über die Jahre sind die Mängel immer grösser geworden. In einer Wand hatte es beispielsweise ein kleines Loch, durch das man ins Freie blicken konnte. Dieses wurde zwar behelfsmässig repariert und es gab auch immer wieder Sanierungen. Aber das Grundproblem blieb, die Risse kamen früher oder später zurück. «Ich bin erschrocken, als ich die Kirche zum ersten Mal betrat. Man kann richtiggehend zuschauen, wie sich der Zustand des Gebäudes verschlimmert», so Horni.

Die gröbsten Schäden sind behelfsmässig repariert und abgedeckt.

Die gröbsten Schäden sind behelfsmässig repariert und abgedeckt.

Die Risse sind deutlich zu erkennen.

Die Risse sind deutlich zu erkennen.

Deswegen geschieht hier demnächst etwas, das es in der Schweiz nur äusserst selten gibt, wie der «Kirchenbote» berichtet: Die Kirche wird abgerissen. Entschieden wurde dies im vergangenen Mai an der Versammlung der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Escholzmatt. «Die Renovation wäre zu teuer: zwischen 500'000 und 800'000 Franken. Das können wir uns nicht leisten», führt der 61-Jährige aus. Auch eine Umnutzung sei nicht in Frage gekommen, da die Kirche in der Landwirtschaftszone steht und auch so sehr viel Geld in die Hand hätte genommen werden müssen. Ein weiterer Grund für den geplanten Abriss war laut Horni, dass die Linienführung der Hauptstrasse leicht abgeändert werden soll. Dadurch hätte der Kircheneingang verlegt werden müssen.

«Für viele Personen bedeutet die Kirche ein Stück Heimat. Und so war es auch ein Entscheid zwischen Herz und Verstand.» Der Verstand hat in diesem Fall obsiegt, die Kirchgemeinde sagte mit 41 zu 0 Stimmen bei einer Enthaltung Ja zum Abriss. Auch der Denkmalschutz hat grünes Licht gegeben, da die Kirche nicht als schützenswert gilt. «Der Denkmalschutz hat eingesehen, dass es tatsächlich zu teuer für uns wäre», erklärt Horni.

Reformierte können ihren Glauben künftig in der Kirche Escholzmatt ausleben. Diese wurde 1947 erbaut. Die Kirche in Wiggen wird nun per Ende Jahr geschlossen. Am 17. November und am 15. Dezember finden zwei Abschiedsgottesdienste statt. Die Frage ist nun, was mit dem Inventar geschieht: Kirchenglocken und Orgeln sind nicht gerade Gegenstände, die schnell über die Ladentheke gehen – und einfach zu lagern sind sie auch nicht. «Aber irgendwohin müssen sie ja», sagt Pfarrer Marcel Horni. Es könne sein, dass das Altersheim Schangnau einige Gegenstände übernimmt. Entschieden sei aber noch nichts.

Trotz der Schäden hat die Kirche auch ihre schönen Seiten.

Trotz der Schäden hat die Kirche auch ihre schönen Seiten.

Wann genau die Kirche abgerissen wird, ist ebenfalls noch unklar. Zuerst muss laut Horni das Strassenprojekt genau definiert werden, erst danach beginnen die Abbrucharbeiten. Voraussichtlich wird dies nächstes oder übernächstes Jahr sein. Dass die Kirche ihre Pforten aber für immer schliesst, ist beschlossene Sache.

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