Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Orden der Helferinnen in Luzern: Abschied ist zugleich Aufbruch

116 Jahre war die Bruchmatt das Zuhause des Ordens der Helferinnen in Luzern. Mit dem Auszug der letzten Schwestern verschwindet das erste Exerzitienhaus der Schweiz. Der Geist der Hauses wird weiterleben.
Monika Fischer
Die Bruchmatt, stets ein Ort der Begegnung. Hier beim Gottesdienst am Hohen Donnerstag 2018.

Die Bruchmatt, stets ein Ort der Begegnung. Hier beim Gottesdienst am Hohen Donnerstag 2018.

Ein letztes Mal läuteten am 1. Adventssonntag die Glocken zum ­öffentlichen Gottesdienst in der Bruchmattkapelle. Dieser stand im Zeichen des Abschieds vom Alten und dem Aufbruch ins Neue. Die Veränderung in der Bruchmatt hatte sich seit längerem abgezeichnet: Die Gemeinschaft der Helferin­nen war kleiner, die Schwestern waren älter geworden. Neueintritte gab es nicht. In einem langen Entscheidungsprozess waren die Schwestern zur Einsicht gelangt: «Unser Auftrag und unsere Spiritualität sind nicht an einen Ort und an ein Gebäude gebunden.» Der endgültige Abschied erfüllt die Schwestern zum einen mit Wehmut. Zum anderen blicken sie dem Neuen, das am Ort ihres langjährigen Wirkens wachsen wird, offen und vertrauensvoll entgegen.

Vorsehung ist für die Helfe­rinnen kein verstaubtes Wort. Das Vertrauen in die Führung Gottes zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Helferinnen in der Schweiz. Um 1900 drohte den 1856 in Paris gegründeten «Soeurs Auxiliatrices» und vielen anderen Ordensgemeinschaften die Ausweisung aus Frankreich. Auf der Suche nach einem Zufluchtsort ­kamen sie in die ehemalige «Villa Bruchmatt» nach Luzern.

Da sein für Menschen in Not

Seit jeher stehen die vergessenen und in ihrer Menschenwürde verletzten Menschen im Zentrum des Wirkens der Helferinnen. Sie engagierten sich auch ausserhalb des Hauses in Spitälern, Pfarreien und Hilfswerken. Ein Schwerpunkt liegt in der Glaubensvertiefung. Mit der Zeit führten die Helferinnen Eigenkurse und Exerzitien zu Glaubens- und Lebenshilfe, Ökumene und Solidarität durch. Das Kurswesen wuchs, die Bruchmatt wurde als Kloster und als Bildungshaus bekannt. 1950 und 1960 erfolgten grössere Umbauten, 1961 wurde die Kapelle eingeweiht. Nach dem Neubau 1988 wurden externe Mitarbeiterinnen angestellt. Die jüngere Generation der Schwestern übernahm mehr und mehr Bildungsaufgaben. Weiterhin begleiteten sie unzählige Menschen durch Entwicklungspha­-sen, in Entscheidungssituationen, durch Leid und Krisen. Wichtig war ihnen dabei eine Sprache, die die Menschen auch verstanden.

Als Frauen in der Kirche

Von Anfang an lag die «Geistliche Leitung» der Schwestern in der Verantwortung der Oberin. Damit waren Unabhängigkeit und Selbstständigkeit gewahrt. Der Aspekt der Fraulichkeit in der Gestaltung des Hauses, in der Liturgie und in den Beziehungen wurde schon immer intensiv gelebt, in den letzten Jahren jedoch stärker bewusst wahrgenommen und gepflegt. In diesem Sinn wurde die Bruchmatt zur Nische einer von Frauen geprägten Kirche.

2008 entschieden sich die Helferinnen, sich vermehrt auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren: die Pflege und Weitergabe der Spiritualität. Seit 2011 wurde der Gästetrakt des Hauses an die IG Arbeit vermietet. Menschen mit einer Leistungsbeeinträchtigung oder arbeitslose Personen ­erhielten damit Arbeitsplätze. Ein Teil des Hauses wurde von den Helferinnen als «Oase Bruchmatt» mit eigenem Angebot – Exerzitien, Meditationen und Gottesdienste in der Kapelle – genutzt.

Die Helferinnen wussten, dass dies längerfristig keine Lösung sein konnte. Sie hörten von der ­Suche der Spitalschwestern nach einem neuen Standort für ihr Pflegeheim. Das Areal der Bruchmatt bot sich dafür geradezu an. Nach einem langen Entscheidungsprozess verkaufte der Verein Haus Bruchmatt 2016 seine Liegenschaft an die Elisabethenheim ­Luzern (EHL) AG. Es war für die Schwestern ein Weg mit Höhen und Tiefen. Der Gedanke an den Rückbau des bestehenden Ge­bäudes wegen des Neubaus beschäftigte viele sehr. Dazu schrieb Schwester Anna Brunner: «Eines Abends ist mir klar aufgegangen: Was wir loslassen, wird anderen älteren Menschen und einer anderen Ordensgemeinschaft dienen. Andere werden das Kostbare, das wir jahrelang leben durften, empfangen und leben. Es ist nicht verloren, nur weitergegeben.»

Aufbruch in die Zukunft

«Wir waren wohl ein bisschen erstaunt, gar erschrocken, als uns die Generalleiterin 2016 empfahl, bereits jetzt mit etwas Neuem zu beginnen und nicht das Ende der Bruchmattzeit abzuwarten», erklärt Schwester Cé­cile Eder, Verantwortliche für die Vizeprovinz Schweiz. «Es leuchtete uns ein. Trotz des Bedauerns, dass in der Bruchmatt nicht alles bis ans Ende so bleiben würde, wie es immer war.» Eine Gruppe, die im kleineren Rahmen ein Angebot zum Mitleben, zur Stille und gemeinsamem Gebets-Dasein anbietet, hat Raum im Liebenauweg 8 gefunden. Mit den Kapuzinern in der Nähe ist eine spirituelle Suchgruppe für das Wachsen der Oase W im Aufbau. Die Schwestern Anna, Barbara, Elisabetha und Maria leben nun dort mit zwei Frauen. Das Archiv hat bei den Zisterzienserinnen in Eschenbach Herberge gefunden.

Im künftigen Neubau des EHL sind zwei Wohneinheiten je für Spitalschwestern und Helferinnen geplant. Eine spätere «Rückkehr» aufs Areal der Bruchmatt ist möglich. Schwester Cécile: «Den Spitalschwestern und den Helferinnen gemeinsam ist der Geist ihrer Ausrichtung: mit den Menschen zu sein und zu wirken – in allen Lebensphasen – von Gott her und auf Gott hin, mit besonderer Achtsamkeit für die gesellschaftlich Benachteiligten. Und dies aus dem Geist der Liebe Christi heraus, der uns selber ja geschenkt ist.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.