«Trauer kann nicht verschoben werden» – Kirchen empfehlen Beisetzung im engeren Familienkreis durchzuführen

In den Zeiten von Corona sind öffentliche Trauerfeiern nicht möglich. Wie kann man trotzdem würdig von Verstorbenen Abschied nehmen? Die Kirchen der Stadt Luzern nehmen gemeinsam Stellung.

Hugo Bischof
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Auch im Luzerner Friedhof Friedental können Beisetzungen derzeit nur im engsten Familienkreis und unter Einhaltung der Abstandsregel stattfinden.

Auch im Luzerner Friedhof Friedental können Beisetzungen derzeit nur im engsten Familienkreis und unter Einhaltung der Abstandsregel stattfinden.

Bild: Herbert Gut/pd

«Bestattung im engsten Familienkreis.» Dieser Satz steht derzeit in fast jeder Todesanzeige. Private und öffentliche Veranstaltungen sind untersagt, Gottesdienste fallen aus. Einzig Beisetzungen sind noch möglich, auf dem Friedhof Friedental in Luzern wie auf den meisten Friedhöfen der Schweiz jedoch nur im engsten Familienkreis. Gemäss Auskunft von Pascal Vincent, Leiter Friedhof Stadt Luzern, nehmen momentan 10 bis maximal 20 Personen an den Feiern teil. Zudem würden rund 25 Prozent der Beisetzungen auf einen Zeitpunkt nach der Corona-Krise verschoben.

Zeitnahe Beisetzung unterstützt den Trauerprozess

Die Katholische Kirche, die Reformierte Kirche und die Christkatholische Kirche der Stadt Luzern sind zu einer gemeinsamen Haltung rund um Abschied und Trauer während der Pandemie gelangt. «Trauer kann nicht einfach so verschoben werden», sagt der christkatholische Pfarrer Adrian Suter und fügt an:

«Die Beisetzung ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses. Sie ermöglicht den Angehörigen, die erste Trauerphase abzuschliessen, den Verlust ein Stück weit zu realisieren, und ist ein erster Schritt zurück in den Alltag.»

Die Kirchen empfehlen deshalb den Angehörigen, die Beisetzung im engeren Familienkreis nicht zu verschieben, sondern zeitnah durchzuführen. «Natürlich gelten auch bei Bestattungen die Hygiene- und Abstandsregeln des Bundesamtes für Gesundheit», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung der Kirchen.

Seelsorgende stehen für Fragen zur Verfügung

Die Seelsorgenden beraten die Angehörigen und suchen gemeinsam mit ihnen nach einer passenden Lösung für die Familie, die erweiterte Verwandtschaft und den Freundeskreis. Für Personen, die keiner Konfession angehören, gibt es ein breites Angebot an Beratungen von Ritualbegleitenden. Derzeit erarbeiten die Kirchen schriftliche Unterlagen für diejenigen, die an der Beisetzung nicht dabei sein können. Es sind Hilfen für individuelle und persönliche Abschiedsfeiern zu Hause, alleine oder im kleinen Kreis, sowie Gebets- und Segenstexte als Wegbegleiter durch die Zeit der Trauer.

Grosse Verunsicherung bei Angehörigen

«Wir stellen fest, dass zurzeit bei den Angehörigen nach einem Todesfall grosse Verunsicherung herrscht», sagt Edith Birbaumer, katholische Pfarreiseelsorgerin St. Anton/St. Michael. «Wir gehen deshalb aktiv auf sie zu, um ihnen Möglichkeiten für das würdige Abschiednehmen aufzuzeigen.» Die Corona-Krise hatte auch schon direkt Einfluss auf Beerdigungen in Luzern. Birbaumer erzählt: «Letzte Woche hatten wir eine Trauerfeier für eine verstorbene Person, von der einige Angehörige in der Lombardei leben.» Diese hätten wegen der Pandemie nicht nach Luzern reisen dürfen. Birbaumer:

«Die in Luzern lebenden Angehörigen schickten deshalb ein Video der Trauerfeier nach Italien, damit auch die dort lebenden Angehörigen zumindest indirekt teilnehmen konnten.»

Solchen Formen stehe die Kirche offen gegenüber, sagt Birbaumer. Möglich wäre auch die Direktübertragung einer Trauerfeier per Live-Stream nach Hause zu Angehörigen, die wegen der Pandemie ihre Wohnung nicht verlassen dürfen. «Das ist bisher aber noch nie vorgekommen», sagt Birbaumer.

In Luzern werden nun auch die ersten Opfer der Corona-Virus-Epidemie bestattet. Dazu sagt Birbaumer:

«Bei Corona-Opfern ist ein Abschied-Nehmen im Spital für die Angehörigen meist nicht möglich. Gerade in solchen Fällen ist eine würdige Trauerfeier im kleinen Kreis umso wichtiger.»

Falls bei den Angehörigen zu einem späteren Zeitpunkt das Bedürfnis nach einer öffentlichen Gedenkfeier in der Kirche entstehen sollte, sei auch das möglich, halten die Kirchen in ihrer gemeinsamen Mitteilung fest: «Im Zentrum stehen dann der Dank, die Würdigung des Lebens der verstorbenen Person und das Zusammenkommen mit Bekannten und Freunden.» Gemäss Edith Birbaumer gibt es zurzeit auch Überlegungen, dereinst einen gemeinsamen grossen Gedenkgottesdienst für alle während der Pandemie-Zeit Verstorbenen durchzuführen. Wann ein solcher stattfinden kann, ist aufgrund der heutigen Situation ungewiss.

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