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ABSTIMMUNG: Erster Stimmungstest für Littau

Die Cheerstrassen-Vorlage hat historischen Charakter: Zum ersten Mal muss die Stadt zu einem wichtigen Anliegen aus Littau Stellung beziehen. Littauer Politiker appellieren an die Solidarität der «Städter».
Robert Knobel
Bild: Grafik LZ

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Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Mehr als sieben Jahre sind vergangen, seit Luzern und Littau fusioniert haben. Dass das alte und das neue Stadtgebiet nicht immer gleich ticken, zeigt sich in Abstimmungen. Wäre es nach den Littauern gegangen, gäbe es keine autofreie Bahnhofstrasse, und das Industriestrassen-Areal wäre an einen Investor verkauft worden. Aufgrund der geringen Grösse kann sich Littau aber meist nicht durchsetzen.

Am 24. September wird der Spiess umgedreht. Zum ersten Mal muss sich die Stadt zu einem wichtigen Geschäft aus Littau äussern. Es geht um die Umfahrung Cheerstrasse. Damit soll das Nadelöhr beim Bahnübergang beseitigt werden (siehe Grafik). Das Projekt hat Symbolcharakter. Schon 2009 sagten die Littauer Ja zum Strassenausbau – es war die letzte Abstimmung in der Gemeinde Littau. Eigentlich hätte die Stadt das Projekt anschliessend umsetzen sollen. Doch erst Anfang 2017 präsentierte der Stadtrat ein Bauprojekt. Das Geschäft sorgte im Parlament für grosse Diskussionen. Kritisiert wurde, dass das Projekt fast doppelt so teuer zu stehen kommen sollte wie die 14 Millionen, die vom Littauer Volk bewilligt wurden. Grund waren die allgemeine Verteuerung der Baukosten sowie eine Velo-/Fussgängerunterführung unter dem Bahnhof, die der Stadtrat zusätzlich ins Projekt packte.

Die Unterführung wurde vom Parlament aber wieder gestrichen, dafür wurde das Geschäft dem obligatorischen Referendum unterstellt. Deshalb kommt es am 24. September zur zweiten Volksabstimmung über das Cheerstrassen-Projekt. Abgestimmt wird über einen Zusatzkredit von 6,1 Millionen Franken, zusätzlich zu den bereits bewilligten 14 Millionen.

Peter With, Grossstadtrat und SVP-Präsident aus Reussbühl, kämpft seit Jahren für die Umsetzung des damaligen Volksentscheids. «Sollte die Vorlage jetzt bachab geschickt werden, wird der Frust in Littau enorm sein.» Er sei aber zuversichtlich, «dass die Mehrheit erkennt, dass sämtliche Quartiere der Stadt eine Aufwertung verdienen – nicht nur die Innenstadt.» Für With geht es um mehr als nur die Verbesserung der Verkehrssituation um den Littauer Bahnhof. «Die Littauer sagten Ja zu einer neuen Strasse, die bis 2015 fertig sein sollte. Wenn man nun plötzlich sagt, es brauche die Strasse nicht mehr, ist das nicht glaubwürdig.»

SP Littau war dafür – nun ist die Stadt-SP dagegen

Der Littauer CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger findet, dass die Auseinandersetzung mit solchen Baugeschäften in kleinen Gemeinden ganz anders verläuft als in einer Stadt. «Für Littau war die Cheerstrasse ein Grossprojekt. Für Luzern ist es einfach eine Strasse an der Peripherie, die niemand kennt.» Exemplarisch dafür steht die SP, die das Projekt 2009 im Littauer Einwohnerrat unterstützte. «Die Linienführung ist die vernünftigste Lösung, die man hat treffen können», sagte damals der SP-Sprecher im Rat. Heute ist die SP Stadt Luzern gegen das Projekt. Mit Theres Vinatzer und René Meier sind 2016 die vorläufig letzten Littauer aus der SP-Fraktion zurückgetreten. Fehlt es den Genossen an Sensibilität für die Littauer Anliegen? «Wir sollten wegkommen von diesem Gärtchendenken zwischen Littau und Luzern», sagt SP-Grossstadtrat Mario Stübi. Seit der Fusion dürfen Littauer über Luzerner Anliegen mitentscheiden und umgekehrt. «Das ist ein Demokratiegewinn für beide Seiten.» Für Stübi sprechen sachliche Gründe gegen das Projekt. «Im Jahr 2017 gibt man einfach nicht mehr 20 Millionen Franken für einen Kilometer Asphalt aus.» Die Strasse zerstöre Kulturland und bringe für den Autoverkehr nicht viel. «Der Stau verlagert sich zum Bodenhof-Kreisel, der dann als Nächstes ausgebaut werden müsste.»

Dass der Ausbau der Cheer­strasse in Littau und Reussbühl auf Zustimmung stossen wird, ist anzunehmen. Ob sich die Städter solidarisch zeigen, wird sich weisen. Die Abstimmung ist ein Vorgeschmack auf einen noch grösseren Stimmungstest: Im November wird voraussichtlich über den Neubau des Schulhauses Staffeln in Reussbühl abgestimmt. Es geht um 53,7 Millionen Franken.

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