Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ABSTIMMUNG: Luzerner lehnen Fremdsprachen-Initiative ab

Eine deutliche Mehrheit spricht sich für den Unterricht von zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe aus. Somit gibt’s weiterhin Frühenglisch ab der dritten und Französisch ab der fünften Klasse. Die Gegner sprechen von unsachlicher Angstmacherei.
Enttäuschung bei den Machern hinter der Fremdsprachen-Initiative (von links): Barbara Lang (SVP, Hellbühl), Xaver Vogel (Kampagnenleiter), Bernhard Steiner (SVP, Entlebuch) und Kaspar Bättig (Lehrerverband) . (Bild: Nadia Schärli (Menzberg, 24. September 2017))

Enttäuschung bei den Machern hinter der Fremdsprachen-Initiative (von links): Barbara Lang (SVP, Hellbühl), Xaver Vogel (Kampagnenleiter), Bernhard Steiner (SVP, Entlebuch) und Kaspar Bättig (Lehrerverband) . (Bild: Nadia Schärli (Menzberg, 24. September 2017))

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch


Das Resultat lässt keine Zweifel offen: Englisch und Französisch bleiben auch künftig Bestandteil des Unterrichts auf der Primarstufe. Die Stimmbürger lehnten mit rund 58 Prozent Nein-Stimmen am Sonntag eine Initiative ab, die verlangte, eine der beiden Fremdsprachen auf die Oberstufe zu verlegen. Dieses Resultat deckt sich auch mit vergleichbaren Abstimmungen in Zürich (60,8 Prozent Nein-Stimmen) und Nidwalden (61,7 Prozent Nein-Stimmen).



Diese Tatsache vermag die Enttäuschung bei den Initianten der Volksinitiative jedoch kaum zu mildern: «Leider haben die Gegner viel Geld investiert und mit Angst-Argumenten hantiert», sagt Kampagnenleiter Xaver Vogel auf Anfrage. Er spricht damit auf Plakate und Inserate an, die eine grundsätzliche Streichung des Englischunterrichts suggerierten. Die Initiative selbst liess offen, welche Fremdsprache auf die Oberstufe verlegt würde, und die Luzerner Regierung sprach sich im Vorfeld der Abstimmung für Englisch aus. «Das war ganz klar eine taktische Aussage», so Vogel. «Die Verlegung von Englisch wäre die eindeutig teuerste Variante gewesen. Und genau mit diesen hohen Kosten hat man dann politisiert.»

«Man kann den Schülern durchaus etwas zutrauen»

Auch für Kantonsrat Ludwig Peyer (CVP, Willisau), Mitglied des Gegenkomitees, war die mögliche Verschiebung des Englischunterrichts ein wichtiger Faktor für den Ausgang der Abstimmung. «Als dies bekannt wurde, konnten die Stimmbürger auch ganz konkret beurteilen, was die Annahme der Initiative bewirken würde.» Dass gewisse Probleme beim Fremdsprachenunterricht bestehen, bestreitet niemand, auch Peyer nicht. Er mahnt allerdings, dass die Einführung des heutigen 3/5-Modells erst 2011 abgeschlossen wurde: «Es handelt sich um einen laufenden Prozess. Im Gegensatz zu den Lehrpersonen, welche derzeit ihre Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule absolvieren, müssen heute noch Lehrerinnen und Lehrer diese Fächer unterrichten, die keine entsprechende Ausbildung haben.» Letztlich zeuge das Nein auch vom Glauben der Stimmberechtigten an die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Schulkinder: «Man kann ihnen durchaus was zutrauen», so Peyer.

Bildungsdirektor Reto Wyss sieht ebenfalls «keinen Grund, die Flinte schon ins Korn zu werfen». Die Regierung glaube daran, dass der neue Lehrplan 21, welcher im Kanton Luzern derzeit eingeführt wird, die notwendigen Anpassungen im Fremdsprachenunterricht bewirken kann (siehe Nachgefragt und Kommentar). Das klare Abstimmungsergebnis sei aber auch angesichts der angespannten kantonalen Finanzsituation günstig: Eine Abkehr vom heutigen Konzept hätte eine umfassende Reform nach sich gezogen, ist sich Wyss sicher. «Diese hätte sich etwa in der Überarbeitung von Lehrmitteln und Wochenstundentafeln bis hin zur Lehrerausbildung ausgewirkt.»

Nur das Entlebuch sagt Ja

Beim genaueren Blick auf die Abstimmungsresultate zeigt sich, dass mit rund 52 Prozent einzig der Wahlkreis Entlebuch die Initiative angenommen hat. Knapp wurde es zudem im Wahlkreis Willisau, wo der Entscheid gegen die Initiative mit 8725 zu 8404 Stimmen (Ja-Anteil von 49,06 Prozent) ausfiel. Dahinter kam der Wahlkreis Sursee. Mit einem Ja-Anteil von 45,28 Prozent war das Resultat dort jedoch schon ziemlich deutlich. Bildungsdirektor Wyss sieht hier die bekannte Dynamik des Stadt-Land-Grabens spielen. So wurde die Fremdspracheninitiative in der Stadt denn auch tatsächlich nur von 33,68 Prozent der Stimmbürger gutgeheissen.

Die Fremdspracheninitiative war somit also chancenlos. Für das Initiativkomitee bringe das Ergebnis schlicht keine Lösung der Probleme. «Es braucht einen Systemwechsel», sagt Kampagnenleiter Xaver Vogel. «Ohne diesen sehe ich für die Regierung keine Perspektive, eine brauchbare Lösung zu finden.» Von der sachlichen Richtigkeit des Begehrens ist er weiterhin überzeugt. «Früher oder später wird sich diese Richtigkeit auch politisch durchsetzen.»
Neben dem Initiativ- und dem Gegenkomitee meldete sich gestern auch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zu Wort. Die EDK hatte sich 2004 auf das heutige Modell des Sprachenunterrichts geeinigt. Der Vorstand der EDK zeigte sich entsprechend «erfreut über den Ausgang der Abstimmung».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.