ABSTIMMUNG: Wikon droht starke Steuererhöhung

Die geplante Veräusserung der Spychermatte haben die Wikoner Stimmbürger wuchtig verworfen. Der geplatzte Landverkauf bringt die maroden Finanzen der Gemeinde nun komplett aus dem Ruder.

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Die Spychermatte in Wikon. (Bild: Pius Amrein/LZ, 11. April 2017, Wikon)

Die Spychermatte in Wikon. (Bild: Pius Amrein/LZ, 11. April 2017, Wikon)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Dieses Verdikt ist deutlich: Mit 366 zu 208 Stimmen haben die Wikoner den Verkauf der Spychermatte an die Tellco Immobilien AG, Schwyz, abgelehnt. Dies entspricht einem Nein-Anteil von 63,8 Prozent. Eine Abfuhr gab’s damit am Sonntag auch für die nötige Teilrevision des Zonenplans und den Bebauungsplan. Die Stimmbeteiligung lag bei 57,7 Prozent. 

Das Votum ist ein Nein der 1500-Einwohner-Gemeinde zu einem Grossprojekt: Auf einer Fläche von rund 17 000 Quadratmetern hätten 77 Wohnungen im Segment 2½ bis 5½ Zimmer für zirka 150 Einwohner entstehen sollen – samt Dorfladen, Spitex-Ambulatorium und Mittagstisch.

2017 dürfte in tiefroten Zahlen enden

Der Preis für die Parzellen betrug 6,1 Millionen Franken – für die Gemeinde hätte ein Buchgewinn von 5,9 Millionen resultiert. Hätte. Mit der Schlappe hat der Gemeinderat nicht gerechnet. Noch Ende Februar sagte Gemeindepräsident René Wiederkehr, das Projekt habe grosse Chancen: «Die Stimmbürger können sehr gut abwägen, welchen Stellenwert dieses für Wikon hat.» Am Sonntag sagte er nun: «Die Bevölkerung hatte Angst vor der Grösse.» In acht Jahren habe der frühere Gemeinderat das Geschäft «immer noch besser» machen wollen. «Daraus ist ein Projekt entstanden, das für den Stimmbürgern zu komplex geworden ist.» Man habe den Widerstand gespürt. «Mit Flugblättern wurde Polemik betrieben. Aufgrund der Anonymität war es schwierig, auf die Kritiker zuzugehen.» 

Zu diesen gehörte die Interessengemeinschaft (IG) «Wikon nachhaltig und kontrolliert». Sie monierte, beim Geschäft handle es sich um ein Renditeobjekt – das ursprüngliche Ziel von Wohnungen fürs Alter habe man aus den Augen verloren. Den Vorwurf, der Gemeinderat habe die Zügel aus der Hand gegeben, weist Wiederkehr zurück. «Dass Wohnraum für die älteren Bürger geschaffen werden soll, war als Ziel festgehalten.» Der Gemeinderat will nun nicht Trübsal blasen. «Das Projekt Spychermatte legen wir ad acta und nehmen es bei der Gesamtrevision der Ortsplanung 2019/20 wieder auf. Nun braucht es eine neue Strategie.»

In einer Klausur Ende Juni soll das Leitbild überarbeitet und der Finanz- und Aufgabenplan revidiert werden. Denn mit dem Ergebnis wächst der Druck auf den bereits angeschlagenen Finanzhaushalt: Da der Buchgewinn im Voranschlag 2017 berücksichtigt worden war, sollte für das laufende Jahr ein Plus von 4,66 Millionen resultieren. Nun dürfte es ein Minus von 1,26 Millionen werden. Bereits 2016 wies ein Minus von 875 000 Franken aus. Und auch für die Zukunft sind rote Zahlen angekündigt. Daher sagt Wiederkehr: «Um eine Erhöhung des Steuerfusses von heute 2,1 Einheiten werden wir nicht herumkommen.» Und: «Eine Zehntelseinheit wird nicht ausreichen.» Das Eigenkapital der Gemeinde beträgt 1,9 Millionen.

Höhere Steuern als Plan B bringt auch die IG aufs Tapet. «Die Stimmbürger haben erkannt, dass ein einmaliger Gewinn aus einem Landverkauf keine langfristige Lösung ist», sagt Sprecher Beat Schultheiss, der selbst nicht mit einem Sieg gerechnet hat. Für die IG, die nun rund 20 «gut vernetzte» Mitglieder zählt, geht die Arbeit weiter: «Wir hoffen, dass wir zur Spychermatte künftig in die Debatte miteinbezogen werden und schliessen nicht aus, auch zu anderen Themen Stellung zu nehmen.» Zum Vorwurf des Gemeinderats, dem Widerstand habe ein Gesicht gefehlt, sagt Schultheiss: «Noch vor der Infoveranstaltung telefonierte ich mit dem Gemeindepräsidenten. Die IG hat sich als Projektgegnerin nicht versteckt.»