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Abstimmung – «Wir sind für zwei Fremdsprachen»

Das Komitee der Fremdsprachen-Initiative kontert den Vorwurf der «Abschaffung» einer Sprache. Mit ihrer Lösung würden im Gegenteil Französisch und Englisch gestärkt.
Alexander von Däniken
Der Fremdsprachenunterricht weist derzeit schlechte Resultate aus. (Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone)

Der Fremdsprachenunterricht weist derzeit schlechte Resultate aus. (Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Initianten der Fremdsprachenvorlage haben in den letzten Tagen an Terrain eingebüsst. Sowohl der Luzerner Regierungsrat als auch ein überparteiliches Gegenkomitee schossen scharf gegen das Anliegen, eine Fremdsprache in die Oberstufe zu verlagern. Nun holen die Initianten zum Gegenschlag aus. «Wir sind für zwei Fremdsprachen», sagte Xaver Vogel, Kampagnenleiter und Lehrer aus Menzberg, gestern an einer Medienkonferenz. Damit sprach er auf das Argument des Gegenkomitees an, das mit der provokativen Frage «Englisch abschaffen?» um die Gunst der Stimmbürger wirbt.

Im Gegenteil geht es laut Vogel darum, dass die Schüler am Ende des 9. Schuljahrs die Anforderungen beider Fremdsprachen erfüllen – «was jetzt nicht der Fall ist, wie die Evaluation der Zentralschweizer Erziehungsdirektoren zeigt».

«Das heutige System funktioniert nicht»

In die gleiche Kerbe schlug Gaudenz Zemp. Der Direktor des kantonalen Gewerbeverbands bilanzierte: «Das heutige System funktioniert nicht.» Angesprochen auf die unterschiedlichen Parolen von Gewerbeverband und FDP, für die Zemp im Kantonsrat ist, erklärte dieser: «Ich persönlich vertrete eine andere Haltung als die Partei. Das ist legitim.»

Damit ist Zemp nicht allein. Von Anfang an gegen das heutige 3/5-Modell – Englisch ab der dritten, Französisch ab der fünften Klasse – war der Luzerner Leh­rerinnen- und Lehrerverband (LLV). Dessen Präsidentin Annamarie Bürkli erläuterte, warum: «Am besten lernen Kinder Fremdsprachen bis zum fünften Lebensjahr. Erst ab etwa elf Jahren folgt der nächste Entwicklungssprung: Die Kinder lernen die Sprache analytisch.»

Was das in der heutigen ­Praxis bedeutet, illustrierte die ­Lehrerin und ehemalige SP-Kantonsrätin Trix Dettling: «Trotz grossem personellem und finanziellem Aufwand – die Ziele des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe wurden bei weitem nicht erreicht.» Die Lehrer seien zwar nicht überfordert, aber viele seien frustriert, weil sie merken, dass die Kinder überfordert seien.

Der ehemalige CVP-Kantonsrat Jakob Lütolf kritisierte die vom Regierungsrat veranschlagten 9 Millionen Franken für die Umstellung. «Nicht unsere Initiative verursacht Mehrkosten, sondern das heutige System.» Beispiel sei die oft gebrauchte Dispens vom Französischunterricht, weil einzelne Schüler überfordert sind. Diese und weitere Argumente befinden sich in einer Sondernummer der LLV-Zeitschrift «Diskurs», die in diesen Tagen in alle Haushaltungen verschickt wird.

Die Initiativgegner stellen klar, dass sich die «Abschaffung» nur auf die Primarschule bezieht. FDP-Fraktionschef Andreas Moser sagte am Montag: «Sprachen fördern den Austausch und den Kontakt.» Dem widersprechen auch die Initianten nicht.

Auffallend ist neben dem Graben durch die FDP auch einer durch die Lehrerschaft. Dass ­einige Lehrerinnen und Lehrer die Initiative ablehnen, erklärt sich LLV-Präsidentin Bürkli so: «Das können persönliche Interessen sein.» So bangten wohl Englischlehrerinnen auf Primarstufe um ihre Stelle. Welche Sprache es bei einem Ja durch das Stimmvolk treffen sollte, lassen die Initianten bekanntlich offen.

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