ABSTIMMUNG: Wirtschaftsfakultät scheidet die Geister

Bildungsdirektor Reto Wyss hat sich den Argumenten des Referendumskomitees zur Universitätsgesetz-Abstimmung vom 30. November gestellt. Die Gegner zeigen sich wenig beeindruckt.

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Bildungsdirektor Reto Wyss nimmt zu den Argumenten gegen die Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern Stellung. (Bild: PD)

Bildungsdirektor Reto Wyss nimmt zu den Argumenten gegen die Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern Stellung. (Bild: PD)

Der Regierungsrat stimmt dem neuen Universitätsgesetz zu. Er spricht sich damit auch für eine vierte Fakultät an der Universität Luzern aus. Das Referendumskomitee, angeführt von der SP hingegen befürchtet eine Überschneidung des Angebotes mit der Fachhochschule. Am Donnerstag legte Bildungsdirektor Reto Wyss an einer Medienkonferenz die Sicht des Regierungsrates dar. Die Frage um die Wirtschaftsfakultät ist der Kern der Universitätsgesetz-Abstimmung vom kommenden 30. November.

Zwei Wege in die Wirtschaft anbieten

Der Bildungsdirektor hielt den Gegner einer vierten Fakultät an der Universität entgegen, dass die Zielsetzungen und Anforderungen der beiden Studiengänge unterschiedlich seien und dass weitere Standorte in der Schweiz aufzeigten, dass Wirtschaftsstudiengänge an einer Uni und an einer Fachhochschule einander sinnvoll ergänzen würden. 

Wyss erläuterte die Haltung des Regierungsrates: «Wir wollen in Luzern der Zentralschweizer Jugend zwei ganz unterschiedliche Tickets anbieten, um in die Welt der Wirtschaft einzusteigen: einerseits die Fachhochschule HSLU, die praxiserprobte Leute aus der Berufsbildung und mit Berufsmatura ausbildet, andererseits die Universität Luzern mit dem akademischen Studiengang, der die Abgängerinnen und Abgänger einer gymnasialen Matura anspricht.»

Wyss: «Uni braucht private Mittel»

Das Referendumskommitee befürchtet weiter eine Einmischung der Privatwirtschaft in Lehre und Forschung, wenn Private und nicht der Kanton die Anfangsinvestition für die Fakultät tätigen würden. Auch hier widersprach Wyss: «Das neue Gesetz regelt klar, dass die Uni den Umgang mit Drittmitteln veröffentlichen muss, zudem brauche die Uni einzig für die Aufbauphase private Drittmittel, weil der Kanton nicht in der Lage ist, für eine neue Fakultät zusätzliche Mittel aufzubringen.»

pd/uus

Die Reaktion des Referendumskomitees

Die SP, welche die Gegner einer Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern anführt, bezeichnete das Vorgehen als unüblich, dass sich der Regierungsrat so kurz vor der Abstimmung zu einer Vorlage äussere.

Insbesondere stellt die Partei die Überzeugung des Regierungsrates in Frage, dass die Wirtschaftsfakultät, nach einer Anschubfinanzierung durch die Privatwirtschaft in der Aufbauphase, ihre Kosten selbst werde decken können. Es sei ungewiss, ob die geplanten Studierendenzahlen auch erreicht würden. Zudem befürchtet das Komitee, dass es intern zu einer Verlagerung von Studierenden zwischen der Wirtschafts- und der rechtswissenschaftlichen Fakultät kommen könnte, statt zu neuen Studierenden. So entstünde eine interne Konkurrenzsituation an der Universität.

Weiter sei zu wenig klar, wie die Selbstfinanzierung im Detail aussehe, ob Infrastruktur und Verwaltungskosten dabei auch eingerechnet seien.

Das Gegenkomitee will am 20. Oktober an einer Medienkonferenz ausführlich seine Gründe für ein Nein darlegen.