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Luzerner sagen Ja zu Ess-Empfehlungen aus dem Stadthaus

Das Stadtluzerner Stimmvolk nimmt den zum Gegenvorschlag zur «Veganer-Initiative» deutlich an. Der Stadtrat will die Befürchtungen der Gegner zerstreuen.
Stefan Dähler
Gesunde Himbeeren, feilgeboten am Markt an der Reuss. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 23. September 2017))

Gesunde Himbeeren, feilgeboten am Markt an der Reuss. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 23. September 2017))

Das Verdikt ist klar: 59,7 Prozent der Stadtluzerner befürworten die Änderung des Energiereglements. 11'576 Personen haben Ja, 7825 Nein gestimmt. Die Stimmbeteiligung betrug gerade mal 37,7 Prozent. Bei der Vorlage handelt es sich um den Gegenvorschlag zur sogenannten «Veganer-Initiative» der Gruppierung Sentience Politics, die unter anderem forderte, dass die Stadt in Mensen ein vegetarisches und veganes Angebot fördert.

Das Reglement sieht nun neu vor, dass die Stadt «einen Beitrag zur Reduktion des mit der Ernährung sowie mit dem Konsum von weiteren Gütern verbundenen Energie- und Ressourcenverbrauchs» leistet. Zudem soll sie die Bevölkerung sensibilisieren.

Borgula: Vorschriften sind kein Thema

Ernährungsvorschriften, wie von den Gegnern im Abstimmungskampf befürchtet, werde es keine geben, sagt Stadtrat und Umweltdirektor Adrian Borgula (Grüne). Stattdessen werde man bei den Kriterien für Ausschreibungen und Beschaffungen die «graue Energie» noch höher gewichten. Unter grauer Energie versteht man den ganzen Energieverbrauch eines Produkts, von der Herstellung über Transport, Lagerung bis zu Verkauf und Entsorgung. Dabei soll der Fokus nicht nur auf Nahrungsmittel, sondern auch auf andere Bereiche wie Bauwesen oder Fahrzeuge gelegt werden. «Dadurch werden wir nicht immer das günstigste Produkt kaufen, dafür nachhaltigere und eher solche aus der Region», sagt Adrian Borgula.

Bei der Kommunikation werde sich nicht viel ändern, das bereits bestehende Budget von 60'000 Franken pro Jahr will der Stadtrat nicht aufstocken. «Aber auch in diesem Bereich wird die graue Energie mehr Gewicht erhalten», sagt Borgula. Aufrufe, vegan zu essen, seien weniger das Ziel. «Vielmehr werden wir die Info-Politik mit leichter Akzentuierung im ähnlichen Stil weiterführen, der aus unserer Sicht sachlich und originell zum Nachdenken anregt – auch wenn das nicht alle so sehen.»

«Offenbar haben
wir nicht gut genug
mobilisieren können.»

Fabian Reinhard (FDP), Gegenkomitee

Ernüchtert ist man beim Gegenkomitee, unter anderem bestehend aus CVP, FDP, SVP und Gastro-, Hotel- sowie Wirtschaftsverband. «Offenbar haben wir nicht gut genug mobilisieren können», sagt FDP-Präsident Fabian Reinhard. Dass das Gegenkomitee sich mit dem Argument, die Stadt könne künftig Essensvorschriften erlassen, unglaubwürdig gemacht hat, glaubt er nicht. «Die Initiative ging ja klar in diese Richtung und auch bei der Parlamentsdebatte war spürbar, dass die Befürworter den Drang haben, das Verhalten der Leute zu ändern. Das ist mehr als nur reine Information.»

Der Einsatz habe sich aber dennoch gelohnt, findet Reinhard. «Durch den Abstimmungskampf hat der Stadtrat ja auch kommunizieren müssen, wie die Umsetzung aussehen könnte.» Ursprünglich sollte der Gegenvorschlag nämlich gar nicht zur Abstimmung kommen, da die Initiative, auf die er sich bezog, zurückgezogen wurde. Abgestimmt wurde, weil die Gegner das Referendum ergriffen. Erfreulich sei, dass das Budget für Infokampagnen nicht aufgestockt werden soll, so Reinhard. «Wir werden nun genau hinschauen, dass die Stadt ihre Ankündigungen auch einhält und es nicht zu Bevormundung kommt.» Ein No-Go wären aus Reinhards Sicht etwa Menüvorschriften in städtischen Betrieben wie Pflegeheimen.

Pro-Lager mit moderater Umsetzung einverstanden

Beim Pro-Lager, dem unter anderem SP, Grüne und die Initianten angehören, ist man erfreut. «Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft», sagt Grossstadträtin Noëlle Bucher (Grüne). Dass auf nationaler Ebene zeitgleich zwei Ernährungs-Initiativen zur Abstimmung gekommen sind, «hat uns sicher geholfen».

Dass der Stadtrat will bei der Umsetzung vor allem die graue Energie ins Zentrum rücken will und es nicht mehr, wie bei der Initiative gefordert, nur um die Ernährung geht, ist aus Sicht des Pro-Komitees in Ordnung. «Es geht darum, einen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs zu leisten», sagt Bucher. «Wir gehen aber schon davon aus, dass die Ernährung auch ein Thema sein wird. Doch eine moderate Umsetzung ohne Vorschriften ist auch in unserem Sinn.» Auch, dass der Stadtrat sein Kampagnenbudget nicht erhöhen will, stösst auf Zustimmung. «Wir gehen davon aus, dass die Umsetzung mit den bestehenden Ressourcen erfolgen kann.»

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