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Interview

Abtretender Präsident der Luzerner Mittelschullehrer: «Kanti-Lehrer sind starke Individuen»

Zehn Jahre lang war Remo Herbst das Gesicht des Verbands Luzerner Mittelschullehrer. In dieser Zeit versuchte er vor allem vier Sparpakete abzufedern und konnte dabei auf die Solidarität der Schüler, aber nicht immer auf jene der Lehrer zählen.
Roseline Troxler
Remo Herbst tritt als Präsident des Verbands Luzerner Mittelschullehrer ab. (Bild: Nadia Schärli, Reussbühl, 4. Februar 2019)

Remo Herbst tritt als Präsident des Verbands Luzerner Mittelschullehrer ab. (Bild: Nadia Schärli, Reussbühl, 4. Februar 2019)

Remo Herbst (50) hat während zehn Jahren den Verband der Luzerner Mittelschullehrer (VLM) mit 650 Mitgliedern präsidiert. Am Mittwochabend gibt Herbst, der in Emmenbrücke wohnt, sein Amt ab. Sein designierter Nachfolger heisst Markus Elsener.

Remo Herbst, der an der Kanti Alpenquai als Geschichts- und Sportlehrer tätig ist, freut sich nun auf mehr Zeit mit seinen zwei Söhnen, beides Kanti-Schüler, seiner Frau und seinem Hund.

Remo Herbst, welche Episoden Ihres Präsidiums werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Die Zeit war bei den Gymnasien von Abbau geprägt. Uns trafen vier happige Sparpakete. Der unrühmliche Höhepunkt waren die Zwangsferien für die Kantons-, Fachmittel- und Berufsschulen im Oktober 2016. Dennoch bleibt mir das Kapitel nicht nur in schlechter Erinnerung. Der Schülerstreik 2017 mit rund 2000 Schülern hat mich beeindruckt. Er zeigt die Solidarität der Schüler.

Immer wieder ging es ums Sparen. Hat Sie das nicht ermüdet?

Ich finde es schade, dass die Finanzen, nicht aber die Inhalte oder die Qualität der Kantonsschulen, derart im Fokus stehen. Die Parlamentarier haben halt bei den Finanzen die Hoheit und versuchen so Einfluss zu nehmen.

Es gab auch Pläne, die abgewendet werden konnten, etwa die Abschaffung der Langzeitgymnasien.

Das ist ein Running Gag. Die Abschaffung würde keine Einsparungen bringen. Dies wurde zum Glück eingesehen.

Wo stehen die Luzerner Kantonsschulen heute?

Sie funktionieren gut. Aber das Augenmerk muss auf die Motivation der Mitarbeiter gelegt werden. Die Arbeitsbelastung der Lehrpersonen wurde vom Kanton durch die letztjährige, unentgeltliche Erhöhung des Pensums um eine Lektion massiv gesteigert. Luzern befindet sich bezüglich der Arbeitsbelastung im schweizerischen Maximum, bei der Besoldung aber im niedrigsten Viertel. Die anderen Kantone, welche in den letzten Jahren Sparpakete geschnürt haben, machen nun die Massnahmen im Bildungsbereich wieder rückgängig. Ich hoffe, dass dies auch im Kanton Luzern passiert, denn es gilt die Konkurrenzfähigkeit als Arbeitgeber zu sichern.

In welchen Bereichen steht Luzern schlechter da als andere Kantone?

Bei der Arbeitsbelastung, der Altersentlastung, den Pensionskassenleistungen, dem Dienstaltersgeschenk oder auch beim Lohn.

Sie äusserten sich bei der Spardebatte pointiert: War das zielführend?

Anbiedern ist nicht meine Art. Die Frage ist immer, wie man sich als Verband positionieren will. Ich sah unseren Auftrag stets auch darin, die Öffentlichkeit über Folgen und Konsequenzen der kantonalen Finanz- und Bildungspolitik zu informieren und aufzurütteln. Dabei setzen wir auf konstruktive Ideen und kämpferisches Engagement.

Im Mitteilungsblatt des Verbands rufen Sie zu mehr Solidarität innerhalb der Lehrerschaft auf. Weshalb?

Die Kantilehrer werden noch zu wenig stark als Einheit wahrgenommen. Selbst bei den Zwangsferien ist unter den Mittelschullehrern nicht wirklich eine Widerstandsbewegung entstanden.

Was sind die Gründe?

Einerseits sind Lehrpersonen starke Individuen, und viele identifizieren sich vor allem mit ihrer Fachschaft. Andererseits hatten einige Angst, ihre Stelle zu verlieren und haben sich aus diesem Grund gegen einen Streik ausgesprochen.

Während zwei Jahren waren Sie turnusgemäss Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Luzerner Personalorganisationen. Wie haben Sie dort die politische Stimmung erlebt?

Im Kanton Luzern ist man sich keine starken Gewerkschaften gewohnt. Ausserdem ist die Regierung im Kanton Luzern zu wenig an einer wirklichen und ausgewogenen Sozialpartnerschaft interessiert. Bei der ganzen Spardebatte wurden keine ergebnisoffenen Verhandlungen geführt. Die Vorgaben waren meist bereits das Endprodukt und für echte Verhandlungen wurde kein Raum geboten. Als Vertreter der Kantonsangestellten war man stets in der Minderheit.

Im Moment ist es relativ ruhig um die Bildung. Welche Erwartungen haben Sie an die Zukunft?

Wegen der Wahlen sind alle zurückhaltend. Ich gehe leider davon aus, dass bald das nächste Sparprogramm folgt.

Was erhoffen Sie sich von den Kantons- und Regierungsratswahlen?

In den nächsten Jahren braucht es wegen geburtenstarker Jahrgänge an den Luzerner Kantonsschulen mehr Personal. Ich hoffe, dass der neue Kantonsrat dies stärker wahrnimmt und die Arbeitsbedingungen der Lehrpersonen verbessert.

Der VLM ist auch ein wichtiger Ansprechpartner für Lehrpersonen. Welche Themen brennen dabei?

Hier geht es vor allem um arbeitsrechtliche Fragen, zum Beispiel betreffend Pensenkürzungen oder Anstellungsbedingungen. Die Anzahl der Anfragen hat sich in den zehn Jahren vervierfacht.

Circa 90 Prozent der Mittelschullehrer sind Mitglied im VLM. Sind Sie zufrieden mit diesem Wert?

Ja. Doch es wird schwieriger, Neumitglieder zu finden. Die Jungen sind weniger gewerkschaftlich.

Die Suche nach einem Nachfolger hat lange gedauert, viele Interessenten hatten auch Bedenken, dass Ihnen das Amt als Präsident des VLM schadet: Hat es dies bei Ihnen?

Ich blicke nicht zurück und überlege, ob mir das Amt etwas verbaut hat. Die Aufgabe hat Spass gemacht. Ich sehe nun die politischen Prozesse mit kritischeren Augen. Das war bereichernd.

Wo besteht in den nächsten Jahren bei den Kantis Handlungsbedarf?

Die Primarschüler verändern sich mit dem Lehrplan 21. Sie können selbstständiger Themen erarbeiten, verfügen aber über weniger fundiertes Basiswissen und sind so weniger gut im Schreiben, Lesen und Rechnen. Zudem fehlt an den Volksschulen eine gezielte Begabtenförderung. Die Mittelschulen müssen sich dafür rüsten und sich stärker auf Kompetenzen ausrichten.

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