Abtritt nach nur 2,5 Jahren: Der Ebikoner Gemeinderat Ruedi Mazenauer zieht Bilanz

Weil ihn seine Firma braucht, ist Ruedi Mazenauer nicht mehr zur Wiederwahl angetreten. Der FDPler bereut seinen Entscheid zwar nicht, aber er lässt seine Gemeinde «nur ungern im Stich».

Roman Hodel
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Bilanz ziehen als Gemeinderat von Ebikon. Für Ruedi Mazenauer (FDP), Vorsteher des Ressorts Gesellschaft und Soziales, fühlt sich das gerade etwas seltsam an. «Zeitlich hatte ich mir das ja anders vorgestellt», sagt er. Ende August ist seine Exekutivkarriere bereits wieder zu Ende – nach nur zwei Jahren und fünf Monaten. Nicht weil ihn die Ebikoner abgewählt haben, sondern weil er im zweiten Wahlgang nicht mehr angetreten ist. Grund: Sein Geschäft Dein Büro GmbH brauche ihn wegen der Coronakrise (wir berichteten). Mazenauer sagt:

«Ich bereue diesen Entscheid gar nicht, aber es fuchst mich, weil ich Ebikon in der momentanen Situation nur ungern im Stich lasse.»

Er meint damit vor allem die finanziell ungemütliche Lage der Gemeinde, die er in seiner Amtszeit oft genug im eigenen Ressort gespürt hat. Etwa wenn man sich mangels Geld keinen Ersatz von defekten Geräten auf Spielplätzen leisten konnte. Und dann der Umstand, dass den Gemeinden immer mehr Ausgaben aufgebürdet werden – vom Kanton, vom Bund. «Das bedrückt mich», sagt er, wohlwissend, dass es anderen Agglo-Gemeinden gleich geht. Immerhin sei etwas Licht am Horizont zu sehen, dank Erarbeitung einer neuen Finanzstrategie, wie Mazenauer erwähnt.

«Dem Volk dienen» bereitete ihm stets Freude

Denn eigentlich mochte er sein Amt. «Dem Volk dienen», das habe ihm stets Freude bereitet, «auch wenn ich in meiner relativ kurzen Amtszeit nicht so viel bewegen und gestalten konnte, wie ich mir vorgenommen hatte.» Doch aus unternehmerischer Sicht sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als auf die Wiederwahl zu verzichten. Man könne nicht Gemeinderat in einem 40-Prozent-Pensum sein «und nebenbei noch eine eigene Firma führen, die mit aussergewöhnlichen Herausforderungen zu kämpfen hatte – neben Corona kamen noch Personal-Engpässe hinzu.»

Ruedi Mazenauer beim Seiteneingang des Gasthofs Löwen, den er mit seiner Firma Dein Büro GmbH für eine Zwischennutzung gepachtet hat.

Ruedi Mazenauer beim Seiteneingang des Gasthofs Löwen, den er mit seiner Firma Dein Büro GmbH für eine Zwischennutzung gepachtet hat.

Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 29. Juli 2020)

Mazenauer trat das Amt am 1. April 2018 an, nachdem er den FDP-Sitz bei der Ersatzwahl drei Wochen zuvor erfolgreich verteidigt hatte. Als ein wichtiges, gelungenes Geschäft in seiner Amtszeit bezeichnet er den Wandel bei der Spitex Rontal plus, den er im Vorstand habe mitgestalten können. «Dank neuer Software arbeitet die Spitex heute effizienter und kostengünstiger, wodurch wir letztlich Arbeitsplätze sichern konnten.»

Das Thema Spitex bescherte ihm allerdings auch seine einzige Niederlage an der Urne. Die Rede ist von der Spitex-Initiative, die das Stimmvolk 2019 deutlich angenommen hat. Diese war von linker Seite lanciert worden, nachdem der Gemeinderat noch vor Mazenauers Zeit die Kostenbeteiligung an den Spitex-Hauswirtschaftstarifen reduziert hatte. Mittlerweile sind diese angepasst worden. «Ich respektiere den Volksentscheid selbstverständlich», sagt Mazenauer und fügt an:

«Doch Fakt ist, dass wir nun die Hauswirtschaftstarife für Gutverdienende subventionieren.»

Das ärgere ihn insbesondere dann, wenn er bei anderen Ebikonern aus Spargründen Leistungen streichen müsse. Als Beispiel nennt er die gestrichenen VBL-Billette für Ergänzungsleistungsbezüger. «Als Gemeinderat muss ich doch an alle denken», sagt Mazenauer.

Künftig kann sich der 51-Jährige wieder fokussieren: Namentlich auf seine Firma und damit auf die Zwischennutzung des Gasthofs Löwen, welche durch die Dein Büro GmbH betrieben wird. Erst kürzlich konnte Mazenauer den Vertrag mit der Gemeinde Ebikon bis Herbst 2022 verlängern. Politisch hingegen legt er eine Pause ein. Doch Mazenauer stellt klar: «Ich bleibe ein Liberaler, interessiere mich weiterhin für die Entwicklung von Ebikon und werde mich nach Möglichkeit für die Gemeinde einsetzen.»

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