ADLIGENSWIL: Ärger über neue Busbucht

Die geplante Aufhebung von Busbuchten führte in der Region Luzern zu heftigen Kontroversen. Jetzt sorgt der Kanton erneut für Ärger – diesmal, weil er eine Busbucht neu schaffen will.

Raphael Gutzwiller
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Bei dieser Adligenswiler Bushaltestelle soll es ein Wartehäuschen geben. Der Kanton verlangt dafür 6 Meter Abstand, wodurch der heutige Spielplatz (rechts hinter dem Zaun) dem Häuschen weichen müsste. (Bild Nadia Schärli)

Bei dieser Adligenswiler Bushaltestelle soll es ein Wartehäuschen geben. Der Kanton verlangt dafür 6 Meter Abstand, wodurch der heutige Spielplatz (rechts hinter dem Zaun) dem Häuschen weichen müsste. (Bild Nadia Schärli)

Raphael Gutzwiller

Der VBL-Bus Nummer 26 fährt neu vom Würzenbach zum Unterlöchli und von dort bis nach Ebikon. Durch die neue Linienführung wurde die Haltestelle Post beim Gemeindehaus in Adligenswil hinfällig. Dafür halten die Busse der Linien 26 und 73 nun an der Bushaltestelle Dorf. Die Haltestelle in Richtung Udligenswil/Ebikon hat bisher provisorischen Charakter. Das möchte der Gemeinderat von Adligenswil ändern. Er will ein neues Wartehäuschen bauen analog demjenigen von der anderen Strassenseite. Der Kanton erteilt die Baubewilligung dazu aber nicht, weil er sich die Option für eine Busbucht offenhalten möchte, die mehr Platz brauchen würde. Somit verlangt der Kanton, dass ein neues Häuschen 6 Meter ab Trottoirrand gebaut werden muss, damit später eine Busbucht gebaut werden kann.

Spielplatz müsste weichen

Das versteht der Adligenswiler Bauvorsteher Markus Sigrist (CVP) nicht. «Was der Kanton hier will, ist doch Wahnsinn», sagt er. Hinter der Kantonsstrasse befindet sich ein Spielplatz. Dieser müsste ebenso weichen wie die Bäume neben der Strasse. «Eine derartige Zubetonierung des Dorfbildes ist absolut unverständlich», so Sigrist. Warum es dort eine Busbucht brauchen sollte, kann sich der Gemeinderat nicht erklären. «Auf der kürzlich fertiggestellten Schädrütistrasse auf Stadtgebiet sind sechs Haltestellen auf der Fahrbahn. Und dort hat es mehr Verkehr als bei uns», so Sigrist. Maximal zwei bis drei Autos müssten jeweils hinter dem stehenden Postauto an der Bushaltestelle Dorf warten.

Pikant ist die Haltung des Kantons auch deshalb, weil im kantonalen ÖV-Bericht von 2014 in Sachen Busbuchten eine gegenteilige Strategie vorgesehen ist. Demnach ist geplant, zwischen Kriens und Ebikon einzelne Busbuchten aufzuheben und durch sogenannte «Fahrbahnhaltestellen» zu ersetzen. Damit soll verhindert werden, dass der Bus bei grossem Verkehrsaufkommen nicht mehr von der Haltestelle wegfahren kann. Der Nachteil ist allerdings, dass die Autos den wartenden Bus nicht mehr überholen können und warten müssen, bis der Bus weiterfährt. Die Pläne des Kantons sorgten denn auch für heftige Kontroversen (wir berichteten). Wieso setzt sich der Kanton jetzt plötzlich wieder für Busbuchten ein? Beat Hof­stetter, Abteilungsleiter Planung Strassen bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF), will sich zu dieser Frage nicht äussern. Er sagt lediglich: «Die Vor- und die Nachteile verschiedener Bushaltestellen werden im Rahmen des Variantenentscheids angeschaut.» Will heissen: Jede Haltestelle wird individuell angeschaut.

Hoffen auf den Denkmalschutz

Zur Haltestelle Dorf sagt Hof­stetter: «Wir sind daran, verschiedene Varianten für ein Projekt auszuarbeiten.» Gemäss kantonalem Bauprogramm für die Kantonsstrassen soll die Bushaltestelle 2016 angepasst werden – gemeinsam mit weiteren Haltestellen auf der Strecke der Linie 73. «Vom Stadtrand bis ins Dorfzentrum von Adligenswil werden alle Haltestellen überprüft», so Hofstetter. Im Fall von Adligenswil werde auch der Gemeinderat einbezogen, versichert er. Reden mit dem Kanton, das will der Gemeinderat tatsächlich. Gemeinsam mit dem Grundeigentümer, dem Kirchenrat, will er das Gespräch mit dem Kanton suchen. «Eine Zerstörung des Dorfbildes kommt für uns nicht in Frage», so Sigrist. Dies könnte der kantonale Denkmalschutz ähnlich sehen. Dieser muss nämlich dem geplanten Bushäuschen zustimmen, da die benachbarte Kirche St. Martin unter Schutz steht. «Es könnte gut sein, dass der Denkmalschutz gegen eine Busbucht und gegen die grosse Veränderung im Dorfkern ist», hofft Sigrist.