ADLIGENSWIL: Die einst jüngste Gemeinde altert rasch

Auf rund 30 Prozent soll der Anteil der über 65-Jährigen bis 2030 steigen. Die Gemeinde reagiert mit einem neuen Altersleitbild, will aber gleichzeitig den Trend aufhalten.

Hugo Bischof
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Die Alterung in Adligenswil in Zahlen. (Bild: Quelle: Lustat)

Die Alterung in Adligenswil in Zahlen. (Bild: Quelle: Lustat)

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Adligenswil galt einst als jüngste Gemeinde im Kanton Luzern mit dem grössten Anteil an Einwohnern unter 65 Jahren. Das hat sich geändert. Noch Anfang der 1990er-Jahre waren erst rund 4 Prozent der Adligenswiler Wohnbevölkerung über 65 Jahre alt (siehe Tabelle). 2015 betrug der Anteil schon 19,2 Prozent, leicht über dem schweizerischen Durchschnitt von 18,6 Prozent. Von den derzeit knapp 5400 Adligenswilern sind etwas mehr als 1000 im Pensionsalter.

Damit spielt die Gemeinde zwar noch nicht in der gleichen Liga wie Weggis oder Meggen, die zurzeit mit 24 Prozent den grössten Anteil an über 65-Jährigen im Kanton Luzern aufweisen. Treffen die Prognosen zu, könnte Adligenswil aber bald schon Spitzenreiter sein.

Vor allem der Anteil der über 80-Jährigen steigt

Das Statistikamt des Kantons Luzern (Lustat) prognostiziert der Gemeinde Adligenswil nämlich eine dramatische Zunahme des Anteils von über 65-Jährigen – auf 29,1 Prozent im Jahr 2030. Von den künftig geschätzten rund 6000 Adligenswilern wären damit rund 1750 im Pensionsalter. Der Anteil der über 80-Jährigen soll besonders stark steigen – von heute 2,9 auf 9,2 Prozent. Die Entwicklung betrifft zwar die ganze Schweiz. Aber: «Dieser allgemeine Effekt dürfte für Adligenswil zusätzlich verstärkt zu beobachten sein», schreibt Lustat.

Der Adligenswiler Gemeinderat rechnet damit, dass sich «die Zahl der älteren Einwohner bis 2030 verdoppeln wird». Das steht im Begleitschreiben zum Altersleitbild 2017, das seit kurzem auf der Website der Gemeinde aufgeschaltet ist. Mit diesem neuen Leitbild will man der zunehmenden Alterung der Bevölkerung Rechnung tragen (siehe Kasten).

Junge ziehen vermehrt weg

Eine optimale Integration der älteren Bevölkerung in das Gemeindeleben ist das eine. Auf der anderen Seite will der Gemeinderat aber auch dafür sorgen, dass der Anteil jüngerer Bewohner nicht weiter sinkt. «Eine zunehmende Überalterung kann nicht das Ziel sein», sagt dazu Gemeinderat Pascal Ludin (SP), der den zurzeit ferienhalber abwesenden Adligenswiler Sozialvorsteher Ferdinand Huber (SVP) vertritt.

Rückblick: In den 1980er- und 1990er-Jahren erlebte Adligenswil wegen intensiver Bautätigkeit ein grosses Bevölkerungswachstum. Die Kinder der damaligen Neuzuzüger befinden sich nun selbst im Erwerbsalter; viele von ihnen bleiben aber nicht in Adligenswil wohnhaft. «Wir haben einen hohen Anteil an Ehepaaren, die in Einfamilienhäusern wohnen und deren Kinder nun wegziehen», bestätigt Gemeinderat Ludin.

Das sei aber nicht der einzige Grund für den Wegzug der jüngeren Generation. «Junge Leute orientieren sich naturgemäss eher urban», sagt Ludin. «Dazu kommt, dass Adligenswil ein relativ teures Pflaster ist.» Dies auch, weil vergleichsweise nur sehr wenig freier Wohnraum vorhanden ist.

Wohnraum für Familien – dank Alterszentrum

Die Gemeinde begegnet dem Trend nicht nur mit dem bereits erwähnten neuen Altersleitbild. Bereits seit längerem aufgegleist ist der Bau eines neuen Alters- und Gesundheitszentrums mit 48 Alterswohnungen im Dorfzentrum. «Das Zentrum wird Ende 2018, Anfang 2019 bezugsbereit sein», sagt Ludin.

Durch den Umzug von betagten Personen ins neue, bedürfnisgerechte Alterszentrum würde bestehender Wohnraum für junge Paare und Familien frei, so die Absicht des Gemeinderats. Dazu kommen Einzonungen von zusätzlichem Bauland im Rahmen der Revision der Ortsplanung. Diese mussten wegen Einsprachen des Landschaftsschutzes allerdings um 40 Prozent reduziert werden (Ausgabe vom 20. Juli). Dennoch soll hier künftig Wohnraum für mindestens 300 zusätzliche, auch jüngere Adligenswiler Einwohner entstehen.

Ziel: Wachsen durch innere Verdichtung

Mittelfristiges Ziel der Gemeinde ist es, auf 6000 Einwohner anzuwachsen. «Das wollen wir auch mit innerer Verdichtung, also Vergrösserung der Wohnfläche in den bestehenden Bauzonen, erreichen», sagt Ludin. Die revidierte Ortsplanung wird der Bevölkerung im November zur Abstimmung vorgelegt.

Dass in Adligenswil zusätzlicher Wohnraum entsteht, ist für Gemeinderat Ludin vordringlich: «In der vorigen Generation ging es vor allem um neuen Schulraum, jetzt müssen wir beim Wohnbau für junge Leute und Familien nachlegen.» Strategisches Ziel des Gemeinderats ist es, die gemeindeeigenen Baulandreserven in den nächsten Jahren selbst zu entwickeln. Ludin: «So kann die Gemeinde proaktiv die Bedürfnisse aufnehmen und bedarfsgerechten Wohnraum erstellen.»