ADLIGENSWIL: Die einzige Drogerie schliesst

Ab dem 23. September wird es in der Gemeinde keinen Drogisten mehr geben. Viele Kunden wanderten zuletzt zu den Grossverteilern ab.

Sandra Monika Ziegler
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Heidi und Fredy Siegrist in ihrer gleichnamigen Dorfdrogerie. (Bild: Roger Grütter (Adligenswil, 4. September 2017))

Heidi und Fredy Siegrist in ihrer gleichnamigen Dorfdrogerie. (Bild: Roger Grütter (Adligenswil, 4. September 2017))

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Für Fredy (67) und Heidi Siegrist (61) aus Adligenswil bricht eine neue Zeit an. Die beiden Drogisten schliessen ihr Dorfgeschäft am 23. September nach 19 Jahren. Sie konnten auf eine treue Kundschaft zählen. Doch in den letzten Jahren habe die Kundenzahl um einen Fünftel abgenommen, so Fredy Siegrist.

Für ihn ist klar: «In und um Luzern hat es zu viel Verkaufsfläche und damit zu viele Anbieter.» Damit meint er nicht nur die geplante Mall of Switzerland, sondern auch Grossverteiler wie Lidl, Aldi und Müller, der das grösste Drogerie-Markensortiment der Schweiz mit etlichen Filialen führt. «Diese nehmen vermehrt Artikel unseres Angebotes in ihr Sortiment auf. Zwar lassen sich die Kunden in der Drogerie beraten, einkaufen tun sie aber anderswo, oft auch ennet der Grenze.»

Den Interessenten abgeraten

Eine Drogerie zu betreiben sei ein hartes Geschäft, wie Fredy Siegrist betont. Ihr Geschäft liege an einer «C-Lage», es gibt wenig Laufkunden. Es könnte nur als Familienbetrieb geführt werden, allenfalls in Verbindung mit einer Apotheke. Sicher jedoch müsste man das Angebot auch noch online anpreisen. Letzteres machten die Siegristen nicht, sie seien dafür zu alt gewesen.

«Als bekannt wurde, dass wir schliessen, haben sich einige potenzielle Interessenten gemeldet. Doch ich habe ihnen abgeraten, ich hätte es nicht mit gutem Gewissen weitergeben können», so Siegrist. Trotzdem sei die Drogisten-Ausbildung nach wie vor eine gute Grundlage. «Damit gibt es gute Stellen im Labor, bei Krankenkassen oder mit entsprechender Weiterbildung im Bereich der Komplementärmedizin.» Allerdings sei der Lohn trotz fundierter Ausbildung jeweils bescheiden, was Siegrist als beschämend empfindet. Bei ihnen sei dies aber nicht der Fall gewesen, sie hätten immer «anständig» bezahlt, und beide angestellten Drogistinnen hätten auch schon eine neue Beschäftigung in der Branche gefunden. Fredy Siegrist kennt sich in dieser gut aus, war er doch bis vor 10 Jahren während über 20 Jahren Berufsschullehrer der Branche. Das sei übrigens auch ein finanzielles Standbein gewesen, um das er froh war, als er als selbstständiger Drogist in Emmen begann. Siegrist erinnert sich sogar an seinen allerersten Kunden, der damals in den Laden kam: «Das war ein Mann, der ein Süssholz für 20 Rappen kaufte.»

Nach Adligenswil verschlug es das Paar wie eingangs erwähnt vor 19 Jahren. Sie konnten nicht eine Drogerie übernehmen, sondern bauten selbst eine auf. In ihrem Geschäft wird ein sogenanntes «Vollsortiment» angeboten, auch mit vielen Naturheilmitteln. Spezialisiert haben sich die Adligenswiler Drogisten auch auf selbst gemixte Präparate mit eigener Rezeptur, Erkältungssalben auf Thymianbasis – damit sie mit der Homöopathie verträglich sind – oder auch Schlaftropfen.

Coop erweitert Verkaufsfläche

Mit der Geschäftsaufgabe gibt es in Adligenswil künftig keine Drogerie mehr. Doch nicht nur das. Das Ehepaar war auch Anlaufstelle für kleine und grosse Sorgen und Nöte. Solche Gespräche werden ihnen fehlen, sagen Fredy und Heidi Siegrist. So schickt sich das Drogistenpaar mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge in den Ruhestand. Einfach werde es nicht werden, doch freuen tun sich beide. Das Drogerielokal wird Coop nach einem kurzen Umbau zur Erweiterung nutzen.