Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ADLIGENSWIL: Ein Vierteljahrhundert im Dienst der Bücher

25 Jahre arbeitete Anneliese Reichlin in der Gemeindebibliothek. Nun tritt sich zurück – und blickt auf bewegte Zeiten.
Raphael Zemp
Anneliese Reichlin in der Schul- und Gemeindebibliothek Adligenswil. (Bild Boris Bürgisser)

Anneliese Reichlin in der Schul- und Gemeindebibliothek Adligenswil. (Bild Boris Bürgisser)

Eine grosse Fensterfront, vom Boden bis zur Decke reichend, trennt die Bücherwelt von Anneliese Reichlin (60) vom Adligenswiler Dorfkern. Die Wintersonne wirft ein fahles Licht auf die Regale. Hinter dicken Mauern braucht sich die Schul- und Gemeindebibliothek nicht zu verstecken: Aufgeräumt und freundlich präsentiert sie sich ihren Besuchern. Eine Zimmerpflanze reckt sich in der Ecke neben Bücherrücken der Wand empor, Spielzeuge und flauschige Kissen liegen in einer andere Ecke. «Wir richten uns auch nach unseren jüngsten Kunden», erklärt Reichlin. Es ist Freitagnachmittag, und der Besucherandrang hält sich heute in Grenzen.

«Begonnen hat alles ganz unverhofft», leitet Reichlin ihre persönliche Geschichte ein. Immer schon sei sie eine treue Kundin der Bibliothek gewesen. Das entging auch dem damaligen Personal nicht. So sei sie vor 25 Jahren angefragt worden, ob sie ein kleines Pensum hinter der Ausleihetheke übernehmen wolle. Seither hat sich Reichlin mit grossem Engagement für das Adligenswiler Bücherreich eingesetzt. Die letzten 17 Jahre davon als Leiterin. Nun gibt sie ihr Amt ab.

Von Kassetten zu DVDs

Vieles hat sich seit dem Beginn ihres Engagements verändert. «Heute geht alles elektronisch vonstatten», sagt Reichlin. Kaum jemand könne sich noch vorstellen, dass früher noch jedes Buch von Hand gestempelt wurde, dass die Bibliotheksbenützer als Karten in grossen Karteien verwaltet wurden. Auch der Umzug im Jahr 2002 war mit Neuerungen verbunden. «Seither haben wir doppelt so viel Platz. Entsprechend haben wir unser Angebot angepasst.» Die letzte grosse Änderung war der Anschluss vor zwei Jahren an den Bibliotheksverband Region Luzern. Sieben Bibliotheken der Region Luzern arbeiten seither eng zusammen. «Das Konkurrenzdenken ist nun passé.»

Auch die Medien waren einem grundlegenden Wandel unterworfen. «Zuerst nahmen wir Kinderkassetten ins Angebot, danach kamen Videokassetten – beides ist mittlerweile wieder aus den Regalen verschwunden.» Dort stehen nun Hörbücher und DVDs. «Die neuste Entwicklung sind E-Books, die unsere Kunden selbstständig übers Internet beziehen können», sagt Anneliese Reichlin.

Trotz aller Innovationen machen aber auch heute noch Bücher den grössten Anteil aus im Medienangebot der Gemeindebibliothek – fast 85 Prozent. Und das dürfte sich in naher Zukunft nicht ändern, wenn man Reichlin glauben darf. Sie selbst hat einen E-Reader, lädt regelmässig E-Books darauf, verweigert sich den technischen Neuerungen also keineswegs. «Aber Bücher sind etwas Einzigartiges.»

Immer mehr Senioren als Kunden

Bücher scheinen sich nach wie vor zu behaupten. Reichlin beobachtet zwar, dass bei den Schülern das Lesen an Wichtigkeit einbüsse, «einige bleiben uns aber treu». Die Hauptkundschaft besteht aus vielen Erstlesern, Primarschülern, aber auch aus treuen Lesern im Erwachsenenalter. «Zudem nutzen immer öfters auch Senioren unsere Dienste.»

Auch wenn sich an diesem Freitagnachmittag fast niemand in die Bibliothek gewagt hat: «Der Eindruck täuscht. Unsere Bibliothek wird sehr rege genutzt», stellt Reichlin klar. Um dem Nachdruck zu verleihen, klaubt sie den Jahresbericht von 2012 hervor. Über 13 000 Medien stellt die Adligenswiler Schul- und Gemeindebibliothek zur Verfügung. Und über 45 000 wurden in jenem Jahr ausgeliehen. Auf die Bevölkerung von Adligenswil berechnet, macht das rund 8,3 Ausleihen pro Person und Jahr. «Ein Spitzenwert», bemerkt Reichlin nicht ohne Stolz, «der höchste im ganzen Bibliotheksverband.»

Sie bleibt weiter den Büchern treu

Bücher faszinieren Reichlin noch immer – auch nach 25 Jahren als Bibliothekarin. «Es war für mich mehr als nur ein Job. Mein Beruf war gleichzeitig meine Passion, mein Hobby.» Es erstaunt daher wenig, dass ihre Demission keineswegs die Abkehr von den Büchern bedeutet. Ihre Leselust ist noch nicht versiegt. Warum aber hat sie sich letztlich doch entschieden, ihren Job als leitende Bibliothekarin an den Nagel zu hängen? «Einfach ist es mir nicht gefallen», gesteht sie. Aber der Wunsch, künftig mehr Zeit mit ihrem pensionierten Ehegatten zu verbringen, lässt sie diesen Entscheid nicht bereuen. Und: «Meine Nachfolgerin Elisabeth Bühler wird einen guten Job machen.»

Ob sie sich auch vorstellen könne, jetzt da sie wieder mehr Zeit für sich habe, die Seiten zu wechseln und zum Schreibstift zu greifen? Diese Frage quittiert Anneliese Reichlin mit einem Lachen: «Es wäre super – aber auch etwas vermessen.» Der Literatur wird sie aber als aufgeweckte Konsumentin weiterhin treu bleiben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.