ADLIGENSWIL: Sarahs Hoffen auf einen Knochenmarkspender

Sarah Meyer (16) hat akute Leukämie. Helfen kann ihr nur noch eine Knochenmarkspende. Doch die Zeit eilt.

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Sarah Meyer Ende September im Kinderspital Luzern. Hier wird sie gepflegt von Monika Jung. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Sarah Meyer Ende September im Kinderspital Luzern. Hier wird sie gepflegt von Monika Jung. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Einmal mehr ist Sarah Meyer Ende September ins Kinderspital Luzern eingeliefert worden – für eine weitere Chemotherapie. «Ich bin etwas müde», sagt sie bei unserem Besuch. Von den Medikamenten.

Sarah Meyer ist eine Hochrisikopatientin. Selbst die Chemotherapie kann ihr nur kurzfristig helfen. Was sie wirklich braucht, und zwar dringend, ist eine Knochenmarkspende. «Gewisse Leukämieformen sind nur durch eine Knochenmarktransplantation heilbar», sagt Ueli Caflisch, Onkologe am Kinderspital. «Am grössten ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewebe übereinstimmt, bei den Geschwistern.» Doch Schwester Jasmine ist bereits überprüft worden; sie kommt als Spenderin nicht in Frage. «Und leibliche Eltern stimmen immer nur zur Hälfte mit ihren Kindern überein», sagt Caflisch. Ideal wäre eine 100-prozentige Übereinstimmung.

«Müssen alles probieren»
Nun versucht die Familie Meyer, möglichst viele Personen zu einer Online-Registrierung zu motivieren (siehe Kasten). «Wir müssen einfach alles probieren. Je mehr Personen sich melden, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein passender Spender darunter ist», sagt Vater Jörg Meyer.

Spätestens bis Anfang Dezember müsse ein Spender gefunden werden, sagen die Ärzte. Sonst wird, mangels Alternativen, die Mutter oder der Vater als Spender beigezogen. Dies, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewebe abgestossen wird, relativ hoch ist.

Die erste Krebsdiagnose hat Sarah Meyer mit 14 Jahren erhalten, im Dezember 2007. Später schrieb sie in ihr Tagebuch: «Ich sagte zu mir und zu all den anderen immer nur wieder: ?Aber wir haben ja den Krebs früh entdeckt, also habe ich doch sicher mehr Überlebenschancen, oder?? Es antworteten mir immer alle mit einem nicht ganz deutlichen Ja.» Die Ärzte schätzten die Heilungschancen auf 80 Prozent. Sarah Meyer erhält eine erste Chemotherapie. Diese scheint erfolgreich, allerdings greifen die Medikamente die Hüftgelenke an. Im Januar 2010 muss sich Sarah einer achtstündigen Hüftoperation unterziehen. Immer wieder ist sie für längere Zeit im Kinderspital und in der Rehaklinik.

USA-Aufenthalt abgebrochen
Trotz allem schafft sie diesen Sommer den Übertritt ans Kurzzeitgymnasium; danach will sie für ein Austauschjahr nach Atlanta in den USA. Am 11. Juli fliegt die Familie in die USA. Doch nach zwei Wochen muss der Aufenthalt abgebrochen werden: eine Krebserkrankung, schon wieder. Die Familie fliegt zurück in die Schweiz, Sarah Meyer wird hospitalisiert. Jetzt stehen Therapien an; eine Schule besucht Sarah Meyer zurzeit nicht. Selbst Kinobesuche sind gestrichen, da durch die Chemotherapie das Infektionsrisiko erhöht ist. Sarah hofft, dass sich bald ein Knochenmarkspender findet. Denn aufgeben will sie nicht. Ihr Vater sagt: «Sie ist eine Kämpferin.»

Barbara Inglin