ADLIGENSWIL: Warum die FDP ihren Sitz kampflos hergibt

Erstmals seit 1949 ist die FDP nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Trotz Rückendeckung in der Gemeinde, ist die Kandidatensuche ein Problem für die Partei.

Raphael Gutzwiller
Merken
Drucken
Teilen
«Wir wurden auf dem linken Fuss erwischt», Peter Stutz, Co-Präsident FDP Adligenswil. (Bild: Archiv Neue LZ)

«Wir wurden auf dem linken Fuss erwischt», Peter Stutz, Co-Präsident FDP Adligenswil. (Bild: Archiv Neue LZ)

Raphael Gutzwiller

Die SVP ist wieder zurück im Adligenswiler Gemeinderat: Am Sonntag wählte die Bevölkerung Ferdinand Huber (SVP) zum neuen Bildungsvorsteher. Er setzte sich gegen Olivier Bucheli (GLP) durch, der als aktueller Sicherheitsvorsteher ins Bildungsdepartement wechseln wollte (Ausgabe von gestern).

Die grosse Verliererin der Wahl ist aber die FDP, die nach dem Rücktritt des ehemaligen Bildungsvorstehers Peter Kälin (FDP) keinen Kandidaten für die Ersatzwahl aufgestellt hat. Bei einer Wahl Buchelis wäre eine Ersatzwahl für dessen Amt als Sicherheitsvorsteher nötig geworden. Dort wäre die FDP nach eigenen Aussagen mit einem «starken Kandidaten» angetreten. Diese Taktik ging schief: Die FDP verliert nun ihren einzigen Gemeinderatssitz und ist erstmals seit 1949 nicht mehr im Adligenswiler Gemeinderat vertreten. Bis 2008 gab es gar zwei FDP-Gemeinderäte. Pikant: Schon damals hat sie freiwillig auf einen Sitz verzichtet.

FDP ist die zweitstärkste Partei

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die FDP in Adligenswil alles andere als wählerschwach ist. Bei den letzten Kantonsratswahlen erhielt sie in der Agglomerationsgemeinde am zweitmeisten Stimmen aller Parteien. Sie überholte damit CVP und SP, einzig die SVP holte mehr Stimmen.

Warum konnte die FDP keinen Kandidaten stellen? Peter Stutz, Co-Präsident der FDP, sagt: «Wir wurden auf dem linken Fuss erwischt.» Dabei spricht er den Rücktritt des bisherigen Bildungsvorstehers Peter Kälin (FDP) an, der zu einem «ungünstigen Zeitpunkt» gekommen sei. «Dadurch, dass das neue Führungsmodell noch nicht klar war, wurde die Kandidatensuche erschwert», so Stutz.

Modellentscheid heute Abend

Heute entscheidet die Gemeindeversammlung über das neue Führungsmodell. Zur Wahl stehen das CEO-Modell oder eine Optimierung des heutigen Modells. Die Gemeinderatspensen schwanken zwischen 20 (CEO-Modell) und 60 Prozent. «Es ist schwierig, wenn die Rahmenbedingungen für das Amt erst nach der Wahl festgelegt werden», sagt Stutz dazu. Die FDP hat sich zusammen mit SP und GLP für das CEO-Modell ausgesprochen. Hauptargument: Die Kandidatensuche würde für die Parteien einfacher werden.

Die Planung der FDP sei nun auf die Gesamterneuerungswahlen im nächsten Frühling ausgerichtet, sagt Stutz. Dann wird der ganze Gemeinderat neu gewählt. Und da will die FDP ihren Sitz zurückholen. «Wir werden einen Sitz angreifen», sagt Stutz dazu. Klar ist für ihn: «Den SVP-Sitz akzeptieren wir.» Daher peilt die FDP einen der beiden CVP-Sitze an.

Gewerbeverein in SVP-Hand

An Wähler fehlt es der FDP in Adligenswil also nicht, aber an Köpfen. Als Wirtschaftspartei wäre es naheliegend, dass Gewerbler der Partei beitreten. Doch ein Blick auf die Webseite des Adligenswiler Gewerbevereins zeigt Gegenteiliges: Zwei Vorstandsmitglieder sind nämlich in der SVP aktiv. Neben dem ehemaligen SVP-Ortsparteipräsidenten Roger Rölli ist auch der Präsident des Vereins, Markus Gabriel, in der SVP. Er wurde vorgestern ebenfalls gewählt: in die Controllingkommission.

Warum ist er nicht Mitglied der FDP? «Ich wurde von der SVP angefragt, ob ich mitmachen möchte. Vielleicht wäre ich jetzt in der FDP, wenn sie schneller gewesen wäre», sagt Gabriel. «Ich denke, dass FDP und SVP bei Ortsparteien näher beieinanderliegen als dies schweizweit der Fall ist. Die SVP in Adligenswil ist moderater, betreibt Sachpolitik und keine Polemik», fügt er hinzu.

Natürlich habe die SVP davon profitiert, dass die FDP keinen Kandidaten für den Gemeinderat aufgestellt hat, sagt Markus Gabriel. «Mit einer Kandidatur der FDP wäre es für uns schwieriger geworden, den Gemeinderatssitz zu holen.» Dennoch denkt er, dass man auch im Falle einer FDP-Kandidatur den Sitz angegriffen hätte. «Die SVP gehört als wählerstärkste Partei von Adligenswil in den Gemeinderat.»

Der Gewerbler spricht davon, dass sich die FDP verspekuliert habe. «Die FDP hat wohl nicht erwartet, dass die SVP in so kurzer Zeit einen Kandidaten stellen kann. Sie sind davon ausgegangen, dass Bucheli den Ressortwechsel vollziehen kann», sagt Gabriel. «Dann hätte die FDP mehr Zeit gehabt, einen geeigneten Kandidaten in das endsprechende Ressort zu finden», so Gabriel, für den klar ist, dass die FDP einen Sitz verdient hätte. «Wenn die FDP einen geeigneten Kandidaten im Frühling nominiert, werde ich diesen sicher unterstützen.»