ADLIGENSWIL: Zehn riesige Chilbi-Gemälde wurden wiederentdeckt

Es ging wild zu und her an der Adligenswiler Chilbi im 19. Jahrhundert. Das sieht man im Schalander der Brauerei Eichhof.

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Hans Meier (rechts) und Fotograf Tom Stocker begutachten die Gemälde im Schalander der Brauerei Eichhof. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Hans Meier (rechts) und Fotograf Tom Stocker begutachten die Gemälde im Schalander der Brauerei Eichhof. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Mit Knebeln werden zwei Männer in Richtung Luzern verjagt, keck ragen hinter dem Hügel die beiden Kirchturmspitzen der Hofkirche hervor.

Die beiden Männer haben es an der Adligenswiler Kirchweih oder Chilbi zu bunt getrieben, wollten am Ende wohl gar mit Frauen aus dem Dorf anbandeln. Das lassen zumindest die beiden verschreckt wirkenden jungen Frauen am linken Bildrand vermuten.

Das Gemälde, von dem hier die Rede ist, misst rund 4,5 mal 1,5 Meter und hängt im Schalander, dem Gesellschaftslokal der Brauerei Eichhof. Das riesige Bild hängt seit 1940 dort und bildet zusammen mit weiteren neun grossflächigen Gemälden einen Bilderzyklus zur Adligenswiler Dorfchilbi Mitte des 19. Jahrhunderts.

Präzise Namensangaben und Lebensdaten auf den Bildern
Auf den Bildern wird musiziert, wild getanzt, Wein abgefüllt, getrunken und diskutiert. Männer, Frauen und Kinder sind die Protagonisten. Das Spezielle daran: Viele der Figuren werden mit Namen und Lebensdaten auf den Bilderrahmen präzis benannt.

Gemalt wurden die riesigen, an Panoramabilder erinnernden Werke 1891 von Friedrich Stirnimann (1841–1901), einem damals recht bekannten Kunstmaler aus Ettiswil.

«Die Adligenswiler Chilbi hat eine lange Tradition»
Der inhaltliche Bezug der Bilder zur Dorfgeschichte wurde erst jüngst wiederentdeckt: Hans Meier (67), Adligenswiler alt Gemeindeammann und Historienfreund, stiess während Recherche- und Archivarbeiten auf die gut erhaltenen Gemälde. Der finanzielle Wert des Chilbi-Zyklus ist noch nicht bekannt. Ebenso muss die exakte historische Aufarbeitung der Bildszenen erst noch erfolgen.

«Es gibt wohl nicht viele Gemeinden, die über einen Bilderzyklus mit so präzisen Namensangaben verfügen. Die Schalander-Bilder sind für uns ein Schatz», sagt Roland Sigrist, Projektleiter eines Buches zur Adligenswiler Dorfgeschichte.

«Auch wenn die Bilder vom Inhalt her nicht präzis datierbar sind: Man kann aus ihnen schliessen, dass die Adligenswiler Chilbi eine lange Tradition hat», so Sigrist.

Jérôme Martinu

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung.