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Grosi Rösi Emmenegger bastelt mit ihren Enkeln Timo und Alina Kopfschmuck für die Kühe. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Grosi Rösi Emmenegger bastelt mit ihren Enkeln Timo und Alina Kopfschmuck für die Kühe. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Älplerfamilie fiebert ob Sörenberg der Alpabfahrt entgegen

Familie Emmenegger aus Schüpfheim bereitet sich auf das Ende des Alpsommers vor – am Samstag werden sie an der Alpabfahrt wieder im Tal eintreffen.
Martina Odermatt

Es herrscht reges Treiben auf dem Bauernhof der Emmeneggers auf der Alp Witmoos in Sörenberg. Grossvater Toni Emmenegger spitzt mit der Fräse Holzpflöcke zu Schwirren, neben ihm liegt bereits ein mannhoher Haufen fertig bearbeiteter Pflöcke. Die Schwirren, die Toni Emmenegger zuvor zugespitzt hat, werden im kommenden Frühling wieder benötigt, um die Alpzäune zu erneuern.

Ein paar Meter weiter wird der Einachser mit Anhänger aus der Scheune gefahren. Darauf sollen ein Hasenstall und brauchtümliche Gegenstände Platz finden. Doch dazu später.

Überall auf dem Hof liegt Tannenchries, an der Aussenwand eines Schopfs sind diverse mit Blumen geschmückte Gurte angebracht. In der Garage nebenan sind vier Frauen damit beschäftigt, weitere Gurte zu dekorieren. Es ist offensichtlich: Am Samstag ist Alpabfahrt und Familie Emmenegger steckte mitten in den Vorbereitungen dazu.

Die fertig geschmückten Bauchgurte der Kühe werden an der Wand aufgehängt und zwischengelagert. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Die fertig geschmückten Bauchgurte der Kühe werden an der Wand aufgehängt und zwischengelagert. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Bereits am Dienstag hat die Familie mit Hilfe von Freunden und Bekannten angefangen, den Blumenschmuck für die Kühe zu fertigen. Bezüglich Blumen und Farben gebe es keine Regeln, sagt Heidi, Schwägerin von Hofbetreiber Adrian Emmenegger. Üblich sei jedoch der kleine Strauss, den sie in der Mitte des Gurtes formen und der dann auf dem Rücken der Tiere zur Geltung kommen soll, sagt sie, und dreht mit einem Haken die Drahtschlaufe zu. Die Blume hält. «Heute morgen hat es geheissen, dass wir 42 Exemplare brauchen», sagt Heidi. «Wie viele Gurten wir bereits gemacht haben, weiss ich nicht genau. Aber bis jetzt haben wir es noch immer geschafft», sagt sie und lacht.

Die Emmeneggers verwenden für ihren Schmuck Kunstblumen – die kann man jedes Jahr wiederverwenden. «Das ist nachhaltiger», wird unserer Reporterin vor Ort erklärt. Und man könne so trotzdem jedes Jahr variieren, da kaputte Blumen entsorgt und neue gekauft werden. Erstaunt? Verständlich, denn wer den Unterschied zu echten Pflanzen feststellen will, muss schon sehr nah an das Gesteck gehen und ganz genau schauen.

Alina und Timo Emmenegger beim Basteln des Kopfschmucks der Kühe. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Alina und Timo Emmenegger beim Basteln des Kopfschmucks der Kühe. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Eine halbe Etage tiefer ist Grosi Rösi mit Enkeltochter Alina zu Gange. Die sechsjährige Tochter von Adrian Emmenegger bastelt heuer den ersten Kopfschmuck für ihre Lieblingskuh Panda. Mit einem Hammer schlägt sie – unter den wachsamen Augen von Rösi – kleine Haken in ein Holzbrett, das Tannenchries wird so quasi eingeklemmt. «Die Kleinen sollen auch lernen, wie man die Dekoration bastelt», so Rösi. Als Schmuck hat sich Alina eine grosse blaue Blume ausgesucht. Nach einer Weile stösst auch ihr jüngerer Bruder Timo dazu. Auch er hämmert sachte Haken ins Brett.

Grosi Rösi ist für den Kopfschmuck der Tiere zuständig. «Ich habe bereits am Montag mit dem Schmücken angefangen, da ich wusste, dass auch die Kinder am Mittwochnachmittag mithelfen möchten. Dann muss man sich jeweils etwas mehr Zeit nehmen», sagt sie. An der Decke hängen bereits verschiedenste dekorierte Tafeln. «Um die dreissig Stück habe ich bereits gemacht», nickt sie zufrieden.

Der Hof, auf dem hier alle beschäftigt wuseln, gehört Adrian Emmenegger und seiner Frau Ramona. Der 38-Jährige ist während dem Sommer jedoch nicht regelmässig hier anzutreffen. Er schaut zum Talbetrieb in Schüpfheim. Seine Eltern und sein Bruder sind im Sommer aber für den Alpbetrieb angestellt. Die Alpabfahrt ist für Adrian trotzdem etwas Spezielles.

«Die Alpabfahrt ist der Stolz der Älpler», sagt er. «Da kann man zeigen, dass es die Kühe den Sommer hindurch gut hatten.»

Doch mit dem Alpabzug wird nicht nur die Alpsaison beendet, er signalisiere auch den Beginn der Winterzeit. Die Alpabfahrt gehöre einfach dazu, Punkt. Die Alpabfahrt Schüpfheim ist die grösste dieser Art. Der Anlass zieht jedes Jahr Tausende Besucher an, die den Älplerfamilien beim Dorfeinzug zuwinken. Sieben Betriebe kehren jeweils an diesem Tag wieder ins Tal zurück. Die Alp Witmoos wird als letzte durch das Dorf marschieren. «Es macht uns schon stolz, wenn man die vielen Leute im Dorf sieht, die auf einen warten», so Emmenegger.

Rund vier Stunden Laufzeit werden die Emmeneggers auf sich nehmen. Um vier Uhr morgens wird der Wecker läuten, dann werden die Kühe gemolken und darauf für ihren grossen Auftritt herausgeputzt.

Gegen 9 Uhr morgens wird sich der Tross in Bewegung setzen. Mit dabei ist auch der erwähnte Einachser. «Zu unserem Alpabzug gehört auch ein Brauchtumswagen», erklärt Adrian Emmenegger. Auf diesem präsentiere die Familie jeweils etwas Brauchtümliches. Heuer hätten Sie sich für den Hasenstall zum «zügeln» der Kleintiere entschieden, auch ein alter Schlitten, Tornister, Milchkannen, Seile und Werkzeug finden Platz auf dem Anhänger. «Wir wollen damit zeigen, dass der Alpabzug etwas Traditionelles ist.»

Die Familie Emmenegger gestaltet jedes Jahr auch einen Brauchtumswagen, den sie an die Alpabfahrt mitnehmen. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Die Familie Emmenegger gestaltet jedes Jahr auch einen Brauchtumswagen, den sie an die Alpabfahrt mitnehmen. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Doch noch ist es nicht so weit. Auch wenn die Emmeneggers mit Vielem schon auf Kurs sind, gibt es noch ein, zwei Dinge, die vor der Alpabfahrt zu erledigen sind. So müssen etwa die Glocken poliert und die Trachten vorbereitet werden. Dann jedoch steht einer erfolgreichen Alpabfahrt nichts mehr im Wege.

Rösi Emmenegger bereitet die Sennenhemden für die Männer vor. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

Rösi Emmenegger bereitet die Sennenhemden für die Männer vor. (Bild: Nadia Schärli, 25. September 2019)

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