Ärger über Fussballer lässt Ehemann ausrasten und zuschlagen

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Der Mann versuchte, seine Frau zu töten. Die Staatsanwaltschaft fordert 4,5 Jahre Haft, lenkt aber in eine Therapie ein.

Sandra Monika Ziegler
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Eigentlich hätte es ein gemütlicher Abend werden können, damals im Sommer 2018: mit Fussball, Fernsehen und Frau. Doch er endete brutal mit Angriffen eines heute 74-Jährigen gegen seine Ehefrau. Er schlug ihr mit der Faust ins Gesicht und würgte sie mit beiden Händen. Die Tochter musste die beiden gewaltsam trennen, sonst hätte die Frau nicht überlebt.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen versuchter vorsätzlicher Tötung 4,5 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 7800 Franken. Der Mann ist geständig und bereut die Tat, laut Anklageschrift. Und auch am Mittwoch am Luzerner Kriminalgericht präsentierte sich ein Mann, der zutiefst bereut.

Frau begleitet ihren Mann ins Gericht

Die Verhandlung fand auf Begehren beider Parteien unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Ehefrau, die zugleich das Opfer war, begleitete ihren Mann ins Gericht.

Zu Beginn wurde der Beschuldigte von der Richterin zu den Vorwürfen der Anklage befragt. Der 74-jährige Schweizer erzählte, dass er bereits am zweiten Tag nach der Tat bei der Polizei aussagte, dass er seine Frau nicht umbringen wollte. Depressionen und Alkohol hätten ihn zum Täter werden lassen. Er sei damals ein «anderer Mensch» gewesen:

«Leider ist mir das passiert, ich konnte mein Handeln nicht mehr bremsen.»

Auch sei er, bevor er zuschlug, «fast rassistisch» gewesen, als er über den Fussballer Neymar herzog. Dieser hatte im Viertelfinal Brasilien gegen Belgien mit seiner Schwalbe sein Team um den Titel gebracht. Er sei dermassen wütend gewesen, sagte der Beschuldigte, dass es wenig gebraucht habe, um vollends zu explodieren. Und das «Wenige» war just der Moment, als seine Frau den verbal ausfälligen Ehemann im Fernsehzimmer allein liess und sich wortlos ins Schlafzimmer zurückzog, um zu deeskalieren. Das habe ihn verletzt, darum folgte er ihr ins Schlafzimmer und schlug zu. Als er sie an Haaren und Kopf in die Küche zerrte und dort während über 20 Sekunden würgte, sei es schon zu spät gewesen, er habe sich nicht mehr bremsen können, so der Angeklagte.

«Meine Frau musste für jahrzehntelange Probleme der Sündenbock sein. Wäre jemand anderes im Raum gewesen, dann wäre es diese Person gewesen.» Die Frau konnte sich kurz losreissen und um Hilfe schreien. Das hörte ihre Tochter, die im selben Wohnblock wohnte. Sie eilte zu Hilfe. Verbal liess sich der Mann aber nicht von seinem Tun abhalten. Erst als die Tochter ihn wegzerrte und ihn ins Schlafzimmer bugsierte, kehrte Ruhe ein. Dort schaute der Mann wieder Fussball bis er verhaftet und in Untersuchungshaft genommen wurde.

Seine Zukunft sieht der Täter mit seiner Frau

Vor der Richterin sagte der Mann: «Was ich getan habe, ist Fakt. Wir hatten Glück, dass keine bleibenden körperlichen Schäden entstanden sind.» Die Tat beschäftige ihn täglich, er habe quasi ein Eigengoal geschossen. «Ich kann nichts rückgängig machen.» Es gelte jetzt nach vorne zu blicken. Er hätte sich doch niemals vorstellen können, dass er dereinst mit bald 75 Jahren vor dem Kriminalgericht sitze. Als der Richter nachfragte, ob er denn seine Zukunft mit seiner Frau besprochen habe, bejahte er und fügte an:

«Ich hoffe, ich muss nicht ins Gefängnis und kann mit meiner Frau wieder etwas aufbauen.»

Das Luzerner Kriminalgericht schob die unbedingte Strafe von 4,5Jahren zugunsten einer Therapie auf. Verstösst der Mann gegen die Auflagen, muss er ins Gefängnis.