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Ärger über zu kurzfristige Einsatz-Absagen: Spitex Rontal Plus führt Pauschale ein

Nicht fristgerecht annullierte Einsätze bescheren der Spitex Rontal Plus viele Umtriebe. Zu kurzfristige Absagen werden nun neu sanktioniert.
Evelyne Fischer
Eine Spitex-Mitarbeiterin versorgt einen Klienten. (Symbolbild: Gaetan Bally/ Keystone)

Eine Spitex-Mitarbeiterin versorgt einen Klienten. (Symbolbild: Gaetan Bally/ Keystone)

Beim Doktor oder Zahnarzt ist es längst Usus: Werden Termine nicht mindestens 24 Stunden im Voraus abgesagt, hat dies Kosten zur Folge. Nun übernimmt auch die Spitex Rontal Plus diese Handhabung. Seit dem 1. August erhebt sie für nicht fristgerechte Annullationen eine Pauschale von 50 Franken. Nicht fristgerecht heisst: Die Absage erfolgt weniger als 24 Stunden vor dem Einsatz unter der Woche - oder nicht mindestens 48 Stunden im Voraus am Wochenende.

Die Spitex Rontal Plus mit 80 Angestellten ist die zweitgrösste Organisation im Kanton Luzern. Sie hat Leistungsvereinbarungen mit den Gemeinden Adligenswil, Buchrain, Dierikon, Ebikon, Gisikon, Honau, Meierskappel, Root und Udligenswil und betreute im letzten Jahr 641 Klienten. Über 24'000 Stunden Pflege- sowie rund 8800 Stunden Hauswirtschaftsleistungen wurden erbracht. In beiden Bereichen wird bei zu kurzfristigen Absagen neu die Pauschale fällig – sofern kein Notfall oder eine Hospitalisierung vorlag oder sich der Allgemeinzustand verschlechtert hat und ein Arztbesuch fällig wurde.

Fast drei nicht fristgerechte Absagen pro Woche

Bestellt, aber nicht gebraucht: Unverhoffte Absagen von geplanten Einsätzen gab es bei der Spitex Rontal Plus letztes Jahr fast drei pro Woche. Für 2018 sind bei der Spitex Rontal Plus 148 Einsätze verzeichnet, die nicht pünktlich abbestellt wurden. «Dieses Jahr zählten wir bis Ende Juli bereits 74 zu kurzfristige Absagen», sagt Urs Knüsel, Geschäftsführer der Spitex Rontal Plus. Solche habe seine Organisation schon immer verrechnet, bislang abhängig von der Zeitdauer des vorgesehenen Einsatzes. Den Wechsel auf die Pauschalen begründet Knüsel wie folgt:

«Dies ist im Gesundheitswesen ein übliches Instrument, das in der Administration Vorteile bringt.»

Der Entscheid sei nicht im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Ebikoner Gemeindeinitiative «Bezahlbare Spitex-Leistungen für alle» zu sehen. Zur Erinnerung: Das gutgeheissene Volksbegehren verlangt vom Gemeinderat Massnahmen, um den Zugang zu bedarfsgerechter Pflege und Betreuung – unabhängig vom Einkommen – zu gewährleisten.

Leerzeiten lassen sich nicht verrechnen

Zu kurzfristige Absagen seien sehr ärgerlich, sagt Knüsel. Für die Angestellten entstünden Leerzeiten, die man niemandem verrechnen könne und finanziellen Aufwand generieren würden.

«Diese Kosten erhöhen die Vollkosten und schlagen sich letztlich in den Tarifen nieder.»

Ob die neue Pauschale die unverhofften Absagen decke, könne er nicht sagen. Welche finanziellen Ausfälle die zu kurzfristigen Abmeldungen bescherten, lasse sich nicht beziffern. Die Begründungen der zu knappen Absagen sind laut Knüsel vielseitig: Sie reichen von spontanen Einladungen zum Mittagessen über kurzfristig geplante Ausflüge bis hin zu Verwandten, die unerwartet einspringen. «Manchmal stehen unsere Mitarbeitenden auch einfach vor verschlossenen Türen», sagt Urs Knüsel.

Städtische Spitex kennt 30-Franken-Pauschale

Gute Erfahrungen mit einer Absagepauschale gemacht hat die Spitex der Stadt Luzern, die mit über 340 Angestellten rund 1000 Klientinnen und Klienten monatlich pflegt und betreut. «Für Termine, die nicht 24 Stunden im Voraus annulliert wurden, verrechnen wir 30 Franken», sagt Geschäftsleiterin Tamara Renner. «Allerdings nur, wenn die Person fähig gewesen wäre, den Einsatz frühzeitig abzusagen.» Heisst: Beispielsweise bei an Demenz erkrankten Menschen kommt die Pauschale nicht zur Anwendung, ebenso wenig bei Notfällen.

Die Absagepauschale führte letztes Jahr zu Einnahmen von rund 8000 Franken aus gut 260 abgesagten Terminen. Die Tendenz sei leicht steigend, entsprechend der zunehmenden Zahl der Einsatzstunden. Renner betont: Kostendeckend seien die 30 Franken nicht.

«Es geht uns auch nicht um eine Bestrafung, sondern um eine Steuerung. Zu kurzfristig abgesagte Einsätze belasten letztlich den Steuerzahler.»

Dafür wolle man ein Bewusstsein schaffen und gebe die Verantwortung den Klientinnen und Klienten ein Stück weit zurück. Wie lange die gemeinnützige städtische Spitex dies bereits so handhabt, kann Renner nicht sagen. «Sicher seit den 14 Jahren, in denen ich nun für die Organisation tätig bin.»

Kantonalverband macht keine Vorgaben

Pauschalen, wie sie die Spitex Rontal Plus und die Spitex der Stadt Luzern kennen, sind im Kanton noch nicht verbreitet. «Gemäss unserem Kenntnisstand verrechnen fast alle Non-Profit-Spitex-Organisationen nicht fristgerecht abgesagte Einsätze, meistens gemäss dem geplanten Zeitbedarf», sagt Jim Wolanin, Präsident des Spitex-Kantonalverbands. Welches System man wähle, liege in der Entscheidungshoheit der jeweiligen Basisorganisation, beide hätten Stärken und Schwächen. Wolanin sagt:

«Pauschalen haben den Vorteil, dass Klienten im Voraus wissen, was eine kurzfristige Absage kostet. Zudem ist die Handhabung effizienter.»

Verrechne man die geplante Einsatzzeit, falle der Betrag – je nach Situation – höher aus als eine allfällige Pauschale. Wie gross die finanziellen Einbussen wegen zu kurzfristig abgesagter Termine ist, sei schwierig zu schätzen. «Zum einen fehlen uns entsprechende Daten, zum anderen hängen die Kosten von verschiedenen Faktoren ab», sagt Wolanin. Eine Rolle spielen unter anderem die Wegzeiten, die Dauer des Einsatzes und das Ausbildungsniveau des Personals.

Drittgrösste Organisation stellt Einsatz in Rechnung

Weiterhin auf die Verrechnung der geplanten Einsatzdauer vertraut die Spitex Hochdorf und Umgebung, die in den Gemeinden Aesch, Altwis, Ballwil, Ermensee, Eschenbach, Hochdorf, Hohenrain, Hitzkirch, Inwil, Römerswil und Schongau aktuell rund 400 Klienten betreut. «Erfolgt die Absage nicht binnen 24 Stunden im Voraus, verrechnen wir die Länge des geplanten Einsatzes zum Tarif von 80 Franken pro Stunde», sagt Spitex-Präsident Daniel Rüttimann. «Ausser es handelt sich um einen Notfall.»

Bei der drittgrössten gemeinnützigen Organisation des Kantons mit 65 Angestellten kämen zu kurzfristige Absagen bislang aber «kaum» vor, eine Statistik führe man nicht. Der CVP-Gemeinderat Ressort Soziales, Gesundheit und Sicherheit von Hochdorf sagt:

«Wie so oft ist auch hier eine gute Kommunikation zwischen Klient und Spitex-Organisation entscheidend.»

Wenn überhaupt, müsse man die Verrechnung bei Klienten anwenden, die Termine wiederholt und selbst verschuldet nicht fristgerecht annullieren. «Wir verzeichnen aufgrund von zu kurzfristig abbestellten Einsätzen keine finanziellen Einbussen, aufgrund der Grösse unserer Spitex können wir flexibel reagieren.»

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