Ärger wegen Gestank – zig weitere Luzerner Bauern müssen wohl bangen

Die Gemeinde Meggen will Bauer Kaspar Hofer helfen, seinen Hof zu retten. Auch andere Betriebe dürften wegen der Nähe zur Siedlung Probleme bekommen. Schuld sei nicht nur der Siedlungsdruck, findet der Bauernverband.

Christian Glaus
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Dieser Schweinestall der Familie Hofer in Meggen muss weiter weg von der Wohnhäusern – obwohl er wesentlich länger da steht als dieselbigen. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2019)

Dieser Schweinestall der Familie Hofer in Meggen muss weiter weg von der Wohnhäusern – obwohl er wesentlich länger da steht als dieselbigen. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2019)

Es sei ein tragischer Fall, heisst es beim Kanton Luzern. Aber ändern lasse sich leider nichts. Bis im Mai 2020 muss der Megger Biobauer Kaspar Hofer für seine 20 Schweine einen neuen Stall an einem anderen Standort bauen. Der jetzige liege zu nah an der Wohnsiedlung. 58 Meter müsste der Abstand gemäss geltenden Richtlinien betragen – 40 Meter mehr als heute.

Hofer selber hat Mühe, das nachzuvollziehen. Der Schweinestall steht, wo er schon immer stand. Auch am Abstand zur Siedlung hat sich nichts geändert. Der einzige Unterschied: Sein neuer Nachbar hat 2013 eine grosse Villa bauen lassen und stört sich am Gestank. Im Sommer 2016, kurz nach dessen Einzug, haben die Probleme begonnen. Nun bangt Hofer um seine Existenz, weil er sich den Bau eines neuen Stalls nicht leisten kann. Hoffnung gibt ihm einzig die laufende Spendenaktion: Nach wenigen Tagen sind 40'000 Franken zusammengekommen. Doch Hofer braucht mindestens 1 Million.

Was der Landwirt am wenigsten versteht: 1996 hat er auf Bio-Betrieb umgestellt. Damals gab es die Richtlinien für den Abstand zwischen Bauernhöfen und Wohnzonen bereits. Hofer sagt:

«Der Betrieb wurde so bewilligt, es gab keine Probleme.»

2010 wurden die Abstände in die eidgenössische Luftreinhalteverordnung aufgenommen und sind seither verbindlich.

Die Gemeinde Meggen will Hofer bei der Suche nach einer neuen Lösung helfen (wir berichteten). Gemeindepräsident Urs Brücker (GLP) will den Biobauern in den nächsten Tagen treffen, um mit ihm die Möglichkeiten auszuloten. Brücker sieht «mehrere mögliche Ansätze», wie er auf Anfrage sagt. Einerseits besitze die Gemeinde Landwirtschaftsland, welches man allenfalls in die Diskussion einbringen könnte. Er sagt:

«Wir wollen auch prüfen, ob für den Hof ein anderes Betriebskonzept denkbar wäre. Er hat ja nicht nur Schweine.»

Brücker denkt auch an Angebote wie Agrotourismus. Der Vorteil eines touristischen Angebots liegt auf der Hand: Damit wäre das Problem mit den stinkenden Schweinen gelöst. Passen Schweinezüchter nicht mehr zur steuergünstigen Seegemeinde mit ihren vielen vermögenden Einwohnern? «Das würde ich so nicht sagen», wiegelt Brücker ab. Er gesteht aber ein, dass das Konfliktpotenzial durch das starke Siedlungswachstum in der Gemeinde gestiegen ist und Hofer an einem anderen Standort wieder Probleme mit dem Stall bekommen könnte. «Die Situation ist für Bauern in der Agglomeration allgemein schwierig», so der Gemeindepräsident. Allerdings hätten auch Bauern ihren Beitrag dazu geleistet, weil sie Grundstücke als Bauland verkauft und so das Siedlungswachstum ermöglicht hätten.

Über das Hilfsangebot mag sich Kaspar Hofer nicht recht freuen. Er zweifelt daran, dass es dem Gemeindepräsidenten wirklich ernst ist: «Der Gemeinde wäre es am liebsten, wenn wir Bauern nur noch Landschaftsgärtner ohne Tiere wären», sagt Hofer. Noch nie habe er Unterstützung von der Gemeinde erhalten. Er fühle sich je länger je weniger willkommen:

«Die Gemeinde will reiche Einwohner und die haben nun mal andere Ansprüche.»

Da bleibe kein Platz mehr für Landwirte. «Vor 40 Jahren gab es im Dorf 25 Bauern. Heute sind wir noch sechs – die Hälfte davon hat mit Problemen zu kämpfen.» Insbesondere die Regelung zu den Abständen zwischen Hof und Siedlung dürfte noch für weitere Bauern böse Überraschungen bringen. Stand 2016 gab es im Kanton Luzern 4652 Landwirtschaftsbetriebe. Gemäss Angaben des Kantons befinden sich rund 10 Prozent der Bauernhöfe in Siedlungsnähe. «Es ist davon auszugehen, dass die Thematik von Geruchsemissionen bei einigen dieser Betriebe besteht», schreibt Judith Setz, Sprecherin beim Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement auf Anfrage. Der Fall Hofer ist wohl kein Einzelfall, sondern eher ein Exempel für die Probleme der Bauern in der heutigen Zeit.

Bauernverband: Probleme dürften zunehmen

Dass das Nebeneinander schwieriger wird, bestätigt Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands. «Wir stellen fest, dass das Verständnis gegenüber Landwirten abnimmt. Das betrifft vor allem Gegenden, die aufgrund ihrer Lage und der Steuersituation Wohlhabende anziehen.» Heller geht davon aus, dass die Probleme wegen des Siedlungsdrucks noch weiter zunehmen werden. Und oftmals würden die Regeln zu Lasten der Bauern ausgelegt. «Da sind auch politische Interessen im Spiel. Wer der Gemeinde mehr Geld einbringt, hat die besseren Karten.»

Dabei müssten die Regeln für alle gelten, findet Heller. Sprich: Es sollte beispielsweise verboten sein, direkt neben einem bestehenden Bauernhof zu bauen, wie dies in Meggen der Fall war. Doch dies lässt das Gesetz heute zu. Klagen die Nachbarn dann über den Gestank, muss der Bauer Geld in die Hand nehmen, um den Stall zu verlegen. Eine gibt es nicht. Heller fordert: «Das Thema Gleichbehandlung muss zwingend diskutiert werden.»