Kanton Luzern sucht Rezept gegen Ärztemangel auf der Landschaft

Ausserhalb der Städte und Agglomerationen praktizieren schon heute wenig Hausärzte – und viele stehen vor dem Pensionsalter. Besonders akut ist das Problem in der Region Willisau. Ein Podium zeigte mögliche Lösungsansätze auf.

Alexander von Däniken
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Hausarzt Manfred Wicki im Gespräch mit einer Patientin. Bild: Pius Amrein (Willisau, 3. September 2018)

Hausarzt Manfred Wicki im Gespräch mit einer Patientin. Bild: Pius Amrein (Willisau, 3. September 2018)

Die medizinische Grundversorgung im Kanton Luzern schwächelt: Rund 60 Prozent der Hausärzte stehen kurz vor dem Pensionsalter. Genügend Nachwuchs ist nicht in Sicht. Das Anfang 2014 gegründete Institut für Hausarztmedizin verzeichnet zwar erste Erfolge; sie dürften aber nicht reichen. Ausserdem will der Kanton mit dem Medizinmaster der Uni Luzern den Hausarztmangel entschärfen. Doch ob die Absolventen dereinst eine Praxis eröffnen, ist unklar.

Klar ist, dass das Problem in ländlichen Gebieten akuter ist als in der Stadt. Das wurde gestern auch in Willisau deutlich. «Wanted: Hausärzte». So hiess die Podiumsveranstaltung, welche von der Arbeitsgruppe Alterspolitik Region Willisau und dem Mehrzweckverband Luzern West organisiert wurde. 200 Interessierte sorgten für einen vollen Saal in der Schlossschür. Sie bekamen von Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) zuerst eine politische Diagnose zu hören. «Das Durchschnittsalter der Grundversorger ist in der Region Willisau deutlich höher als andernorts.» Nämlich rund 56 Jahre gegenüber beispielsweise 52 in der Region Hochdorf.

Vier mal mehr Einwohner pro Arzt als in der Stadt

Umgekehrte Welt bei der Versorgungslage: In der Region Willisau entfallen auf einen Hausarzt viermal mehr Einwohner als in der Stadt Luzern. «Wir haben ein Verteilproblem zwischen Stadt und Land», resümierte Graf. Ein Verteilproblem gebe es aber auch zwischen Allgemeinmedizinern und Spezialisten. Von Letzteren gebe es genügend. Das habe mit höheren Arbeits- und Präsenzzeiten und tieferen Löhnen bei den Hausärzten zu tun. Aber auch mit dem vermehrten Bedürfnis von Frauen und Männern, Teilzeit zu arbeiten.

Die Rezepte des Kantons sind – neben den eingangs erwähnten: ein Praxisassistenzprogramm, eine Erleichterung des Notfalldienstes durch die Regionalspitäler und die Förderung von Gruppenpraxen.

Guido Graf kündigt Pilotversuch an

Das nächste Rezept deutete der CVP-Regierungsrat nur an: «Wir werden bald einen Pilotversuch starten und auf der Landschaft Hausärzte installieren, welche hauptsächlich als Drehscheibe für Patienten fungieren.»

Manfred Wicki betreibt in Willisau seit 25 Jahren eine Hausarztpraxis. «Eine eigene Praxis ist anstrengend, hat aber auch Vorteile; etwa die Nähe zur Familie und die Konstanz», sagte Wicki beim anschliessenden Podiumsgespräch. «Aber ich werde bald in eine Praxisgemeinschaft wechseln.» Vorteil: mehr Flexibilität. Diese will auch Adrian Küng nicht mehr missen. Der Hausarzt wechselte schon vor Jahren in ein Ärztezentrum nach Zell.

«Es wurde mir überall der Teppich ausgerollt.»

Hausärztin Gabriela Rohrer

Was passiert, wenn ausnahmsweise junge Hausärzte auf dem Land eine Praxis eröffnen? «Es wurde mir überall der Teppich ausgerollt», sagte die 35-jährige Hausärztin Gabriela Rohrer aus Flühli. Ob es bei Andrea Roth auch so weit kommt? Die Medizinstudentin aus Zell zögerte bei der entsprechenden Frage.

Der Hausärztemangel auf der Landschaft hat laut Gabriela Rohrer nicht mit der Lohnfrage zu tun: «Man hat den Mangel schlicht verschlafen.» Manfred Wicki stimmte dem nur teilweise zu. Vielmehr würden die Hausärzte zunehmend von Ökonomen bedrängt. Adrian Küng und Andrea Roth bemängelten, dass die Hausarztmedizin in den Unis lange ein Schattendasein fristete. Einig waren sich die Beteiligten darin, dass Gruppenpraxen gegen Hausarztmangel helfen können – solange sie nicht zu gross sind. Auch Beiträge der öffentlichen Hand könnten helfen.

GESUNDHEIT: Neuer Plan gegen Ärztemangel

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Maja Briner