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AGROTOURISMUS: Bauernhof-Ferien werden ausgefallener

Erholung auf dem Land ist gefragt, die Nachfrage nach Übernachtungen auf Bauernhöfen steigt. Landwirte lassen sich im Bereich Agrotourismus einiges einfallen, denn auch die Ansprüche der Gäste sind gestiegen.
Susanne Balli
Bäuerin Karin Wechsler vor ihrem gut gebuchten Baumhotel. (Bild: Philipp Schmidli (Neuenkirch, 19. Juni 2017))

Bäuerin Karin Wechsler vor ihrem gut gebuchten Baumhotel. (Bild: Philipp Schmidli (Neuenkirch, 19. Juni 2017))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Schlafen im Stroh war einmal. Zwar gibt es im Kanton Luzern nach wie vor viele Anbieter dafür. Wer aber auf einem Bauernhof nächtigen will, hat heute eine breite Auswahl. Neben den Klassikern wie Schlafen im Heu sowie Zimmer und Ferienwohnungen gibt es mittlerweile auch ausgefallenere Übernachtungsmöglichkeiten. Übernachten im alten Spycher, im Baumhaus, im Hamster- oder im Bienenhäuschen: Das ist alles möglich.

Auf ein Übernachtungserlebnis der besonderen Art setzt etwa die Familie Wechsler aus Neuenkirch. Sie hat 2012 das Wurzelbaumhaus eröffnet. Für 130 Franken pro Person inklusive Frühstück können zwei Personen darin übernachten. Das Baumhaus verfügt unter anderem über Bodenheizung, Badezimmer und Balkon mit Loungemöbel (www.wurzelbaumhaus.ch). Das Angebot ist in der Zentralschweiz einzigartig. Etwas Ähnliches, allerdings nicht in der Landwirtschaftszone, gibt es zum Beispiel in Le Locle NE. «Das Baumhaus ist bei den Gästen sehr beliebt, die Wochenenden sind bereits ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht», sagt Bäuerin Karin Wechsler.

Ein anderes Beispiel ist die Familie Felder aus Finsterwald. Auf der Alp Stillaub, 1050 Meter über Meer, können Gäste wählen zwischen Schlafen im Indianer-Tippi oder auf einem Strohbett im 200 Jahre alten Spier. Beide Varianten kosten mit Frühstück pro Person 50 Franken. Felders betreiben auch eine Lamazucht und bieten Lamatrekking im Sommer wie im Winter an ( www.stillaub.ch ).

Auch die Familie Meyer aus Rippertschwand in Neuenkirch will den Gästen ein besonderes Erlebnis bieten. Neben zwei Gästezimmern kann man seit zwei Jahren auch im Hamsterhüsli schlafen – einem Doppelschlafzimmer, das auf einen alten Hamster-Ladewagen aufgebaut ist. Eine Übernachtung mit Frühstück im Hamsterhüsli ist für 60 Franken pro Person zu haben (www.meyerisli.ch).

Landwirte brauchen gute Ideen und Konzepte

Im Agrotourismus hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Ferien auf dem Bauernhof sind beliebter denn je (siehe Kasten). «Die Ansprüche der Gäste sind tendenziell gestiegen. Sie suchen etwas Spezielles und wollen die Kombination von Übernachten und Erlebnis», sagt Andrea Bieri, Expertin für Agrotourismus und Paralandwirtschaft am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Schüpfheim. Bieri berät Bäuerinnen und Bauern, die sich für Agrotourismus interessieren. «Wer frisch in diesem Bereich einsteigen will, braucht ein gutes Konzept und spezielle Ideen. Für Ferienzimmer sowie -wohnungen auf dem Bauernhof oder Schlafen im Stroh gibt es bereits genügend Anbieter.» Meistens werde Agrotourismus mit Direktvermarktung ab Hof kombiniert, oder aber mit speziellen Anlässen. Teilweise würden ganze Packages angeboten. «Auch Wellness ist ein Thema», so Bieri.

Um im Agrotourismus Fuss zu fassen, ist laut Bieri neben einem überzeugenden Konzept ein langer Atem nötig. «Man muss mit einer Aufbauphase von zirka drei Jahren rechnen.» Es werde in dieser Zeit nicht sofort zusätzliches Einkommen erwirtschaftet. «Auch die Gesetzgebung weist einen in die Schranken», sagt Andrea Bieri. 200 Quadratmeter bestehende oder 100 Quadratmeter neue Räumlichkeiten dürfen für agrotouristische Zwecke genutzt werden.

Das heisst: Bestehende Ferienwohnungen können Landwirte den Gästen zwar anbieten. Ferienwohnungen auf dem Bauernhof inklusive Küchen neu zu bauen, ist aber nicht möglich, wie Rita Barth, Präsidentin der Geschäftsstelle Ferien auf dem Bauernhof, sagt. «Dafür bräuchte es eine Anpassung des Raumplanungsgesetzes», erklärt die Landwirtin. Der Vorteil von Ferienwohnungen sei, dass man diese während des ganzen Jahres anbieten könne. Speziellere Übernachtungsmöglichkeiten seien hingegen auch für die Werbung gut, sagt sie.

«Tiere reichen als Attraktion nicht mehr»

Die Bäuerin betreibt in einer Generationengemeinschaft den Feierlenhof in Altnau TG. Neben drei Ferienwohnungen kann man neuerdings in einer transparenten Glaskugel, im so genannten «Bubble Hotel», inmitten von Obstbäumen übernachten. Barth bestätigt, dass die Ansprüche der Gäste gestiegen sind: «Tiere reichen als Attraktion nicht mehr. Gefragt ist heute eine breite Infrastruktur, zum Beispiel mit Brätelstelle, Spielplatz und Pool.»

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