Tourismus
Luzerner Stadtrat fordert: Maximal zwei Prozent der Wohnungen dürfen für Airbnb & Co. genutzt werden

Der Stadtrat präsentiert ein neues Modell, um kommerzielle Kurzzeitvermieter in Schranken zu weisen. Die SP hat derweil noch radikalere Forderungen.

Sandra Monika Ziegler
Merken
Drucken
Teilen
Die beiden Hochhäuser auf der Allmend: Hier gibt es besonders viele Kurzzeit-Mietwohnungen.

Die beiden Hochhäuser auf der Allmend: Hier gibt es besonders viele Kurzzeit-Mietwohnungen.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 15. Januar 2020)

Maximal zwei Prozent aller Wohnungen eines Quartiers sollen zur «kommerziellen Kurzzeitvermietung» zugelassen werden können. Das will der Luzerner Stadtrat, wie er in der Antwort auf eine SP-Motion schreibt. Unter die neue Regel sollen Wohnungen fallen, die an mehr als 90 Tagen pro Jahr an Touristen vermietet werden. Gleichzeitig soll die Um- oder Neunutzung einer Wohnung für Airbnb oder ähnliche Angebote bewilligungspflichtig werden.

Die Stadtluzerner Baudirektorin Manuela Jost erklärt, man wolle die Änderungen im Rahmen einer Ortsplanungsrevision (BZO) umsetzen. Diese soll voraussichtlich im März 2021 dem Kanton zur Vorprüfung vorgelegt werden. Die geplante Regulierung würde dann ab dem Zeitpunkt der öffentlichen Auflage der BZO gelten, welche im Jahr 2022 vorgesehen ist.

In der Altstadt ist die Grenze bereits erreicht

Die Zwei-Prozent-Regel hätte insbesondere Auswirkungen auf die Luzerner Altstadt. Hier ist diese Grenze nämlich schon heute überschritten. Ab 2022 dürften demnach keine zusätzlichen Wohnungen oder Gebäude zur professionellen Kurzzeitvermietung umgenutzt werden. Bis dahin wäre es aber noch erlaubt, und danach gäbe es eine Bestandesgarantie.

Auch im Gebiet Obergrund/Allmend sind bereits heute mehr als zwei Prozent der Wohnungen kurzzeitvermietet. Dies ist vor allem auf die entsprechenden Angebote in den Allmend-Hochhäusern zurückzuführen. Der Stadtrat hält dabei fest, dass die Pläne für die beiden Hochhäuser gemäss damaligem Bericht und Antrag von Anfang an einen Anteil an Kurzzeitvermietungen vorsahen. Das soll auch weiterhin so bleiben – deshalb will der Stadtrat die Allmend explizit von der Regel ausnehmen.

In den Quartieren Dreilinden, Wesemlin, Hirschmatt und Kleinstadt liegt die «Airbnb-Quote» nahe bei zwei Prozent. In den übrigen Quartieren wie etwa im Würzenbach könnte ein «massvoller» Anstieg noch stattfinden, so der Stadtrat. Motionäre wie Stadtrat sind sich einig, dass die Angebote in der Landwirtschafts- und Tourismuszone von den Regeln ausgenommen sind.

SP fordert noch viel stärkere Regulierung

Die SP will mit ihrer Motion allerdings wesentlich weiter gehen als der Stadtrat. So sollen Angebote wie Airbnb & Co. grundsätzlich nur während maximal 90 Tage pro Jahr erlaubt sein. Doch das wäre gemäss Stadtrat ein zu grosser Eingriff ins Eigentum der jeweiligen Anbieter. Im Endeffekt würde dies nämlich bedeuten, dass die Wohnung während der restlichen 275 Tage im Jahr leer steht. Somit wären Kurzzeitvermietungen wirtschaftlich kaum noch rentabel. Der Stadtrat will solche Angebote denn auch nicht grundsätzlich unterbinden, sondern eine massvolle Entwicklung ermöglichen. Dazu eigne sich die Zwei-Prozent-Regel am besten.

«Airbnb nimmt den Schutz von Wohnraum sehr ernst»

Airbnb-Sprecherin Kirstin MacLeod nimmt zu den Plänen der Stadt Luzern wie folgt Stellung: «Airbnb nimmt den Schutz von Wohnraum sehr ernst. Wir befürworten faire und verhältnismässige Homesharing-Regeln in der Schweiz, damit Gastgeber ihr Zuhause mit Reisenden teilen können. Hierzu arbeiten wir mit den Kantonen, Gemeinden und Tourismusorganisationen in der Schweiz zusammen. Die Einnahmen, die Gastgeber auf Airbnb erzielen, kommen direkt der Wirtschaft vor Ort zugute und können einen Beitrag zur Erholung des Tourismus leisten. Seit letztem Jahr ziehen wir als als erste Plattform bei Buchungen die Tourismusabgaben automatisiert bei den Gästen ein und führen sie im Namen der Gastgeber an Luzern Tourismus ab.»