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Akku Emmen richtet sich neu aus

Weil es finanziell nicht reicht, geht die Kunstplattform über die Bücher und muss nächstes Jahr sparen – auch beim Programm.
Beatrice Vogel
Auch die Hochschule Luzern – Design & Kunst stellte schon in Akku-Räumen aus. (Bild: Philipp Schmidli, Emmenbrücke, 29. März 2019)

Auch die Hochschule Luzern – Design & Kunst stellte schon in Akku-Räumen aus. (Bild: Philipp Schmidli, Emmenbrücke, 29. März 2019)

Seit zehn Jahren zeigt die Akku Kunstplattform Ausstellungen in der Viscosistadt. Von der Gemeinde Emmen hat Akku den Auftrag, Zentralschweizer Kunstschaffende zu fördern. Darüber hinaus bietet die Plattform ein Kinderatelier an. Die Kurse sind so beliebt, dass sie regelmässig ausgebucht sind. Auch ein pädagogischer Auftrag für Schulen wird umgesetzt.

Doch das Geld reicht nicht, teilt die Stiftung Akku Emmen mit. Sowohl der Ausstellungsbetrieb als auch das Kinderatelier seien defizitär. «Es braucht Gegensteuer. Denn es fällt kein Manna vom Himmel und den Besuch der reichen alten Dame gibt’s nur im Theater», sagt Geschäftsführer Karl Bühlmann. Konkret bedeutet das: Die Ausgaben belaufen sich derzeit auf 550'000 bis 600'000 Franken pro Jahr, ein Drittel davon muss eingespart werden – also rund 200'000 Franken.

Interesse an Ausstellungen hat nachgelassen

Der Stiftungsrat hat der Kunstplattform deshalb für 2020 ein «Programm light» und ein Sparbudget verordnet. Ausstellungen und Veranstaltungen werden reduziert. Auch beim Personal wird abgebaut. «Wir kommen nicht darum herum, Pensen zu kürzen, abzubauen, neu aufzuteilen oder aufzustellen. Es ist leider so, dass Einsparungen überall notwendig sind», sagt Bühlmann.

Die Gründe für die Finanzprobleme sind laut dem Stiftungsrat vielfältig: Das Interesse an Ausstellungen und der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst habe generell nachgelassen, Emmerinnen und Emmer habe man nur teils für Besuche im Akku begeistern können, für Besucher aus der weiteren Umgebung liegt es nicht am Weg.

Die Akku Kunstplattform hat einen hohen Qualitätsanspruch. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Ist sie zu elitär? «Nein», sagt Stiftungspräsident Thomas Willi. «Aber es ist eine Tatsache, dass Kunst ein Nischenangebot ist und nicht alle interessiert.» Derweil sind die Einnahmen bescheiden: Über Eintritte beispielsweise werden lediglich rund 5000 Franken pro Jahr eingenommen, viele Besucher profitieren von Gratiseintritten.

Gemeindebeiträge gehen zurück

Auch die Beiträge der öffentlichen Hand sowie Sponsorengelder sind zurückgegangen. Die Gemeinde Emmen unterstützte Akku anfangs mit jährlichen Beiträgen über 200'000 Franken, später mit 150'000 Franken. 2017 hat der Einwohnerrat beschlossen, die Beiträge weiter – jährlich um 10'000 Franken – zu reduzieren. Aktuell liegen sie bei 140'000 Franken (wir berichteten). Karl Bühlmann: «Zwei Drittel des Gemeindebeitrages gehen allein für die Mietkosten drauf.» Diese seien neben den Personalkosten die höchsten Ausgaben. Der Rest ist variabel und hängt vom Ausstellungskonzept ab.

«Wir erwarten, dass die Gemeinde Emmen die Unterstützung ab 2022 ganz einstellen könnte. Darauf müssen wir heute reagieren», sagt Thomas Willi und fasst zusammen: «Akku bietet ein reiches Angebot, das sich an alle richtet. Wir haben aber erkannt, dass es zu wenig genutzt wird. Deshalb wollen wir neue Angebote und eine neue Trägerschaft prüfen.»

Arbeitsgruppe überprüft das Angebot

Neben dem Sparbudget setzt der Stiftungsrat ab diesem Sommer eine Arbeitsgruppe ein, die erörtern soll, ob und in welcher Form eine Plattform für zeitgenössische Kunst betrieben und finanziert werden kann. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von Gemeinderat Brahim Aakti (SP). Er übernimmt die Aufgabe von Amtes wegen, aber auch aus persönlichem Interesse, wie er sagt: «Es ist mir und dem Gemeinderat ein grosses Anliegen, dass Akku weiterlebt.»

In der Arbeitsgruppe sollen verschiedene Perspektiven vereint werden: aus Emmen und von ausserhalb, von Kunstschaffenden oder auch von Ökonomen. «Wir gehen der Frage nach, was im Akku Platz haben soll, welches Publikum angesprochen werden und was der Qualitätsanspruch sein soll», so Aakti. Das Kinderatelier, das Raumangebot und der Standort werden ebenfalls überprüft. Auch Zusammenarbeiten werden in Betracht gezogen, so mit der Volksschule, der Hochschule Luzern – Design & Kunst oder dem Tramhüsli. Laut Aakti soll bis spätestens Mitte 2020 ein neues Konzept vorliegen.

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