Kommentar

Aktenzeichen Sport ungelöst: Bevor die 1000er-Grenze in Stadien fällt, braucht es ein Konzept für die Fantreffen in den Städten

Sportverbände, Klubs, Spieler und Fans machen Druck auf den Bundesrat: Im Fussball und Eishockey sollen in der neuen Saison mehr als 1000 Zuschauer in die Stadien und Arenen dürfen. So berechtigt diese Forderung aus wirtschaftlichen Gründen auch ist, ein zentraler Punkt ist bislang noch gar nicht diskutiert worden.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben

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Bild LZ

Existenzängste in den Topligen der grossen Publikumssportarten Fussball und Eishockey: Dürfen in der neuen Saison trotz Pandemie mehr als die derzeit erlaubten 1000 Besucher in die Stadien und Arenen? Beim FC Luzern heisst es: «5000 bis 8000 Fans würden uns finanziell enorm helfen», in’s Stadion passen bis zu 17 000 Zuschauer. Auch der EV Zug setzt sich im Einklang mit den anderen Klubs, grossen Sportverbänden und Fans lautstark dafür ein, dass die 1000er-Grenze fällt.

Die Forderung ist berechtigt, weil zahlende Zuschauer für die Klubs existenziell sind. Und Schutzkonzepte in den Stadien wären wohl tatsächlich sauber umsetzbar. Der Bundesrat hat bereits durchblicken lassen, dass man für Grossveranstaltungen eine «differenzierte Lösung» finden müsse.

Bloss fehlt in dieser seit Tagen heiss laufenden Diskussion ein ganz zentraler und bis dato ungelöster Punkt: Wie soll das vor und nach den Spielen in den Städten funktionieren? Die so wichtige Nachverfolgbarkeit von Personen ist hier kaum gewährleistet. Mehrere Tausend Zuschauer reisen innert kurzer Zeit an und ab. Und es treffen sich bekanntlich grosse Fangruppen vorher und nachher in und um die einschlägigen Lokale. Die Klubs sind für die Sicherheit in den Stadien und in unmittelbarer Umgebung zuständig. Für alles andere fühlen sie sich kaum verantwortlich, wir kennen das aus den Debatten um Chaotentum und Vandalismus. Ergo: So lange es für diese Fragen keine praktikablen Lösungen gibt, wäre eine grössere Öffnung der Sportstadien fahrlässig.

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