Aktenzeichen XY ungelöst

Einblicke

Werner Keiser, dipl. Übersetzer
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Werner Keiser

Werner Keiser

Ältere Generationen erinnern sich bestimmt an diese ZDF ORF SRG – Sendung, sehr beliebt in den Siebziger Jahren. Auch meine Mutter liess sich diese selten entgehen, mit der Nebenwirkung, vor dem Schlafengehen immer unters Bett zu schauen. Der deutsche Moderator Eduard Zimmermann, alias «Ganoven-Ede», zugeschaltet Podgorsky in Wien und Vetterli in Zürich sorgten jahrelang für diesen TV-Strassenfeger.

Im Institut Catholique Neuchâtel, wo wir Schüler nur französisch sprechen durften, erlaubten uns die Frères ausnahmsweise, das wohlige Gruseln an der Glotze reinzuziehen. Stoff für einen bunten Abend, wo die Sendung inklusive Kulisse fast in echt nachgespielt wurde. Ein dicklicher Mitschüler als Zimmermann, der Sohn von Kneissl Ski, schon damals über ein beneidenswertes Taschengeld verfügend, mimte den ORF-Mann, und ich meinen Namensvetter Werner Vetterli.

Heute würde sich die Sendung etwa so anhören: «Und nun zum nächsten Fall: Seien Sie auf spanischen Autobahnen auf der Hut. Besonders Fahrzeuge mit Schweizer Nummernschildern haben eine gewisse Anziehungskraft. Gibt Ihnen zum Beispiel ein Beifahrer eines dunkelblauen VW-Polos mit Dortmunder Kennzeichen ein Zeichen, mit Ihrem Auto sei etwas nicht in Ordnung, fahren Sie nicht rechts ran, um sich den «defekten» Hinterreifen zeigen zu lassen. Just in den wenigen Sekunden der Ablenkung wird sich sein Komplize ihre Tasche inklusive Pass und Geld aneignen. Und vor allem: bedanken Sie sich nicht bei dem «hilfsbereiten» Herren, wenn diese mit der Beute davonbrausen.

Den Trickdiebstahl würden Sie nämlich erst später beim nächsten Halt realisieren. Auch müssten Sie bei der Beschaffung des Polizei-Rapports eine Engelsgeduld aufbringen. Erstens wären Sie nur einer von -zig Touristen, die sich über den Tisch haben ziehen lassen und in Spanien ist Freund und Helfer ein dehnbarer Begriff. Zum nächsten Fall ...!»

Das Ganze hat aber auch sein Gutes. Manchmal fliegen Themen für eine Kolumne einfach so in die Schreibstube und treue Leserinnen und Leser kommen in den Genuss eines Lehrstücks, das vor kurzem seinen Anfang auf einer vielbefahrenen «Autopista» im Ballungsgebiet Barcelona nahm.

Gibt es doch Schlimmeres auf dieser Welt!