AKTION: Fahrt für Fahrt eine gute Tat

Noch bis und mit Silvester sind die Fahrer von Nez Rouge unterwegs. Viele melden sich jedes Jahr erneut zum freiwilligen Dienst – aus verschiedenen Gründen.

Martina Odermatt
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Oben: Die Zentrale von Nez Rouge im Strassenverkehrsamt. Unten links: Die beiden Fahrer Roger Hofmann (links) und Jean-Pierre Steiger rücken aus. Unten rechts: Markus Amrhein nimmt als Erster die Dienste von Nez Rouge in Anspruch. Bilder: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2016)

Oben: Die Zentrale von Nez Rouge im Strassenverkehrsamt. Unten links: Die beiden Fahrer Roger Hofmann (links) und Jean-Pierre Steiger rücken aus. Unten rechts: Markus Amrhein nimmt als Erster die Dienste von Nez Rouge in Anspruch. Bilder: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2016)

«Nimm etwas zu trinken und zu essen mit, man weiss nie, wann man wieder in die Zentrale zurückkehrt», sagen mir Jean-Pierre Steiger (42) und Roger Hofmann (45), als sie am Freitag ihren ersten Auftrag erhalten. Sie sind eines von insgesamt 15 Zweierteams der Aktion «Nez Rouge», die fahruntüchtige Personen nach Hause bringt.

Es ist halb elf Uhr. Jean-Pierre und Roger – bei Nez Rouge ist man per Du – verlassen die Zentrale beim Strassenverkehrsamt. «Wir waren schon hie und da zusammen unterwegs», erinnern sie sich. Ihren ersten Nez-Rouge-Einsatz hatten beide vor Jahren. Wann genau, wissen sie nicht mehr. «Nach meiner Scheidung wusste ich nicht recht, wie ich die Festtage verbringen soll. Also habe ich mich als Fahrer gemeldet und bei Nez Rouge eine zweite Familie gefunden», sagt Jean-Pierre. «Die Wertschätzung, die man hier erfährt, ist unglaublich. Zu später Stunde wird zuerst gefragt ‹Möged ehr no?›, bevor der nächste Auftrag erteilt wird», sagt er. Das motiviere ihn, Jahr für Jahr wieder zu helfen. Und er ist nicht allein: 2015 meldeten sich rund 500 Freiwillige und chauffierten in über 900 Fahrten über 2000 Personen nach Hause.

Doch warum gibt man seine Nächte her? «Um fahruntüchtige Menschen von der Strasse zu holen. Und auch wegen der Kameradschaft», sagt Jean-Pierre.

Jeder Auftrag wird ausgeführt

Beim Parkhaus Kesselturm wartet Markus Amrhein (51). Er hatte beim Geschäftsessen etwas Wein getrunken. «Ich bin auf den Fahrausweis angewiesen, ich bin Chauffeur. Deshalb habe ich für die Heimfahrt nach Sursee spontan Nez Rouge angerufen», sagt er und überreicht Roger die Schlüssel seines Autos. Ohne den Fahrdienst hätte er das Auto im Parkhaus gelassen und wäre mit dem Zug nach Hause gefahren. Nun kann er es am nächsten Tag bequem aus der Garage fahren.

Roger und Jean-Pierre melden der Zentrale, dass ihr Auftrag beendet ist. Zurück im Strassenverkehrsamt hat sich die knallig orange Cafeteria, die als Zentrale dient, geleert. Nur ein Team ist anwesend. Es dauert nicht lange, bis dieses zum nächsten Auftrag beordert wird. Prinzipiell werde jeder Anruf, der bis 4 Uhr morgens entgegengenommen werde, auch ausgeführt, sagt Ferdinand Ottiger, Präsident von Nez Rouge Luzern. «Es kam schon vor, dass wir jemanden am selben Abend drei Mal gefahren haben», sagt er. Doch das sei die Ausnahme.

Der Service von Nez Rouge ist kostenlos. Freiwillige Spenden gehen heuer ans Haus Magdalena, eine Mutter-Kind-Institution in Schattdorf. Um die Dienste von Nez Rouge in Anspruch nehmen zu können, muss der Abfahrtsort in den Kantonen Luzern, Ob- und Nidwalden oder Uri liegen. So weit geht es für Jean-Pierre und Roger heute Nacht nicht. Nach einer halben Stunde Aufenthalt in der Zentrale wartet ihr nächster Kunde in Ebikon. Seine Guuggenmusig-Probe habe ein feucht-fröhliches Ende genommen, sagt Beat Wenk (32). «Nach dem zweiten Glühwein war für mich klar, dass ich nicht mehr selber nach Hause fahre.» Roger und Jean-Pierre bringen ihn sicher nach Reussbühl. Es vergeht keine Minute, bis das Telefon wieder klingelt. Drei Fahrten werden die beiden am Freitag ausführen. Ein Durchschnittswert.

Um halb drei ist der grösste Ansturm vorbei, die Zentrale füllt sich wieder. Die Fahrer jassen – nach Hause wollen die wenigsten, es könnte ja noch ein Anruf kommen. Und prompt: Als sich die meisten verabschieden, klingelt um 3.50 Uhr ein letztes Mal das Telefon. Es geht nach Hohenrain. Ehrensache, dass zwei Fahrer diesen Auftrag noch annehmen.

Hinweis Nez Rouge erreichen Sie unter Tel. 0800 802 208. Infos unter www.nezrouge-luzern.ch

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2016)

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2016)

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2016)

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2016)