AKTION: Verkleidet repariert er Kaputtes in Luzern

An der Fassade des KKLs in Luzern hängt ein Transparent mit der Aufschrift «Free Repair» und einer Natelnummer. Am anderen Ende nimmt ein – vermeintlicher – Handwerker ab.

Drucken
Teilen
Roland Roos bei einer seiner Reparaturen. (Bild zVg)

Roland Roos bei einer seiner Reparaturen. (Bild zVg)

«079 379 13 11»: Unter dieser Nummer meldet sich Roland Roos. Auf «Free Repair» angesprochen, stellt sich rasch heraus, dass es sich dabei um eine Kunstaktion handelt, was angesichts des Aufhängeortes ja auch nicht sonderlich überrascht (siehe Bild unten; Dave Schläpfer/Zisch).

320 Franken für eine Reparatur
Mit seinem momentan in der «Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen 2009» im im KKL beheimateten Kunstmuseum vorgestellten Projekt verfolgt der in Luzern aufgewachsene und jetzt in Zürich wohnende Künstler ein nicht gerade alltägliches Ziel: Er sucht eigeninitiativ (oder aber eben per Auftrag über die angegebene Nummer) beschädigte Objekte auf und repariert diese. Die vorgefunden Situation wird jeweils fotografisch dokumentiert, ebenso der Zustand nach dem Eingriff. Das so entstandene Bildpaar bietet der 35-Jährige dann zum Verkauf an. Mit 320 Franken entspreche der Preis dem durchschnittlichen Material und Arbeitsaufwand einer Reparatur (zusammengesetzt aus 4 Stunden Arbeit à 60 Franken und 80 Franken Materialkosten).

Kann man Roland Roos jetzt also beispielsweise den Auftrag erteilen, das eigene kaputte Velo zu flicken? «Ich bin natürlich nicht einfach ein billiger Dienstleister, der anderen die Arbeit wegnimmt», stellt der Künstler klar. «Free Repair» bedeute neben dem Gratis-Aspekt eben auch, dass allein er bestimme könne, welche Aufträge er bereit sei anzunehmen und welche nicht. Instand gesetzt werden ausschliesslich Objekte im (halb-)öffentlichen Raum. Mit Vorzug solche, die schon längere Zeit defekt sind – und wenn dies bislang niemanden einen Deut gekümmert habe.

Bewilligungen nicht eingeholt
Wie etwa beim «Haus der Kantone» in Bern, wo Roos bei einer Inschrift einen fehlenden, goldenen Metall-«M» ersetzt hat (siehe Bildpaar unten; zVg). Ist das nicht heikel? «Ich kümmere mich nicht um Bewilligungen», gesteht Roos. «Das dauerte viel zu lange – sofern diese überhaupt erteilt werden würden.» Lieber schlüpft er selber in die Arbeitskluft und gibt sich als Handwerker mit offiziellem Auftrag aus. Das habe bis jetzt immer gut geklappt. «Niemandem ist je etwas aufgefallen», sagt er. «Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Passant zu mir gesagt hat: Endlich wird das mal repariert!»

In den letzten eineinhalb Jahren hat Roos im In- und Ausland 74 Arbeiten vorgenommen – alle auf seiner Website dokumentiert. In Luzern haben sich bislang erst zwei Leute auf seinen Aufruf gemeldet. Dieser Rücklauf sei aber schon OK: «Bevor man zum Telefon greift, besteht halt einfach schon eine gewisse Hemmschwelle.» In der nächsten Woche wird Roos während drei Tagen selber durch Luzern streifen, um das eine oder andere Reparurbedürftige ausfindig zu machen. Schliesslich will er es auf gesamthaft 100 Instandstellungen schaffen. Sein Projekt dauert voraussichtlich noch bis im März 2010; Ziel während seines Atelieraufenthalts in Warschau ab Januar ist die Fertigstellung einer Buchpublikation über «Free Repair».

Dave Schläpfer/Zisch