Umfrage zeigt: Die Luzerner Bevölkerung ärgert sich über Cars und will den Tourismus regulieren

Die Hochschule Luzern hat eine Bevölkerungsumfrage zum Thema Tourismus durchgeführt. Das Resultat: Grundsätzlich stehen die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Luzern diesem positiv gegenüber, doch sie üben auch viel Kritik.

Stefan Dähler
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Wie steht die Stadtluzerner Bevölkerung zum Tourismus? Was schätzt und stört sie an diesem? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Hochschule Luzern (HSLU) im Auftrag der Stadt eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Diese soll als Grundlage dienen für die Erarbeitung einer neuen städtischen Tourismusvision, die vom Parlament gefordert worden war. Am Dienstag wurden die Umfrageresultate den Medien präsentiert. «Diese zeigen, dass die Bevölkerung ein differenziertes Bild hat», sagte Finanzdirektorin Franziska Bitzi (CVP). «Sie sieht die Vorteile und wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus, aber auch Kritikpunkte.»

Für die Umfrage wurden 1530 Fragebögen ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Mehrheit der Bevölkerung dem Tourismus grundsätzlich positiv gegenübersteht. Dessen Bedeutung für die Stadt, etwa in wirtschaftlicher Hinsicht, wird als sehr gross eingestuft:

Folgende Punkte werden aber kritisch betrachtet: die Verkehrsprobleme, steigende Wohnungspreise, dass die Stadt eng und überlaufen sei und dass nur wenige vom Tourismus profitieren würden.

Gruppen sind unbeliebt

Grosse Unterschiede gibt es bei der Akzeptanz für jeweilige Gästegruppen: Für Individualreisende ist sie sehr hoch, für Gruppenreisende tief. Was die Herkunft angeht, sind vor allem Schweizer Gäste beliebt, gefolgt von Europäern und Nordamerikanern und zuletzt Asiaten.

«Ein Grund dafür könnte sein, dass Asiaten oft mit dem Gruppentourismus assoziiert werden», sagte Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft der HSLU. Diesen spezifischen Aspekt habe man aber nicht untersucht. Mit diesen Resultaten korrespondiert auch, dass der Cartourismus von 53 Prozent der Umfrageteilnehmer als eher bis sehr negativ eingeschätzt wird. «Cars sollen gemäss den Rückmeldungen künftig im Stadtbild weniger dominant sein.»

Zahl der Touristen ist den Befragten zu hoch

Bei einer weiteren Frage ging es um die gesamthafte Gästezahl. 54 Prozent finden, dass die «akzeptable Anzahl» an Touristen in der Stadt überschritten ist, in der Altstadt sind es gar fast 80 Prozent. «Es ist mehrheitlich keine weitere Zunahme der Touristenzahlen gewünscht», so Stettler.

Aus der Umfrage lasse sich aber nicht schliessen, dass explizit eine Abnahme der Gästezahlen in der Stadt gefordert wird. Massnahmen für eine Lenkung und Regulierung des Tourismus würden aber von 63 Prozent der Umfrageteilnehmer begrüsst. Auf grosse Zustimmung stiessen etwa eine Neuorganisation der Carparkierung inklusive einer Gebührenerhöhung, ein anderer Gästemix oder eine bessere räumliche beziehungsweise zeitliche Verteilung der Touristen.

Weiter gebe es je nach Wohnlage Unterschiede: Bewohner der Innenstadt sähen den Tourismus kritischer als jene in den Aussenquartieren. Allerdings sei auch dort keine Zunahme der Touristenzahlen erwünscht.

Ausmass der Coronakrise war noch nicht bekannt

Für die Umfrage verschickte die HSLU im Januar und Februar, basierend auf einer Zufallsstichprobe, 6779 Fragebögen an Personen mit Wohnsitz in Luzern. 1530 wurden ausgefüllt, was einer Rücklaufquote von 22,6 Prozent entspricht. «Für eine schriftliche Befragung ist das ein guter Wert», so Jürg Stettler. Das Resultat lasse nicht nur repräsentative Aussagen zur ganzen Stadt, sondern auch zu einzelnen Stadtteilen zu. Allerdings gelte es zu bedenken, dass die Umfrage durchgeführt wurde, bevor das Ausmass der Coronakrise klar war. Franziska Bitzi:

«Es handelt sich um eine Momentaufnahme vor der Pandemie.»

Für den Luzerner Stadtrat sei es noch zu früh, Massnahmen aus der Umfrage abzuleiten. «Wir sind froh, nun ein repräsentatives Bild zu haben», so Bitzi. Die Umfrageergebnisse würden in den Strategieprozess zur Tourismusvision einfliessen. Dieser musste zuletzt aufgrund der Coronakrise pausieren. Geplant ist nun, im Herbst Workshops mit sogenannten Stakeholdern durchzuführen – also Vertretern aus dem Tourismus, der Wirtschaft, Umweltorganisationen oder Quartiervereinen. Darauf aufbauend werde bis im Frühjahr 2021 die Vision entwickelt. Danach folgt bis voraussichtlich im Sommer 2021 das Umsetzungskonzept. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres soll dann das Stadtparlament darüber entscheiden können.