ALBERSWIL: Biohof backt nun grosse Brötchen

Sechs Jahre nach dem Startschuss öffnet das Megaprojekt Agrovision seine Türen. Erwartet werden am Wochenende im Burgrain 6000 bis 8000 Besucher.

Stephan Santschi
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Daniel Amrein (links) und sein Sohn Sven haben den 70 Tonnen schweren Holzbackofen auf dem Burgrain in Alberswil im Griff. (Bild Pius Amrein)

Daniel Amrein (links) und sein Sohn Sven haben den 70 Tonnen schweren Holzbackofen auf dem Burgrain in Alberswil im Griff. (Bild Pius Amrein)

Noch wird im Burgrain in Alberswil eifrig gearbeitet. Der Platz wird geteert, die Umgebungsarbeiten werden abgeschlossen, der Kinderspielplatz wird eingerichtet, die Gebäude erhalten den letzten Schliff. Wird das «Erlebnis Agrovision» am Wochenende tatsächlich bereit sein, um die Türen zu öffnen? «Das kann ich versichern», sagt Andi Lieberherr, Geschäftsführer der Agrovision Burgrain AG.

Bald herrscht Vollbetrieb

Der einstige Bauernbub aus dem Toggenburg ist in seinem Element. Verständlich, steht die Vision doch kurz vor der Verwirklichung. Vor sechs Jahren haben die Initianten erstmals über ihre Idee informiert – die Idee, auf den Grundstücken des ehemaligen Gutsbetriebs Burgrain ein Schaufenster der biologischen Landwirtschaft zu errichten. Einiges ist schon in Betrieb, am Mittwoch in einer Woche soll schliesslich der ganze Komplex seine Funktion aufnehmen.

Kosten: 9 Millionen Franken

Zum Areal zählen ein zertifizierter Milchwirtschaftsbetrieb, ein Geflügelstall für Bio-Elterntiere zur Produktion von Bruteiern, ein Obstgarten, eine Bio-Käserei, eine Bio-Holzofenbäckerei, ein Bio-Hofmarkt, ein Kleintierstall, ein Kinderspielplatz, ein Restaurant und ein Saal für Tagungen, Schulungen und Feste.

Auf dem Burgrain werden biologisch produzierte Rohstoffe aus der Landwirtschaft verarbeitet. Alles ist einsehbar, der Besucher kann den Ablauf von der Produktion über die Verarbeitung und Veredelung bis hin zur Vermarktung mitverfolgen. «Unser Projekt ist ein Modellbetrieb, den wir zur Nachahmung empfehlen. Wir wollen anderen landwirtschaftlichen Betrieben nachhaltige Perspektiven aufzeigen und damit einen Beitrag zur Förderung eines gesunden Bauernstandes leisten», sagt Hans Wey. Er ist der Präsident der Stiftung Agrovision Muri und damit der Vorsteher der Projektträgerin.

Die Aargauer Stiftung hat 9 Millionen Franken investiert. Ihr gehören die Grundstücke und die Betriebsgebäude, welche an verschiedene Unternehmer verpachtet wurden. Daniel Amrein, der Eigenbrötler aus Wauwil, betreibt beispielsweise das Schmuckstück, den 70 Tonnen schweren Holzbackofen, der Willisauer Koch Rafael Bölsterli leitet die Küche, Markus Stirnimann aus Luthern ist Pächter der Käserei, der Urner Peter Epp führt den Hofladen. «Pfeffer ins Projekt», wie es Hans Wey formuliert, brachte die Zürcher Architektin Pia Schmid, die vor allem dem Restaurant mit der Kombination von Tradition und Moderne Ausstrahlung verlieh.

«In fünf Jahren schwarze Zahlen»

Der Vertrieb der landwirtschaftlichen Produkte erfolgt über die Handelsplattform Regiofair, welche derzeit 90 Läden in der Zentralschweiz sowie in den Städten Zürich und Basel beliefert. «In fünf Jahren wollen wir mit Regiofair schwarze Zahlen schreiben», erläutert Stiftungspräsident Wey den Geschäftsplan. Ob der vielseitige Landwirtschaftsbetrieb, der seit 2010 mit der Knospe, dem Gütesiegel von Bio Suisse, ausgezeichnet ist, rentiert, muss sich also erst noch zeigen. «Im Durchschnitt wünschte ich mir 100 Besucher pro Tag, die hier essen», sagt Geschäftsführer Lieberherr. Am kommenden Wochenende zur Eröffnungsfeier dürften es deutlich mehr werden. «Wir erwarten 6000 bis 8000 Besucher», so Lieberherr.