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ALBERSWIL: In alte Mühle sollen Millionen gesteckt werden

Hotelbetten und grüner Strom für 26 Haushalte: Eine Gesellschaft hat grosse Pläne für die Steinermühle. Eine grosse Knacknuss gibt es.
Die Steinermühle in Alberswil ist baufällig. Nun wollen drei Unternehmer aus der Region Millionen in das 1865 erstellte Gebäude investieren. (Bild: Pius Amreih / Neue LZ)

Die Steinermühle in Alberswil ist baufällig. Nun wollen drei Unternehmer aus der Region Millionen in das 1865 erstellte Gebäude investieren. (Bild: Pius Amreih / Neue LZ)

Die Fassade bröckelt, das Gras wuchert: Die Steinermühle in Alberswil – unterhalb von Schloss Kastelen – ist heute eine Ruine. Dies will die Agrovision Burgrain AG ändern: Drei pensionierte Unternehmer möchten der alten Mühle neues Leben einhauchen. Eine frische Turbine soll das frühere Kraftwerk wieder in Gang setzen und jährlich Strom für rund 26 Haushalte produzieren.

Mit dem Wasser des Mühlekanals wollen die Initianten zudem die Mühle und dereinst auch die umliegenden Gebäude auf dem 36'000 Quadratmeter grossen Areal heizen. Das entsprechende Konzessions- und Baugesuch liegt gemäss Kantonsblatt bis zum 1. September öffentlich auf. «Unsere Pläne sind mit allen Instanzen abgesprochen. Wir sind zuversichtlich, dass das Projekt ohne Einsprachen über die Bühne geht», sagt Franz Schwegler, Präsident der Agrovision Ressourcen AG.

«Meilenstein» eines Grossprojekts

Schwegler ist ein gebürtiger Ettiswiler, war einst Staatsschreiber des Kantons und von 2002 bis 2007 Präsident der Stiftung Agrovision Burgrain. Zur Ressourcen AG gehören weiter Kurt Marti und Alex Landolt. Mit Landolt, gebürtiger Schötzer, besuchte Schwegler die Mittelschule, Marti ist ein befreundeter Kies- und Transportunternehmer aus Zell. «Die Steinermühle ist ein Mosaikstein der Erlebnislandschaft Agrovision Burgrain. Sie soll zusammen mit Biohof, Bäckerei, Käserei und Restaurant eine Einheit bilden», sagt Franz Schwegler.

Die Gesuche seien «erste Meilensteine» eines Grossprojekts. «Wir rechnen mit Kosten von rund 600'000 bis 800'000 Franken.» Baustart ist frühstens Sommer 2016. «Die Lieferfrist der in Deutschland hergestellten Turbine beträgt rund ein Jahr.»

Für die kostendeckende Einspeisevergütung ist das Projekt seit 2011 angemeldet. «Wir hoffen, mit den jetzigen Fortschritten auf der Warteliste einige Plätze wettzumachen», sagt Schwegler. Über eine Laufzeit von maximal 20 Jahren dürften rund 40 000 Franken jährlich erwirtschaftet werden. «Reich werden wir mit dem Kleinwasserkraftwerk nicht.» Viel bedeutender sei für die Agrovision Ressourcen AG der ideelle Gewinn, will sie doch mit der Anlage den sorgfältigen Umgang mit Wasser und dessen nachhaltige Nutzung demonstrieren. Vom Tisch hingegen ist die Idee einer Solaranlage auf dem Dach. «Eine Nutzung der zweitbesten Energiequelle wäre unverhältnismässig.»

36 Hotelbetten geplant

Neu sind in der Steinermühle neben zehn Wohnungen auch Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen: «Für die Gäste der Agrovision und für Schlossbesucher wollen wir künftig 36 Hotelbetten anbieten», sagt Schwegler. Zu jeder Veränderung am Gebäude muss der Denkmalschutz aber seine Einwilligung geben. «Wir sind guten Mutes, im nächsten Frühling die Baubewilligung zu erhalten.» Dann soll auch die Planung eines Bildungszentrums für Pferdeberufe konkreter werden. Insgesamt will die Agrovision Ressourcen AG mehrere Millionen Franken im einstelligen Bereich investieren. «Die Finanzierung muss im Detail erst noch geregelt werden.»

So aussichtsreich die Zukunft der Mühle, so geschichtsträchtig deren Vergangenheit: Sie wurde 1865 von der Müller-Familie Steiner erstellt und war eine der ersten Kunstmühlebauten der Schweiz, die auf Vollbetrieb ausgelegt waren. Gemäss Schweizer Heimatschutz gehört sie zu einem wichtigen Siedlungsensemble, «mit dem ein bedeutendes Kapitel der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts in der Region fassbar wird». Seit den 1950er-Jahren mahlte man nur noch Futtergetreide, damals verlegte die Firma Steiner ihre Hauptproduktionsstätte nach Malters. Seit 1987 ist der Betrieb stillgelegt.

Gemeinde befürwortet Projekt

Dass die Mühle vor dem Zerfall gerettet wird, ist nicht zuletzt auch der Wunsch der Gemeinde: «Das Areal der Steinermühle ist heute kein schöner Flecken», sagt Gemeindeammann Josef Häfliger auf Anfrage. Er hoffe, dass der Denkmalschutz den Initianten noch entgegenkomme. «Mit den bisherigen Auflagen war es für die Gesellschaft nahezu unmöglich, einen wirtschaftlich rentablen Betrieb zu realisieren.» Auch von kantonaler Seite gebe es gegen das Projekt aus fachlicher Sicht – gestützt auf bisherige Beurteilungen – nichts einzuwenden, sagt Mario Conca, Leiter Abteilung Baubewilligungen bei der Dienststelle Raum und Wirtschaft.

«Ein altes Kraftwerk zu reaktivieren, das überdies eine geschichtliche Bedeutung hat, wird grundsätzlich nicht in Frage gestellt.» Der Regierungsrat entscheidet über die Vergabe der Konzession, die Rechte und Pflichten für den Bau und Betrieb der Kraftwerkanlage verfügt. «Unter anderem geht es um die jährliche Konzessionsgebühr, deren Höhe für die Wirtschaftlichkeit matchentscheidend sein kann.»

Evelyne Fischer

Die Steinermühle in Alberswil ist baufällig. Nun wollen drei Unternehmer aus der Region Millionen in das 1865 erstellte Gebäude investieren. (Bild: Pius Amreih / Neue LZ)

Die Steinermühle in Alberswil ist baufällig. Nun wollen drei Unternehmer aus der Region Millionen in das 1865 erstellte Gebäude investieren. (Bild: Pius Amreih / Neue LZ)

Die Steinermühle in Alberswil ist baufällig. Nun wollen drei Unternehmer aus der Region Millionen in das 1865 erstellte Gebäude investieren. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Steinermühle in Alberswil ist baufällig. Nun wollen drei Unternehmer aus der Region Millionen in das 1865 erstellte Gebäude investieren. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

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