ALBERSWIL: Museum kämpft gegen ein verstaubtes Image

Heute öffnet das Agrarmuseum wieder seine Tür. Leiterin Beatrice Limacher spricht über schlüpfende Küken, beliebte Bienen und einen neuen Namen.

Interview Stephan Santschi
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Beatrice Limacher, Leiterin des Agrarmuseums Burgrain in Alberswil, an der Honigbar in der Bienenausstellung. (Bild Manuela Jans-Koch)

Beatrice Limacher, Leiterin des Agrarmuseums Burgrain in Alberswil, an der Honigbar in der Bienenausstellung. (Bild Manuela Jans-Koch)

Beatrice Limacher, das Agrarmuseum Burgrain ist pünktlich zu Ostern wieder geöffnet. Welche Highlights erwarten den Besucher am Wochenende?

Beatrice Limacher: Wir hoffen, dass unsere Küken rechtzeitig zwischen Karfreitag und Ostersonntag schlüpfen. 37 Stück haben wir insgesamt hier. Bis jetzt hat es in 90 bis 95 Prozent der Fälle geklappt. Erstmals haben wir uns aber für Eier der Rasse Appenzeller Spitzhauben entschieden. Die sollen etwas kompliziert sein, deshalb habe ich vorsorglich auch bereits geschlüpfte Küken gekauft. (schmunzelt)

Das Eierausbrüten ist also nach wie vor beliebt?

Limacher: Extrem, ja. Viele Gäste kommen jedes Jahr ausschliesslich deshalb an Ostern zu uns und harren richtiggehend aus. Die Kinder können die Küken unter Aufsicht streicheln oder in die Hand nehmen. Am Ostersamstag werden zudem ab 10 Uhr Osterhasen gebacken. Die Kinder können dabei aus Zopfteig Osterhasen formen.

Den Blick über Ostern hinaus gerichtet – was hat das Agrarmuseum in dieser Saison Neues zu bieten?

Limacher: Im Bereich der Dauerausstellung haben wir einen Kinoraum eingerichtet. Passend zu aktuellen Themen werden hier Kurzfilme abgespielt. An Ostern geht es ums Huhn, an der Bilderausstellung «Die Vielfalt der Pferderassen» vom 30. April bis 12. Juni dreht sich dann alles ums Pferd. Daneben stehen auch bereits bewährte Dinge auf dem Programm, wie das Spanschachtelmuseum. Oder unser Bienenvolk, das man hinter einer Glasscheibe beobachten und mit Zuckerwasser füttern kann, während die Honigbar zum Degustieren einlädt.

Seit Sie am 1. Januar 2013 die Museumsleitung übernahmen, stiegen die Besuchszahlen innert zweier Jahre um rund 45 Prozent auf 9273. Wie fällt die Bilanz für das Jahr 2015 aus?

Limacher: An das Spitzenjahr 2014 kamen wir nicht heran. Das lag daran, dass wir ein Jahr nach der Wurstausstellung nicht mehr so viele Aktivitäten hatten. Vor allem aber war der heisse Sommer ganz schlecht für uns. Es ist halt so: Wenn der Bauer Freude am Wetter hat, passt es dem Museumsbetreiber gar nicht.

Während die Einzelbesuche zurückgingen, stieg der Wert für Grossanlässe markant. Gehört das zum neuen Weg, den Sie im Rahmen der Umstrukturierung gehen wollen?

Limacher: Unter anderem. Grossanlässe wie Koffermarkt oder Spring Bluegrass Festival, für die wir unsere Räumlichkeiten an externe Aussteller vermieten, kommen sehr gut an und sind wichtige Einnahmequellen. Wir gehen Partnerschaften ein und wollen diese künftig noch stärker ausbauen. Wir wollen aber nach wie vor für Einzelpersonen, Familien und Gruppen mit der Ausstellung eine attraktive Destination sein.

Was ist für die mittelfristige Zukunft weiter an Veränderungen angedacht?

Limacher: Wir werden weiterhin die Agrargeschichte berücksichtigen, der Fokus soll sich aber auf die Ernährung richten. Deshalb steht auch eine Namensänderung zur Debatte. In den nächsten eineinhalb Jahren geht es darum, die Inhalte zu definieren und die damit verbundenen baulichen Massnahmen festzulegen. Da für uns diese Umstrukturierung kostenneutral nicht möglich ist, brauchen wir Partnerschaften. Daran hat es zuletzt etwas geharzt.

Stichwort Namensänderung: «Agrarmuseum» könnte also bald der Vergangenheit angehören?

Limacher: Das muss diskutiert werden. Der Begriff «Museum» wird oft als etwas Verstaubtes wahrgenommen, und das werden wir mit dem neuen Konzept definitiv nicht sein. Wir wollen die Leute mit interaktiven Ausstellungen ansprechen. Wie mit «Darfs es betzali weniger sii?», einer Sonderausstellung, die am 23. Juni beginnt. Dort steht die Vermeidung von Lebensmittelabfällen im Zentrum. Unter anderem mit Rezepten für Essensreste, Tipps zu cleverem Einkaufen und richtigem Portionieren.

Interview Stephan Santschi

Hinweis

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14 bis 17 Uhr; Sonn- und Feiertage 10 bis 17 Uhr.