Alkohol-Problem an Lozärner Fasnacht

An den rüüdigen Tagen wird einiges an Alkohol getrunken. Die Suchtprävention gibt Eltern Tipps für diese Zeit.

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Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ

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Noch wenige Tage, dann gehts los mit der Lozärner Fasnacht. Ein Anlass, der aber nicht nur für Freude sorgt, sondern vielen Eltern die Sorgenfalten ins Gesicht treibt: Sie befürchten, dass ihre Kinder während der Fasnachtszeit (übermässig) Alkohol konsumieren. Herbert Willmann ist Leiter der Fachstelle für Suchtprävention in Luzern und kennt diese Ängste der Eltern. «Dass Jugendliche an der Fasnacht beim Alkohol über die Stränge schlagen, ist nach wie vor das grösste Problem.» Es gebe zwar auch andere Drogen wie beispielsweise Cannabis, Amphetamine und K.O.-Tropfen, die dann zum Thema würden – «dies aber in weit geringerem Ausmass als Alkohol», so Willmann. Den Eltern empfiehlt er, sich vor dem Start der Fasnacht mit den eigenen Kindern an den Tisch zu setzen. «Es gilt verbindlich abzumachen, was an der Fasnacht drinliegt beim Konsum von Alkohol und wo die Grenze liegt.» Als Richtlinie gelte: Bis 16-jährig ist Alkohol grundsätzlich nicht zu empfehlen. Denn die gesundheitlichen Risiken sind zu gross.

Bei 16- bis 18-Jährigen sei massvoller Konsum von Alkohol» angezeigt, meint Willmann. Die Grenze liege in diesem Alter bei zwei Stangen Bier oder zwei Gläsern Wein pro Tag. Der Leiter der Fachstelle relativiert aber: «Je nach Reife des Jugendlichen können auch grosszügigere Regelungen getroffen werden. Es ist Aufgabe der Eltern herauszuspüren, wie eng die Grenzen gesteckt werden müssen.» Dies gelte auch für die Ausgehzeiten. Im Zweifelsfall sei es besser, die Jugendlichen etwas länger weggehen zu lassen. «Die Zeit, um welche sie dann aber zu Hause sein müssen, soll umso verbindlicher gelten.»

Keine Trotzreaktion provozieren
Und was rät er, wenn die Abmachungen bezüglich Alkohol und Rückkehr nicht eingehalten werden? «Häufig neigen Eltern dazu, die Kinder gleich mit Vorwürfen zu überhäufen.» Am besten sei es, eine Nacht darüber zu schlafen und die Angelegenheit am nächsten Tag in aller Ruhe zu besprechen. «Die Eltern müssen klar zum Ausdruck bringen, dass sie die Regelverstösse nicht akzeptieren und beim nächsten Mal ein anderes Verhalten verlangt wird.» Den Kindern den Ausgang zu verbieten, davon hält Willmann jedoch nichts. Das führe häufig nur zu einer Trotzreaktion, bei der die Jugendlichen dann ihre Grenzen umso mehr ausloten würden.

Lage ist stabil
Willmann und seine Kollegen bei der Fachstelle beobachten in den letzten Jahren keine Zunahme von alkoholisierten Jugendlichen an der Fasnacht. «Es gibt da zwar immer auch Schwankungen. Grundsätzlich bleibt die Lage aber stabil.» Wie viele Jugendliche in den rüüdigen Tagen übermässig Alkohol konsumieren, kann er nicht sagen. «Es liegen keine Zahlen dazu vor.» Es komme aber immer wieder zu notfallmässigen Einlieferungen ins Spital. Gefährdungsmeldung

Die Einsatzgruppe SIP (Sicherheit Intervention Prävention) kommt das ganze Jahr über in Kontakt mit alkoholisierten Jugendlichen. Anton Häfliger, Leiter der SIP, appelliert an die Eltern. «Sie sind die Einzigen, die den Kindern den Alkoholkonsum verbieten oder sie zu massvollen Konsum anhalten können.» Stösst die SIP beispielsweise an der Fasnacht auf betrunkene Jugendliche, dann kontaktiert sie die Eltern, sofern nicht nüchterne Kollegen für eine sichere Heimkehr garantieren können. «Die Eltern holen die Jugendlichen dann ab.» Das geschehe etwa fünf- bis zehnmal pro Jahr. Im Normalfall arrangiert die SIP, dass die Jugendlichen einander selber helfen. «Wenn eine Gruppe von Jugendlichen unterwegs ist, dann ist es zumutbar, dass diese aufeinander aufpassen und sich entsprechend organisieren», sagt Häfliger. Wenn die SIP den Eindruck hat, dass die Eltern ihre Erziehungspflicht vernachlässigen, oder auch in Absprache mit den Eltern, macht SIP bei der Wohngemeinde eine Gefährdungsmeldung. «In diesem Fall wird der Schulsozialarbeiter oder die zuständige Stelle die Eltern kontaktieren», sagt Häfliger. Im letzten Jahr habe man aber nur zweimal so massiv eingreifen müssen.

Noémi Schafroth