Alkoholgrenzwerte gelten auch für Bootsführer

Wer mehrere Gläser Wein getrunken hat, darf kein Boot mehr lenken. Das Luzerner Obergericht hat eine bedingte Geldstrafe und eine unbedingte Busse gegen einen betrunkenen Freizeitkapitän bestätigt.

Drucken
Teilen
Für das Führen von Schiffe gelten hohe Anforderungen, gerade bei Dunkelheit, so das Gericht. (Bild: Archiv Neue NZ)

Für das Führen von Schiffe gelten hohe Anforderungen, gerade bei Dunkelheit, so das Gericht. (Bild: Archiv Neue NZ)

Der Rentner war in einer Sommernacht 2010 im Luzerner Seebecken aufgefallen, weil sein Boot überschlagende Heckwellen verursachte. Bei der Kontrolle stellten die Polizisten Atemalkohol fest. Der Beschuldigte gab zu, drei bis vier Gläser Wein getrunken zu haben. Eine Untersuchung im Kantonsspital bestätigte den Verdacht der Angetrunkenheit. Die Nachmessungen ergaben einen Wert von 1,06 bis 1,55 Promille.

Im Dezember 2011 verurteilte das Bezirksgericht den Bootsführer wegen Führens eines Schiffes in angetrunkenem Zustand zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 50 Franken sowie zu einer unbedingten Busse von 200 Franken. Der Beschuldigte appellierte beim Obergericht und verlangte einen Freispruch.

Kein Grenzwert

Die Binnenschifffahrtsgesetzgebung stellt zwar das Führen eines Schiffes in angetrunkenem Zustand unter Strafe, sie legt aber keinen Grenzwert fest. Die Verteidigung führte an, die im Strassenverkehr geltenden 0,5 respektive 0,8 Promille dürften nicht zur Beurteilung dieses Falles herangezogen werden.

Das Obergericht folgte dieser Argumentation aber nicht. Es sei erlaubt, den Paragraphen im Binnenschifffahrtsrecht mit einem Analogieschluss auszulegen und zu konkretisieren, heisst es in dem am Montag veröffentlichten Urteil.

Die Grenzwerte basierten auf gesicherten, wissenschaftlichen Erkenntnissen, schreibt das Gericht. Die Blutalkoholkonzentration des Beschuldigen sei mehr als doppelt so hoch gewesen wie die im Strassenverkehr gerade noch erlaubten 0,49 Promille und deutlich höher als die 0,8 Promille, bei denen ein qualifizierter Tatbestand vorliege.

Weiter weist das Obergericht darauf hin, dass der Arzt im Kantonsspital beim Beschuldigten einen schwankenden Stand festgestellt habe. Für das Führen von Schiffe gälten hohe Anforderungen, gerade bei Dunkelheit.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden.

sda/rem