Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Alkoholtestkäufe 2018: Fast die Hälfte der Luzerner Betriebe verkaufte Alkohol an Jugendliche

Im vergangenen Jahr haben im Kanton Luzern 45 Prozent der getesteten Betriebe alkoholische Getränke an Jugendliche verkauft. Besonders leicht kamen Jugendliche in Festwirtschaften an Bier, Wein und Schnaps.
David von Moos

Letztes Jahr wurden im Auftrag der Luzerner Polizei 21 Restaurationsbetriebe und 41 Läden auf die Einhaltung des Alkoholverkaufsverbots getestet.

Wie die Luzerner Polizei mitteilt, haben 45 Prozent der getesteten Betriebe gegen das Gesetz verstossen und alkoholische Getränke an Jugendliche verkauft. Bei den überprüften Restaurants und Bars hat rund ein Drittel das Alkoholverkaufsverbot missachtet. Bei den Läden lag der Anteil sogar bei zwei Dritteln.

Es sei allerdings nicht so, dass Jugendliche etwa auf dem Land oder an Bahnhöfen eher zu Alkohol kämen, erklärt Felix Wahrenberger von Akzent Prävention und Suchttherapie in Luzern: «Generell kann man sagen: Es ist nicht entscheidend, wo sich der Verkaufs- oder Restaurationsbetrieb befindet und welche Kundschaft er hat. Es kommt immer ganz auf die Strukturen im Betrieb an.» Jeder einzelne Mitarbeiter müsse wissen, wie der Jugendschutz umzusetzen sei und warum.

Das Bewusstsein für den Jugendschutz sei zwar beim Verkaufspersonal schon auch vorhanden, sagt Wahrenberger. «Die Kontrollen kommen aber in der Umsetzung manchmal etwas zu kurz. Erfahrung macht viel aus. Erfahrene Mitarbeiter fragen auch in stressigen Situationen nach dem Ausweis.»

So laufen Testkäufe im Kanton Luzern ab

In zufällig ausgewählten Betrieben versuchen Jugendliche, in Begleitung von Fachpersonen, alkoholische Getränke zu kaufen. Die Begleitpersonen erteilen dem getesteten Personal unmittelbar nach den Testkäufen eine mündliche Rückmeldung. Im Anschluss werden alle kontrollierten Betriebe schriftlich vom Fachbereich Gastgewerbe und Gewerbepolizei über den erfolgten Alkoholtestkauf orientiert. (pd)

Selbst bei der Nachkontrolle haben laut der Polizei sechs von 25 Betrieben das Verkaufsverbot missachtet. Diese Betriebe erhielten eine kostenpflichtige Verwarnung. Bei einem weiteren Verstoss droht ihnen ein Verkaufsverbot auf Zeit.

Sieben von zehn Festwirtschaften fielen durch

Auch bei 32 Festwirtschaften wurden im Auftrag der Luzerner Polizei Alkoholtestkäufe durchgeführt. An 22 Orten bekamen die Jugendlichen illegal alkoholische Getränke. Dies entspricht 69 Prozent. Die verantwortlichen Personen der Anlässe wurden verwarnt. Bei erneuten Verstössen gegen den Jugendschutz müssen sie bei künftigen Festen mit einer Bewilligungsverweigerung rechnen.

Hat der Jugendschutz angesichts dieser Zahlen versagt? «Testkäufe sind ein Teil der Prävention. Sie liefern kein repräsentatives Abbild der Wirklichkeit, das sind nur Stichproben», sagt Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei, auf Anfrage. «Wenn man nach einem erfolgreichen Testkauf mit dem Verantwortlichen des entsprechenden Betriebes spricht, wird klar: Da will niemand Fehler machen. Diese passieren aus Unachtsamkeit. Das Bewusstsein aber, das ist schon vorhanden.»

Vorsicht sei insbesondere überall dort geboten, wo Aushilfspersonal im Einsatz sei, das nur kurz instruiert werden könne, so Präventionsexperte Felix Wahrenberger weiter. «Es hapert immer ganz am Schluss, dort wo kontrolliert wird.»

Je länger der Anlass dauere und je grösser der Andrang sei, desto nachlässiger würden die Kontrollen beim Jugendschutz. «Man muss sich diese Zeit einfach nehmen», stellt Wahrenberger klar. «Hier sind die Veranstalter weiterhin in der Pflicht: Sie müssen schauen, dass der Jugendschutz eingehalten wird.»

Deshalb seien auch weitere Alkoholtestkäufe nötig. «Wie die Praxis zeigt, haben Testkäufe eine positive Wirkung auf das Verkaufspersonal und sensibilisieren nachweislich für die Verkaufspraxis», schreibt die Luzerner Polizei in ihrer Mitteilung. Aufgrund der hohen Durchfallquote müsse der Jugendschutz beim Verkaufspersonal stets thematisiert werden. Dazu gehörten strikte Ausweiskontrollen.

Schwierige Umsetzung in der Praxis

Aufgrund des Jugendschutzes dürfen weder Bier, Most oder Wein an unter 16-Jährige verkauft werden. Spirituosen und Alcopops sind erst ab 18 erlaubt. Obwohl die gesetzlichen Grundlagen klar sind, ist die Einhaltung der geltenden Jugendschutzbestimmungen für das Verkaufspersonal oft eine Herausforderung. (pd)

Bei der Ausweiskontrolle wird es heikel

Die aktuelle Auswertung der Alkoholtestkäufe im Kanton Luzern zeigt: Am häufigsten wird die Frage nach dem Alter nicht gestellt. «Vielleicht fehlt es manchmal an Mut, jemandem vor anderen Leuten nach dem Alter zu fragen», mutmasst Urs Renggli von der Luzerner Gastgewerbe- und Gewerbepolizei. Man beobachte bei Testkäufen auch immer wieder, dass zwar nach dem Ausweis gefragt, dieser dann aber nicht genau kontrolliert werde. «Wohl weil die Verkäuferin oder der Verkäufer dann denkt, es sei schon alles ok, wenn der Ausweis dann auch vorgewiesen werde. Der Faktor Zeitdruck spielt dabei sicherlich auch eine Rolle.»

Um dem Personal in Stresssituationen die Kontrolle zu erleichtern, stelle man deshalb eine Jahrgangstabelle als Rechnungshilfe zur Verfügung. «Damit sieht das Personal schneller, ob jemand schon 16 oder 18 Jahre alt ist.»

Wie können Organisatoren freiwillige Mitarbeitende einer Grossveranstaltung schnell und kostengünstig im Bereich Jugendschutz und Alkoholausschank schulen? Auf der Website www.jalk.ch kann kostenlos eine Online-Schulung absolviert werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.