Alle Kunden ernst nehmen!

Lena Berger, Leiterin regionales «Zentralschweiz am Sonntag» über den Fall eines Mannes, der trotz Krankheit arbeitete und gleichzeitig Krankentaggeld bezog.

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Lena Berger

Leiterin Zentralschweiz am Sonntag
Neue Luzerner Zeitung

(Neue LZ/Dominik Wunderli)

Fotografiert am 26.11.2015

Kopfsalat
Mitarbeiter
Mitarbeiterin
Portrait (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Lena Berger Leiterin Zentralschweiz am Sonntag Neue Luzerner Zeitung (Neue LZ/Dominik Wunderli) Fotografiert am 26.11.2015 Kopfsalat Mitarbeiter Mitarbeiterin Portrait (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Die Schweiz ist eine Nation von rundum Versicherten – so das Klischee. Eigentlich 
unvorstellbar, dass sich hier ein Mensch über Monate krank zur Arbeit schleppt. Und doch kommt es vor, wie der Fall eines Gastronomie-Mitarbeiters zeigt.

Wer hat hier welchen Fehler gemacht? Der Mann hat zu Unrecht Krankentaggelder bezogen, als er arbeiten ging. Dafür gibt es keine Ausrede. Er hat sich nicht beim Sozialamt gemeldet, weil er gemäss seinem Anwalt nicht mit dem hiesigen Sozialsystem vertraut war. Aber: Wer in die Schweiz zieht, um hier zu arbeiten, von dem darf man auch erwarten, dass er sich über die geltenden Regeln informiert.

Die Krankenkasse allerdings macht auch keine gute Falle. Eine umfassende Budgetberatung kann man von seiner Krankenkasse vielleicht nicht erwarten – wohl aber, dass auch fremdsprachige Kunden ernst genommen werden. Minimale Englischkenntnisse gehören dazu. Dass es eine Mitarbeiterin aber nicht mal für nötig hält, als Zeugin aufzutreten, und sogar der Anwalt eine halbe Stunde zu spät ans Gericht kommt, lässt tief blicken.

Lena Berger

<span style="font-size: 1em;">lena.berger@luzernerzeitung.ch</span>